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•• Das Trekkingpfad­zeichen
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Anhang

Kartenzeichen

Don E. Knuth und das SVG-path-ARC-Kommando

Teil 1: Don E. Knuth und das geniale SVG-path-ARC-Kommando (Diese Seite)
Teil 2: Kartensignaturen in SVG definieren
Teil 3: Mein Kartensignaturen-Verzeichnis
Teil 4: Meine Wegemarkensammlung
Beispiel: Straßenschilder
Beispiel: Das Trekkingpfadzeichen
Beispiel: Das große ẞ

Fange immer bei den alten Römern an ...

Wie haben die eigentlich früher Kartensignaturen hergestellt?

Wie haben die eigentlich früher Kartensignaturen hergestellt? Die Originalsignatur befand sich auf einer kleinen Messingschablone. Diese wurden vom Kartographen mit einem kleinen chromblitzenden Gerät – dem Gravierpantographen – auf einen Stichel übertragen und in 0,1 mm Strichstärke in eine Folienschicht graviert.

Primitivitis

Computer-Zeichen sehen hingegen oft irgendwie mangelhaft aus. Graphisch kann man zwar jedes Pixel aufs My hindrehen – male aber einmal eine Sixtinische Madonna mit einem Hexdump-Bildeditor. Schrift kommt von „schreiben“ und in Zeichen steckt „zeichnen“ drin. Und in dem „zeichnen“ und „schreiben“ steckt eins drin: Denken.

Don E. Knuth

Fange immer bei Don E. Knuth an: Der kleine Bruder von Knuths legendenumwobenem Satzsystem LaTeX ist die kaum bekannte Schriftfont-Beschreibungssprache Metafont. Metafont beschreibt nicht Umrisse und Flächen (wie Postscript oder TrueType), sondern die Wege eines Zeichenstiftes. Genau, wie bei dem chromblitzenden Pantografen. Verfolgen wir diesen Ansatz weiter. Nicht 1000 Funktionen, sondern wenige, sehr effektive Zeichenbefehle, die es „auf den Punkt bringen“. Ein solch genialisches Konstrukt ist das SVG-Element path, und hier insbesondere das ARC-Kommando in seiner „endpoint parametrization.“ Eine Art perpetuum mobile kartographischen Signaturengestaltens?

In der Tat, könnte man so sagen. Was ist das für ein Wunderwerk?

Das SVG-path-Element

Wie Metafont beschreibt das SVG-path-Element einen Linienzug, dem der Weg eines Zeichenstiftes zugrunde liegt. Notation im Grunde wie folgt:

<path  data="pathdata"  stroke="col"  stroke-width="num"  fill="col">

Gezeichnet wird mit einer Linienfarbe col, in einer Linienstärke num, gelegentlich kann eine Füllfarbe col hinzutreten. Das eigentlich Geniale sind die Zeichenbefehle, die als pathdata-Zeichenkette im data-Attribut mitgeteilt werden. Minimal und mächtig: Diese Zeichenkette besteht aus einbuchstabigen Befehlen, denen (durch Leerzeichen oder Komma getrennt) Zahlenparameter folgen können. Diese geben meist Koordinaten an, manchmal auch einen Winkel in Grad oder Ja-Nein-Informationen („Flags“). Zu Beginn der Zeichnung wird der Zeichenstift auf eine „aktuellen Position“ oder „Cursorkoordinate“ gesetzt, was in der Regel mit einem M-Befehl erfolgt. Von dort aus wird dann gezeichnet. Es gibt lediglich 10 Befehle. Dies ist völlig ausreichend. Diese Befehle sind:

  M x y            Moveto:                   Cursor auf Position x,y setzen
  L x y            Lineto:                   Linie von Corsorposition nach x,y zeichen
  H x              Horizontal Lineto:        Horizontale Linie nach x zeichen
  V y              Vertical Lineto:          Vertikale Linie nach y zeichen
  C s t u v x y    Cubic Bézier:             Kubische Bézierkurve vom Cursor über r,s und u,v nach x,y
  Q s t x y        Quadratic Bézier:         Quadratische Bézierkurve vom Cursor über r,s nach x,y
  S s t x y        Smooth Cubic Bézier:      Glatte kubische Bézierkurve über r,s nach x,y
  T x y            smooTh Quadratic Bézier:  Glatte quadratische Bézierkurve nach x,y
  A r s a i j x y  Arc:                      Ellipsenbogen mit Halbachsen r,s, Winkellage s, Flags i/j nach x,y
  Z                cloZe path:               Linienzug schließen, indem zum Linienstartpunkt gezeichnet wird.
  

Hinten stehen immer die Koordinaten des Zielpunktes. Mit diesen Befehlen lassen sich praktisch alle Kartensignaturen erzeugen. Die Koordinaten sind grundsätzlich Absolutkoordinaten. Das ist dann der Fall, wenn Befehlsbuchstabe groß ist. Der Befehl M 120 -10 setzt z. B. den Cursor auf Position 120,-10. Wenn man die Befehle in Kleinbuchstaben notiert, so werden die Koordinaten zu Relativwerten. Der Befehl m 120 -10 versetzt z. B. den Cursor um 120 Koordinateneinheiten nach rechts und um 10 Einheiten nach unten.

Bézierkurven

Die kubische Bézierkurve verläuft vom Cursor (I) über die beiden Steuerpunkte II und III zum Zielpunkt IV:

Bei der quadratischen Bézierkurve gibt es insgesamt nur 3 Punkte, der Linienzug verläuft vom Cursor (I) über einen Steuerpunkt II zum Zielpunkt III:

Die Smooth-Bezierkurven funktionieren wie die regulären Bézierkurven. Hierbei werden allerdings Steuerpunkte einer im Linienzug vorangegangenen Bézierkurve genutzt, um Neu-Steuerpunkte zu erzeugen. Die alten Steuerpunkte werden einfach um 180° gespiegelt „nach vorn geklappt“. So entsteht immer ein knickfrei geglätteter Linienzug. Das ist praktisch immer graphisch vorteilhaft.

Ellipsenbögen

Von besonderer Mächtigkeit ist der ARC-Befehl des path-Elements. Er zeichnet beliebige Kreise und Ellipsenbögen. Wesentlich ist sog. „endpoint parametrization“. Dies erspart dem Zeichner, den Mittelpunkt des Kreises oder der Ellipse zu kennen. — Nun also einen Ellipsenbogen zeichnen. Startpunkt und Endpunkt sind bekannt. Weiterhin, dass beide durch einen Ellipsenbogen miteinander verbunden werden sollen. Dafür gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Genau genommen gibt es in der Ebene „4×Unendlich hoch 3“ mögliche Ellipsenbögen, welche 2 Punkte miteinander verbinden. Um hieraus einen einzigen bestimmten Bogen auszuwählen, müssen diese 3 Freiheitsgrade durch die Angabe von 3 Zahlenwerten „gehoben werden“. Der ARC-Befehl macht dies mit folgenden Angaben:

  1. Kleine Halbachse r
  2. Große Halbachse s
  3. Winkel zwischen großer Halbachse und X-Achse a
Dann gibt es im Allgemeinen immer noch 4 Lösungen, mit denen man auf einem Ellipsenbogen mit gegebenen Halbmessern und Winkellage zwei Punkte verbinden kann:

 

 

Um die richtige Lösung auszuwählen, werden zwei Flags i und j (das „Large-Arc-Flag“ und „Sweep-Flag“) genutzt. Diese können jeweils 0 oder 1 sein. Die 4 Möglichkeiten 0/0, 0/1, 1/0 und 1/1 wählen genau die passende Lösung aus.

Wenn die Halbachsen kleiner werden, rücken die Ellipsenmittelpunkte immer weiter zusammen:

Wenn die Halbachsen zu klein werden, gibt schließlich keine Ellipse mehr, die die beiden Punkte zu verbinden in der Lage wäre. In diesen Fällen werden beide Halbachsen mit einem Faktor λ multipliziert, der ihr Verhältnis wahrt und sie gerade auf minimale Länge bringt:

Dies lässt sich raffiniert ausnutzen, um zwei Punkte mit einem 180°-Bogen zu verbinden. Um vom Cursor z. B. mit einem Halbkreis Punkt 300,150 zu erreichen, notiere man einfach A 1 1 0 0 0 300 150

Die beiden Halbmesser 1 und 1 werden dank λ geeignet vergrößert, der Winkel ist im Kreisfall uninteressant, einzig das Sweep-Flag muss ggf. durch Ausprobieren passend auf 0 oder 1 gesetzt werden.

Anmerkung: Die Formeln, mit denen man die „endpoint parametrization“ in eine „centerpoint parametrization“ umwandelt, sind hier nachzulesen. (http://www.w3.org/TR/2003/REC-SVG11-20030114/implnote.html)

Nicht soviel Theorie ...

Nun bitte ein praktisches Beispiel

Mit diesem Code wird eine Denksteinsignatur erzeugt:

<!-- DENKSTEIN -->
<!-- ========= -->
<!-- FUELLUNG -->
<path d=
  "
    M -50,0
    L -50,125
    A 50 50 0 0 0 50,125
    L 50,0
    L -50,0
  "
  stroke-width="1" stroke="black" fill="#fcfcfc" zx="0" zy="50"
/>
<!-- UMRISS -->
<path d=
  "
    M -120,0
    L 150,0
    L -50,0
    L -50,125
    A 50 50 0 0 0 50,125
    L 50,0
    M -50,125
    A 57.5 57.5 0 0 0 65,125
    L 65,0
    M -50,125
    A 65 65 0 0 0 80,125
    L 80,0
  "
  stroke-width="20" stroke="black"
/>
  

Und nun bitte ausplotten

Es entsteht folgendes Bild:

Nicht schlecht oder?

So, nun machen wir da eine Software draus.


27.02.2017 umfassend aktualisiert

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