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Anhang

Rolf Böhm hat ein bisschen Angst

Hundespuren im Schnee

Wölfe in der Sächsischen Schweiz. Stimmt das noch, was uns die alten Märchen erzählen?

  Es soll wieder Wölfe geben
  Wie mag das früher nachts draußen im Wald gewesen sein?
  Aber das ist doch hundert Jahre her
  Achtung, nun zückt Dr. Böhm die Panikkarte
  Natürlich ist Natur gefährlich
  Mag ja alles stimmen
  Die Evolution
  Links

Es soll wieder Wölfe geben

Ich bin gern im Wald, allein im Gelände, manchmal tagelang. Und wenn es dann abend wird, kann man natürlich ins Quartier fahren, zum Parkplatz, Auto, heim. Man kann aber auch im Wald bleiben und sich einen schönen Felsüberhang zum Schlafen suchen. Das ist für viele Menschen eine wunderbare Sache. Wenn du das einmal gemacht hast, wirst du das immer wieder wollen. Du verspürst dann das alte Outdoor-Gen in dir. Und dann siehst du vielleicht die einsame Spur eines Hundes mitten im Wald mit anderen Augen ...

Hundespuren im Schnee

Es soll wieder Wölfe geben, in der Sächsischen Schweiz. Das ist zunächst wie im falschen Film: Der Gedanke, dass da der Wolf kommt, um dich zu fressen, wenn du dich da zur Ruhe begeben hast. Wölfe sind nicht gefährlich, sie sind sehr scheu, heißt es. Aber unser Wissen ist lückenhaft. So richtig weiß das keiner mehr, wie das früher war, draußen im Wald. Als da noch die Wölfe waren.

Hm — —

 

Wie mag das früher nachts draußen im Wald gewesen sein?

Haben die da damals ein Feuer gemacht?

„Komm zu uns an das lodernde Feuer, in die Berge bei stürmischer Nacht.“ heißt es in dem alten Liedtext. Klar haben die ein Feuer gemacht. Zum Kochen und Wärmen. Aber auch als Schutz gegen wilde Tiere.

Hat man da einfach im Freien geschlafen?

Ja, wenn es nicht anders ging. Ansonsten sah man aber zu, dass man in ein Haus oder eine Hütte hineinkam, wenn es finster im Wald wurde. Auf Wanderschaft ging man früher zum Bauern in die Scheune. Als sich dann später die Bergsteiger ihre Boofen gebaut haben, gab es da einen Schlafraum mit einer festen Tür. Dort war man geschützt. Vor Wind und Regen. Aber auch vor Bären und Wölfen.

Schlief man alleine draußen?

Allein draußen zu sein, gilt seit alters her als gefährlich. Reisende, Pilger, wandernde Handwerksburschen, Jäger, Soldaten, Landsknechte, Vaganten, fahrendes Volk und Versprengte sahen zu, dass sie sich zusammenfanden, wenn sie draußen waren. Häufig wurden, wenn im Wald übernachtet werden musste, Nachtwachen eingeteilt. Wegen Feinden, Kriegsknechten oder Raubgesindel. Vielleicht aber auch, weil man Angst hatte, dass da Raubtiere kommen könnten?

Und schließlich —

die haben da doch früher Gewehre mitgenommen? — Wenn es in die Welt hinausging, immer. Livingstone, Burke, Bellinghausen, Old Shatterhand, alle. Die Großmutter hatte im Ulbersdorfer Bahnhäusel um 1900 auch noch einen Revolver im Küchenschrank. Das war früher nämlich nicht so wild mit Waffenschein und so. Tom Sawyer hat als Lausebengel einen Revolver gegen Zaunstreichen eingekaupelt.

Winterwald

Tja, damals — —

 

Aber das ist doch hundert Jahre her

Klar, das ist alles Quatsch. Lange vorbei. Boofen, Feuern, Schießen, altes Zeug, hundert Jahre her. Wer hat noch Angst vorm Wolf. An dein Schießgewehr kommst du da in deiner Boofe sowieso nicht so schnell ran. Ob so ein bißchen Feuer einen Wolf abhält, ist auch nicht sicher. Und wenn ihr da zu dritt boofen seid, könnt ihr ja mal einen für die Nachtwache einteilen. Der wird sich dann schön bedanken, wenn Montag früh um 5 der Wecker klingelt.

Eines fällt dabei aber auf — —

Was?

Wenn man früher mit heute vergleicht:

Natürlich gehen viele Menschen gern Boofen. Das Outdoor-Segment boomt. Allerdings werden feste Ausbauten von Freiübernachtungsplätzen nicht mehr geduldet. Die alten Bergsteiger-Biwakplätze im Elbsandstein sind alle abgerissen worden, schädigt die Natur. Ebenso die Wald- und Holzfällerhütten, die es früher überall im Wald gegeben hat. Haben die damals einfach so hingebaut. Heute kriegst du dafür nicht einmal mehr eine Baugenehmigung. Naturuntypische Zersiedlung, Außenbereich, Baugesetzbuch § 35. Schutzhütten für den Wanderer werden im Nationalparkprogramm schon einmal als unerwünschte „Naturmöblierung“ abgetan. Zu naturfern, würde gegen den Wolf aber auch nicht viel nützen. Feuer ohne Erlaubnis der Forstbehörde, selbstverständlich nicht. Waldgesetz, Waldbrandgefahr, grob fahrlässig, schädlich, außerdem Totholzentnahme. Na, und Schusswaffen, hallo? Schonmal was von den vielen Amokläufern gehört? Ich würde mich vielleicht selbst aufregen, wenn da so Outdoor-Typen mit der S-Bahn zum Winterboofen rausfahren würden, mit langen Flintentaschen außen an den Kraxen dran.

Ist sicher alles richtig. Die Zeiten haben sich geändert. Wir haben heute ein anderes Naturverständnis. Sachen die gefährlich sind, umweltunfreundlich oder naturfern oder naturschädlich machen wir nicht mehr.

Eines fällt dabei aber auf — —

Dass all diese gefährlichen, umweltunfreundlichen, naturfernen und naturschädlichen Sachen die die früher gemacht haben (und die wir uns heute verbieten) vielleicht auch gegen Wölfe und Bären Schutz geboten haben.

Wenn wir heute in einer Freinacht draußen sind, außerhalb fester Gebäude, ohne Feuer, ohne Nachtwache, möglicherweise allein und selbstverständlich ohne eine Schusswaffe ...

 

Achtung, nun zückt Dr. Böhm die Panikkarte

„Grundnahrung des Wolfes bilden im größten Teil des Verbreitungsgebietes mittelgroße bis große pflanzenfressende Säugetiere, er nutzt dabei die im jeweiligen Lebensraum dominierende Arten.“ steht in der Wikipedia. 45,5 % der Wölfe fressen laut Kotanalysen Wildschweine, 23,3 % Rothirsche. Dann gibt es da in der Wikipedia noch dieses Bild:

Quelle: Wikipedia

Ein Wolfsrudel jagt einen Amerikanischen Bison. Das arme Vieh. Selbstverständlich ist es gesichertes Wissen, dass der Mensch nicht in das Beuteschema des Wolfes gehört. Nur – warum blos nicht? Auf diese Frage habe ich noch keine befriedigende Antwort gefunden. Was wird wohl so ein Bison wiegen? Der Rothirsch wiegt laut Wikipedia bis 167 kg. Kein großes Problem für einen Wolf. Ich wiege die Hälfte davon, kann nicht so schnell weglaufen, und habe nicht einmal ein Geweih. Ich weiß nicht, was da an uns dran sein sollte, dass das Beuteschema des Wolfes da ausgerechnet um die dominierende Art Homo sapiens einen riesengroßen Bogen machen sollte? Vielleicht, weil die Exemplare dieser Art meist in einem Auto sitzen? Oder tagsüber in Wandergruppengröße durch den Wald laufen? Oder die Reviere um ihre Baue herum mit Gartenzäunen kennzeichnen? Eben so Zivilisationskram.

Ich stelle mir da aber auch mal vor, wie ich allein im Wald übernachte. Ohne Feuer. Ohne Nachtwache. Allein. Und klar, ohne eine Schusswaffe ...

Nein, nein, keine Angst. Das war nur mal so ein Gedanke von mir.

 

Natürlich ist Natur gefährlich

Allerdings fällt schon auf, dass die allgemeine Willkommensfreude in Sachen Wolf in einem seltsamem Widerspruch zu unserer typisch zivilisatorischen „Vollkaskomentalität“ steht. Kaum eine Wanderwegplanung ohne Erörterung der Wegsicherungspflicht (übrigens oft mit dem Hintergedanken der Wegsperrung). Viele Schilder in unserem Nationalpark weisen ausdrücklich darauf hin, dass „Natur auch Gefahr“ bedeute. Natürlich ist Natur gefährlich.

Schneebruchgefahr

Schöner Winterwald? Vorsicht. Man sollte ein wenig Respekt haben ...

Schneebruch

... vor der Stärke eines solchen Astes. Es ist richtig, dass bei Schneebruchgefahr davor gewarnt wird, in den Wald zu gehen.

Ja, und dann laufen hier plötzlich ganze Wolfsrudel rum. Völlig normal, und – äh, wohl – grundsätzlich – ungefährlich.

Wenn da was passiert, könnte es am Ende sogar heißen: ,Ja, was pennt der auch hier draußen, selber schuld. Ist doch klar, dass das gefährlich ist, wo die Wölfe sind.‘ Wo es doch heutzutags schon als fahrlässig gilt, ohne Handy in den Wald zu gehen.

Antarktis.

Dann hätten die „Mensch-aus-der-Natur-Herausschützer“ gewonnen — — — —

 

 

Mag ja alles stimmen

Mag ja alles stimmen, dass da die Wölfe in den letzten 50 Jahren in Europa blos 5 Menschen getötet haben, und die hatten Tollwut (die Wölfe). Mag ja stimmen, dass da in Schweden letztmalig 1820 ein Wolf einen Menschen tödlich verletzt hat. Mag ja sein, dass da die Wölfe, die da im Bischofswerdaer Tierpark und im Basler Zoo Kinder verletzt haben, Problemtiere und Wölfe in Gefangenschaft waren. Mag sein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich Opfer eines Wolfsrisses werde – so mit Excel ausgerechnet – bei nur 0,0005 % liegt.

Blos: Ich habe da so ein Bauchgefühl. Und das ist ausgesprochen mulmig.

So richtig wissen wir Menschen nicht, was die Ur-Antriebe unseres Handelns sind. Die liegen in den Tiefen der Evolution verborgen. Wölfe sind nicht gefährlich, sie sind sehr scheu, sagen die Wolfsexperten. Ich lese dort einmal genau nach:

  •   „Direkte Gefahren für die Menschen in den Wolfsregionen entstehen durch gesunde Wölfe im Normalfall nicht.“NABU Deutschland.
  •   „Das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden ist sehr gering.“www.wolfsregion-lausitz.de.
  •   „Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv.“www.wolfsinfozentrum.de.
  •   „Wer sich unvermutet einem Wolf gegenüber sieht: Ruhig bleiben, mit dem Tier laut sprechen, nicht weglaufen.“Freundeskreis freilebender Wölfe e. V.

„Im Normalfall nicht“, „sehr gering“, „in der Regel“, „ruhig bleiben“. So richtig überzeugt klingt das alles nicht.

Das klingt wie das „der tut nichts,“ dem klassischen Standardspruch des Hundeliebhabers in der Hund-Passant-Kontaktsituation. Stimmt ja auch. Der tut ja wirklich nichts. Meistens jedenfalls nicht.

„Der Mensch stellt für den Wolf eine größere Gefahr das, als der Wolf für den Menschen.“ Noch so ein Spruch. Also da gibt nur eins, um den Wolf zu schützen: Die Oberottendorfer müssen sich selbst in Käfige einsperren.

 

Die Evolution

Die Evolution hat mich so eingerichtet hat, dass ich da eher meinem Bauchgefühl vertraue. Wenn ich da zum Boofen rausfahre.

Dann gibt es da noch solche Texte, wie den hier, über die Eisbären in Grönland. Sätze, wie „Halte immer eine geladene Waffe bereit“ klingen in unserer Zeit sehr befremdlich. „Wenn der Bär sich weiter nähert und aggressiv ist, musst Du schiessen.“ Wie das klingt. Vor allem aber muss man da auch – treffen. Und den Bären töten.

Nein, nein, ich gehe nun nicht auf den Lohsdorfer Schießstand schießen üben. Um dann vielleicht beim Landratsamt einen Waffenschein zu beantragen. Für das Schießen im Wald sind in unseren Breiten die Jäger zuständig.

Ach, ja, der gute alte Jäger. Der hat schon in dem alten Märchen für das happy end gesorgt:

Da waren alle drei vergnügt. Der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab und ging damit heim, die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein, den Rotkäppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder, Rotkäppchen aber dachte: Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir's die Mutter verboten hat.

Hundespuren im Schnee

Nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen.

Jaja, das machen so Outdoor-Typen eben auch immer gern.

Wo es doch die Mutter verboten hat.

 


Links:

http://www.lausitz-wolf.de, Freundeskreis freilebender Wölfe, (Link weg)
Wolfszone neu (23.05.2016, 23.01.2017)
23.01.2017, ARD Hart aber fair: In Zeiten, in denen die ärztliche Versorgung auf dem Lande immer schlechter wiurd, schafft Niedersachsen einen Wolfskrankenwagen an.
Monitoring von Großraubtieren in Deutschland. Bundesamt für Naturschutz
Mit Wölfen Leben. SMUL Sachsen
http://www.landratsamt-pirna.de/3967.html, Landratsamt Pirna, Wolfsseite (Seite weg)


Die Links unterliegen nicht der Aktualisierung und können zu Deadlinks werden.

19.12.2012
04.01.2013 Aktualisierung
08.02.2013 Durchsicht
19.12.2013 Etwas gekürzt
13.05.2014 Durchsicht
23.01.2017 Link Wolfskrankenwagen

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