300 Jahre Nationalpark Sächsische Schweiz

Was die Nationalparkverwaltung möglicherweise im verborgenen plant

Was wird uns, wenn es so weitergeht, in den nächsten 270 Jahren bevorstehen?  · Nach Hause · Draußensein

   

Jahr 1970:

Wegenetz 1970    

Wir beginnen im Jahr 1970. Unsere Landschaft war 1961 bzw. 1966 gerade Naturschutzgebiet geworden. In der damaligen Naturschutz-Vorstellung war aber Wandern auf allen großen und kleinen Wegen selbstverständlich. Das war doch der eigentliche Sinn eines Naturschutzgebietes, dass hier die Menschen draußen in der Natur sein konnten. Mensch und Natur waren in Harmonie vereint und bildeten kein Spannungsfeld.


 

 

 

 

 

Das ist keine Satire, sondern eine Prognose mit wissenschaftlichem Anspruch. Karten und Texte wurden anhand einer Reihe von Studien und Monographien erstellt, die sämtlich mit wissenschaftlichem Ernst verfasst worden sind. Es gibt also keinerlei Anlass, anzunehmen, wir hätten uns hier irgendwie als Humorist oder Spaßvogel versucht. Unsere Quellen sind:

  1. die Studie Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall des Leibnitz-Institutes für Wirtschaftsforschung (IWH) Halle, die 2019 unter Leitung von Prof. Gropp 2019 erstellt wurde und in der u. a. „Mut zur Aufgabe ländlicher Räume“ gefordert wird,
  2. das Buch Naturschutz – das Machbare von Wolf-Eberhard Barth, 2. Aufl. Hamburg Parey 1995, in dem die akademische deutsche Naturschutz-Lehrmeinung insbesondere in Bezug auf den Tourismus detailliert dargelegt wird,
  3. die Wegekonzeption 09/1998 der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz, in der erstmals eine großflächige Zerstörung des Wanderwegenetzes der Sächsischen Schweiz gefordert wurde,
  4. der Wegeplan für den Nationalpark Harz 2011-2020 der Nationalparkverwaltung Harz 2011 in dem sich die erstmalige Ausführung einer Wegenetz-Zerstörung mit Tiefbautechnik (Baggern) akribisch dokumentiert wiederfindet,
  5. der Komitee-Bericht zur Evaluierung des Nationalparkes Sächsische Schweiz, Europarc e. V. 2012, in dem dargelegt wird, in welche Richtung sich „Wegdichten“, „Wanderwegsperrungen“ und „Wegenetzwegfertigungen“ im Nationalpark Sächsische Schweiz in den kommenden Jahrezehnten zu entwickeln haben (unser Exzerpt hier),
  6. der Komitee-Bericht zur Evaluierung des Nationalparkes Kellerwald, Europarc e. V. 2011, in dem wir einen Wertansatz für die in Nationalparks maximal zulässige Wanderwegdichte fanden, 20 Meter pro Hektar (S. 31), (unser Exzerpt hier),
  7. die repräsentative Umfrage Naturbewustsein 2013 des Bundesamtes für Naturschutz, in der „die Bevölkerung“ selbst zu bestätigen scheint, dass sie am liebsten aus der Natur herausgeschützt werden möchte, einer überwiegenden Sperrung von Wanderwegen zustimmt und die Natur nur noch unter fachlicher Begleitung zu betreten wagt. (Allerdings ergab unsere kritische Rezeption, dass die Studie versteckt manipuliert worden ist. Die behaupteten Tatsachen halten einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand),
  8. der Wegeplan für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald 2020, dessen Karte 23 in Überlagerung mit Openstreetmap eindrucksvoll demonstriert, dass die von uns dargestellte Wegenetzzerstörung und -reduktionen auf Abstand ≥2 km keinesfalls eine übertriebene Zukunftsphantasie ist, sondern genau das, womit bereits heute in deutschen Nationalparks Naturschutz-Theorie in die Praxis umgesetzt wird,
  9. der Regionalplan Elbtal/Osterzgebirge, 2. Gesamtfortschreibung Stand 90/2017, dem man pointiert entnehmen kann, dass es im Raum Dresden bald nur noch zubetonierte urbane Siedlungsflächen und naturschutzmäßig gesperrte No-Go-Areas geben wird, siehe hier,
  10. das Feature Die Militarisierung des Naturschutzes in Afrika von Simone Schlindwein, Kampala, Erstsendung Deutschlandfunk Kultur am 29.10.2019 19:15 Uhr, das einige erstaunliche (um nicht zu sagen – erschreckende) Parallellen zwischen Nationalparks in Zentralafrika und Zentraleuropa offenbart, (Skript PDF),
  11. die teilweise vorliegenden Kommunalakten der Arbeitsgruppe „Wegekonzeption bei der Nationalparkverwaltung“ (Wegekommission) von Bad Schandau, Zeitraum 1999 bis 2003, in denen die „einvernehmlichen Verhandlungen“ und das „mühsame Ringen um einen Konsens“ unter Einbeziehung einer „breiten Öffentlichkeit“ dokumentiert sind (die Unterlagen sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich),
  12. das Statistischen Jahrbuch der DDR, Jahrgang 1976, sowie die aktuelle Einwohnerstatistik des Freistaates Sachsen,
  13. die Kartengrundlage wurde basierend auf https://www.alltrails.com erstellt (s. u.)

Schließlich dienten mir Andreas Paulys Mails aus der Zukunft, www.sandsteinwandern.de 2012, (Mail 1, 2, 3, 4, 5 und 6), als Anregung für die epische Ausschmückung meiner Forschungsergebnisse.

Wer zweifelt und etwa unsere Vorausschau der kommenden 30 bis 60 Jahre für überzeichnet hält, kann die Szenarien leicht mit einem Gedankenexperiment überprüfen. Wie hätten sie reagiert, hätte man ihnen bei der Nationalparkeröffnung vor 30 Jahren den heutigen Zustand als realisitsches Zukunftsbild im Jahr 2020 vorgestellt?

„Haltlos, unrealisitisch, absurd, aus der Luft gegriffen, irreales Zukunfts-Zerrbild, Anti-Naturschutz-Greuelpropaganda“ – so hätten wir das heutige Bild gewiss damals eingeschätzt, ich übrigens auch. Doch die Zeiten ändern sich und damit auch unsere Sichtweisen. Und genauso, wie wir 1990 eine Totalsperrung der halben Hinteren Sächsischen Schweiz im Jahr 2020 für absurd gehalten hätten, genauso irreal erscheinen uns heute Zukunftsszenarien, in denen allein Kirnitzschtalstraße, Zeughausstraße und Roßsteig die im Jahr 2050 noch einzig bewanderbaren Weglinien darstellen. Doch so wird es kommen, wenn wir nichts dagegen unternehmen – da braucht man nur mal den heutigen Wegeplan Nationalpark Hunsrück-Hochwald und eine Sächsische-Schweiz-Karte in gleichem Maßstab nebeneinanderlegen.


Arbeitsplot Kartengrundlage

Kartengrundlage

Schlussbemerkung: Diese Seite enthält erhebliche Kritik an der Nationalparkverwaltung. Wir verweisen darauf, dass die Nationalparkverwaltung eine nachgeordnete Behörde des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) ist, und in der Regel auf dessen Weisungen handelt. Im Kern ist es das SMUL, das wesentlich die Art und Weise bestimmt, in der Naturschutz in der Sächsischen Schweiz gemacht wird. Die herrschende Naturschutz-Lehrmeinung, die hierbei umgesetzt wird, wird von urbanen Eliten geprägt. Die Erfahrungen und Interessen der Menschen, die seit Generationen im ländlichen Raum leben, sich hier erholen und hier wandern, werden dabei marginalisiert. Dabei geraten die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung schnell in einen Interessenkonflikt zwischen ihrer Loyalitätspflicht gegenüber ihrem Arbeitgeber und ihren Herzen. Denn sie sind ja oft Bewohner des ländlichen Raumes und selbst viel draußen.


16.02.2021 Initial
17.02.2021 Text und Karten bis 2140
22.02.2021 Text und Karten bis 2240
26.02.2021 Ausgefeilt
28.02.2021 Noch etwas mehr ausgefeilt
08.03.2021 Durchsicht