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Kartenkunde

Gitternetze und Koordinaten

Es gibt Gradangaben mit Minuten, Hoch- und Rechtswerte, Potsdam Datum und WGS-84. Auf dieser Seite werden die 3 Gitterentze der Böhm-Wanderkarten erläutert.

Das geographische Gitter

Die Erde ist rund und mitunter wird behauptet, sie wäre eine Kugel. Dort, wo der Greenwichmeridian durch den Äquator geht, ist der Nullpunkt und von dort zählt man 90° hochzu bis zum Nordpol. Das ist die geographische Breite. Und 180° rüberzu bis zu den Fidschiinseln, das ist die geographische Länge.

Ein Punkt in geographischen Koordinaten wird typisch angegeben mit

  14° 12' 35" westlicher Länge, 50° 56' 11" nördlicher Breite.

Praktischer ist es die Grade dezimal zu teilen, also

  14.20541 W, 50.83566 N.

Die geographischen Koordinaten sind bei Böhm-Wanderkarten im Kartenrahmen mit Minutenlinien angeschrieben:

Geographische Koordinaten

Da merkt man aber schon deren Nachteil: Die unhandlichen Grade und Minuten kann man zwar mit der Dezimalteilung umgehen. Trotzdem weiß man aber nie, was da eigentlich ein Kilometer ist. Und dann sind sie noch, wenn man sie als Linien durchzieht, in Längs- und Querrichtung unterschiedlich weit geteilt. Eine Minute ist in Nord-Süd-Richtung 1853,25 m lang, das ist eine Seemeile. In Ost-West-Richtung ist eine Gradminute bei uns nur reichlich 1 km lang:

Geographische Koordinaten
Gradnetz, das original nicht durchgezogen ist, grün eingetragen

Die „Minutenfelder“ sind also hochkant stehende Rechtecke, genau genommen sogar Trapeze. Das ist zielmlich unpraktisch.

Kartendatum für GPS: Die Böhm-Wanderkarten nutzen das gute alte Besselellipsoid von 1841. Beim GPS bitte Gauß-Krüger-Potsdam Datum einstellen. Dann nimmt er sich automatisch das Besselellipsoid.


Gauß-Krüger-Koordinaten

Was kann man gegen die unhandlichen Gradangaben tun? Die Erde durchsichtig machen, auf eine Leinwand legen, Glühbirne in den Erdmittelpunkt und Licht an. Das ganze heißt Kartenprojektion oder Kartennetzentwurf. Mehr über Kartennetzentwürfe hier ...

Die Leinwand ist nun unsere Karte, die ist nicht mehr kugelig, sondern eben. Und hier können wir alles schön in Millimetern und Kilometern abmessen. Carl-Friedrich Gauß (den alle kennen) und Johann Heinrich Louis Krüger (den kaum einer kennt) haben das Verfahren perfektioniert und als Gauß-Krüger-Projektion oder Gauß-Krüger-Abbildung eingeführt. (Das war 1912.) Und die Koordinaten auf einer mit Gauß-Krüger-Projektion hergestellten Karte, das sind die Gauß-Krüger-Koordinaten.

Ein Punkt in Gauß-Krüger-Koordinaten wird typisch angegeben mit

  5648431 m Hochwert, 5431123 m Rechtswert

Gauß-Krüger-Koordinaten stehen bei Böhm-Wanderkarten als kleine kursive Zahlenangaben im Kartenrahmen:

Gauß-Krüger-Koordinaten

An der Randlinie gibt es einen kleinen, etwa 1 mm langen Strich. Auch im gesamten Kartenblatt gibt es kleine Kreuzchen, immer dort, wo sich Gitternetzlinien schneiden. Diese bilden, wenn man sie durchzieht, ein in ganzen Kilometern geteiltes Gitternetz:

Gauß-Krüger-Koordinaten
Gauß-Krüger-Gitter, von dem es original nur kleine Kreuzchen gibt, cyan eingetragen

Kartendatum für GPS: Beim GPS bitte Gauß-Krüger-Potsdam Datum einstellen. Manchmal steht da auch nur „Gauß-Krüger“ oder „GK“. Das ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn auch UTM ist eine Gauß-Krüger-Abbildung. Aber weil der alte Krüger der erste war und seine Erde mit Hilfe der Sternwarte auf dem Potsdamer Telegrafenberg an das Gradnetz festgepinnt hatte, gilt sein „Gauß-Krüger-Potsdam-Datum-Besselellipsoid-System“ heutzutage als „Gauß-Krüger“ schlechthin.


Die Planquadrate

Gauß-Krüger-Koordinaten sind supergenau, aber etwas unhandlich. Klasse Erholung, wenn da einer beim Wandern die Position durchgibt: 56 34 234 54 93 920. Da weist du gleich, wo die Schrammsteine sind.

Darum gibt es auf den Böhm-Wanderkarten zusätzlich noch Planquadrate: Hier wird ein Punkt wird einfach mit

  P34

angegeben. Jedes Planquadrat ist immer 500×500 Meter groß. Und über alle Böhm-Wanderkarten geht ein einheitliches Planquadratgitternetz: Der Altarstein ist immer V52 und das Schäferräumicht M57, egal, ob auf der Hinterhermsdorfkarte oder der Großen Karte der Sächsischen Schweiz. Ein Register gibt es übrigens hier.

Die Planquadrate sind im Kartenrand angeschrieben:

Suchgitter

Die Gitternetzlinien sind fein durchgezogen und ergeben ein Quadratraster:

Suchgitter
Planquadrate, die original dünne Linien sind, blau verstärkt

In kleineren Maßstäben ist manchmal nur jede 2. oder 4. Netzlinie durchgezogen, aber auch hier ist ein Planquadrat immer 500 m groß.

Weil man mit den 26 Buchstaben des Alphabets nicht weit kommt, folgen hinter dem Z die 4 griechischen Buchstaben Sigma (Σ), Phi (Φ), Psi (Ψ) und Omega (Ω), und es gibt mehrere Buchstabenzonen „übereinander“. Diese haben verschiedene Apostrophe. Die Reihenfolge ist also ... W' X' Y' Z' Σ' Φ' Ψ' Ω' A" B" C" D" ...


Klar könnte ich einmal meine Karten auf WGS-84 umstellen. Ich bin da aber ein bißchen misstrauisch. Das Besselellipsoid war immerhin 150 Jahre in Gebrauch. Dann kamen Clark, Helmert, Hayford, Krassowski, andauernd ein neues System. Zur Zeit führt zwar das WGS-84 das Rennen an, 1984, das ist nun aber auch schon eine Weile her. Jetzt machen die Glonass, Galileo und Compass. Es würde mich nicht wundern, wenn schon in wenigen Jahren wieder ein neues System in Mode käme. Also bleibe ich einstweilen noch ein bisschen bei den Bessel-Gauß-Krüger-Koordinaten, da stimmt wenigstens das Gitternetz meiner alten Messtischblätter.

Außerdem soll es ja auch ein bißchen Mühe machen, mit den im Internet herumliegenden WGS-84-Koordinaten die Boofen in den Böhm-Wanderkarten auszuspionieren.


15.01.2012
23.05.2012: Krüger ist schon 1923 gestorben, also ist das mit dem Telegraphenberg eine Ausschmückung.
05.03.2014: Durchsicht

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