Neuigkeiten

01.12.2021: Endlich wieder Winterzeit

6 Gründe warum der Winter meine Lieblings-Jahreszeit ist

Winterwandern

  1. Kein Laub auf den Bäumen. Man kann wunderbar weit durch den Wald blicken und ferne Berge erkennen, die man im Sommer niemals sehen kann.
  2. Irisches Licht. Im Sommer ist ja sowieso alles grün. Doch wenn im Winter die Sonne tief steht – und dann Strahlen durch die Bäume hindurchbrechen – und dann ein Moospolster bescheinen: So ein Grün gibt es im Sommer niemals. Es heißt, das es dieses Grün nur in Irland geben würde. Aber das stimmt nicht. Im Winter gibt es dieses Grün auch bei uns. Man muss nur bissl darauf achten.
  3. Einladende Hauptwege. Die langen Forststraßen sind oft gar keine so schlechten Wanderwege. Hier kommt man ordentlich vorwärts. Nur leider sind sie im Sommer viel zu begangen und dann oft noch die Radfahrer, die einen immer von hinten beiseite klingeln. Manch Wanderer weicht dann notgedrungen auf andere schlängeligere Wege aus. Aber natürlich müssen auch einmal die langen geraden Linien bewandert werden. Wann das am besten geht? Ganz einfach, im Winter.
  4. Bei Frost kommt man überall durch. Romantische Felsschluchten sind eine Klasse für sich. Doch manche dieser wunderbaren Tallinien sind stark versumpft, so dass man da kaum durchkommt. Die nehme ich mir immer vor, wenn mal ein paar Tage ordentlich Frost war. Wenn der Boden hart und trocken ist, ist so eine nasse Schlucht nicht wiederzuerkennen.
  5. Tiefe Einsamkeit. Einen ganzen Tag lang keinem einzigen Menschen zu begegnen, das ist gewiss auch im Sommer möglich. Doch dafür musst du sorgfältig planen und dir mit viel Überlegung eine Route zusammenstellen, die Umwege macht und all die begangenen Hauptwanderwege umgeht. Im Winter gehst du einfach irgendwohin raus. Und es ist ganz leicht, einen ganzen Tag keinem Menschen zu begegnen.
  6. Und die Sonne geht früh unter. Es gibt nichts schöneres, als einen Sonnenuntergang weit draußen in der Einsamkeit. Aber natürlich geht dass im Sommer nur, wenn man bis ganz spät abends wandert (oder eben in eine Boofe geht). Zeitlich passender wäre oft ein Sonnenuntergang am frühen Nachmittag. Das ist im Winter überhaupt kein Problem.

Stollenanschnitt 2021  Foto: Bernd Meichsner

Ich wünsche allen Wanderern und Wanderinnen einen schönen Stollenanschnitt.


24.11.2021: Königstein leider weiterhin nicht lieferbar

Ich muss mich mal bissl rausreden. Corona schlägt mal wieder zu, was meinen Umsatz fürchterlich reinreißt, wir haben da ja schon ein paar Testreihen durch. Es darf zwar trotzdem gewandert werden, aber mein Händlernetz besteht eben aus vielen Gastwirten und Buchhandlungen und Winterumsatz ist ja auch bissl. Aber ich habe ein Riesenglück: Ich habe zur Zeit ganz viel Auftragseingang an Lohnarbeit, dazu noch Anfragen. Klar mach ich alles, ich zeichne doch gerne. Doch wenn ich Karten in Lohnarbeit zeichne, bleibt natürlich andere Arbeit auf der Strecke. Mein Titel „Königstein und die Tafelberge 1:10000“ ist schon lange vergriffen. Ich schaffe es einfach nicht, die Aktualisierung zu machen. Aber ich will eben auch keine Kundenaufträge ablehnen, der Auftragsumsatz außer der Reihe kommt mir wie gesagt, gelegen. — Ich bitte um Entschuldigung. Alles andere ist selbstverständlich lieferbar.


20.11.2021: Sächsische-Schweiz-Initiative 38 erschienen

SSI 38

Das neueste Heft der Sächsischen Schweiz-Initiative ist erschienen. U. a. viel Hintergrundinfos in Sachen Wegenetz, Borkenkäfer, Waldbrandgefahr im Elbsandstein. Ist u. a. in Bergsportläden (Bergsport Arnold, Globetrotter, Rumtreiber, Gipfelgrat, Weinhold Pirna), in der Buchhandlung Sebnitz, im Nationalparkzentrum Bad Schandau und im Stadtmuseum Pirna erhältlich. Oder online bestellen. Weitere Infos hier.

In dem Heft wird auch auf das neulich vom BUND in die Diskussion eingebrachte Mensch im Nationalpark = Katastrophenszenario für den Nationalpark Sächsische Schweiz eingegangen. (Unsere Meinung dazu hier.)


03.11.2021: Die alten Boofentöpfe

Die alten Boofentöpfe  Ach, die alten Boofentöpfe


04.10.2021: Zittauer Gebirge Östlicher Teil und Westlicher Teil ab sofort wieder lieferbar.

Wanderherbst: Raus ins Zittauer Gebirge

ZGW   ZGO

Ab sofort sind meine Titel und Zittauer Gebirge Östlicher Teil 1:10000 und Zittauer Gebirge Westlicher Teil 1:10000 wieder lieferbar. Kleiner Wermutstropfen: Ladenpreis statt bisher 5,80 € nun 7,80 €*). Oh Gott, Inflation, ganz ganz schlimm?

Doch ist das nicht nachvollziehbar? – wenn man bedenkt, dass in so einer Karte viele hundert Stunden Arbeit stecken. Es war nämlich eine ganz schöne Arbeit, beide Titel flächendeckend zu begehen und zu aktualisieren. Ein Großteil der Wege wurde erneut begangen, alle Markierungen in der Örtlichkeit nachgesehen, Gasthäuser und Hotels angefahren, die neuen Rettungspunkte des Landkreises örtlich nachgewiesen, zahlreiche Gipfel aufgesucht und - und - und. Natürlich öffnen und schließen immer viele Gasthäuser. Und dann gibt es noch den neuen Aussichtsturm auf der Lausche. Insgesamt sind 798 Änderungen zusammengekommen, 438 Änderungen im Ostteil, 360 Änderungen im Westteil.

Differenzbild   Differenzbild

Wer genau wissen will, das sich alles verändert hat, hier und hier gibt es die Aktualisierungsprotokolle, anschaulicher sind die Differenzbilder, hier und hier, Streichungen rot, Neueintragungen schwarz. Wertvolle Hinweise erhielt ich auch von Jacob Trültzsch aus Struppen, Falko Wenzel aus Oybin und Andreas Kittel aus Bertsdorf. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Ein besonderer Schatz des Zittauer Gebirges sind die vielen Kletterziele. Anhand des neuen Führers von Jacob Trültzsch und von zwei Gipfellisten, die ich freundlicherweise von Falko Wenzel erhielt, habe ich meine Gipfelliste des Zittauer Gebirges in noch nie erreichter Vollständigkeit umfassend aktualisiert. Es gibt nun 544 Kletterziele (einschließlich Dubletten). Diese war die Grundlage für die Gipfelaktualisierung in der Karten. Nicht anerkannte kleine Quacken sind aber oft nicht als Gipfel dargestellt, sondern nur als “Objekt mit Flurnamen“. Das habe ich mit der Gipfelliste des Landratsamtes abgestimmt.

*) Alte Regel: Eine Wanderkarte kostet immer dreimal so viel wie ein 0,5-Liter-Bier im Wirtshaus. Beim Kaiser kam das Bier 0,12 RM und die Meinholdkarte hat 0,40 RM gekostet. In der DDR war der klassische Bierpreis in Preisstufe III 1,02 M und die Tourist-Verlag-Wanderkarte kostete 3,00 M. Heutzutage ergibt eine „Rückrechnung“ von Kartenpreis 7,80 € einen Bierpreis von 2,60 € (also ein Bier in Deutschland trinken und eins in Tschechien und dann Mittelwert bilden).


29.09.2021: Zittauer Gebirge Östlicher Teil und Westlicher Teil brandneu gedruckt.

Ein ganz herzliches Dankeschön an die Druckerei Thieme Meißen GmbH

Gerade habe ich zwei aktualisierte Titel neu aus meiner Druckerei geliefert bekommen. Das heißt jetzt: Marketing, Werbung, Vetrieb, ran an den Markt. Doch wer denkt an die Produktion? Die scheint weniger wichtig zu sein. Ist es aber nicht. So nehme ich mir erstmal mein Mikroskop mit 400facher Vergrößerung:

Mikroskopbild

Was für eine Qualität: Ein ganz herzliches Dankeschön an Herrn Singer und Frau Hörig von der Druckerei Thieme Meißen. Das haben Sie und Ihre Mitarbeiter wieder mal super hingekriegt. Denn die handgezeichneten Böhm-Wanderkarten sind ja nur die halbe Miete. Ohne einen Druck in 1a-Qualität hätte ich immer nur ein einziges Exemplar von einer Karte. Beim Offsetdruck ist die Passung ganz wichtig – die Farbauszüge in Cyan, Magenta und Schwarz müssen „aufs Hundertstel“ passen (Gelb darf ein wenig „klappern“). Auch müssen die Pixel hochaufgelöst und randscharf verplattet werden. Wenn da etwas nur wenige Hundertstelmillimeter über den ganzen Kartenbogen verrutscht, dann wars das mit der schönen Wanderkarte. Dass die Qualität stimmt, gilt als selbstverständlich. Doch was dahintersteckt, erfährt man erst, wenn man sich einen Druck im Mikroskop anschaut.


19.08.2021: Der BUND und das Wandern 2021

Der namhafte Naturschutzverein BUND hat einen Forderungskatalog zur weiteren Ausgestaltung des Nationalparks Sächsische Schweiz erarbeitet. Wanderwege sollen deutlich reduziert, die Besucherlenkung verstärkt werden. Das Boofen soll langfristig ganz abgeschafft werden, auch das Klettern ist einzuschränken. Damit fordert der BUND nicht weniger, als langfristig ein weitgehendes Aus für die Erlebbarkeit der Natur der Sächsischen Schweiz in ihrer bisherigen Form.

Das darf nicht unwidersprochen bleiben. Hier meine Erwiderung in Kurzzusammenfassung:

  1. Die Wegedichte ist überhaupt nicht zu hoch.
  2. Wir sind überhaupt nicht zu viele Wanderer.
  3. Der Mensch gehört im Nationalpark einfach mit dazu.
  4. Und schließlich: Jeder darf die freie Landschaft betreten.

Hier die Langform — Achtung, viel Text.

Ich bedanke mich herzlich bei Dirk Schulze für seinen Bericht „Naturschützer fordern Boof-Verbot in Nationalpark“ in der Sächsischen Zeitung Pirna vom 18.08.2021, der mir Anlass für das „Zusammenschreiben“ war.


27.07.2021: Hochwasserseiten des Kirnitzschhochwassers vom 17.07.2021

Hochwasser 2021

Bilder und Pegelstände des Kirnitzsch-Hochwassers vom 17.07.2021.

Weiterhin habe ich noch ein paar Hochwasserkarten des Unteren Kirnitzschtales erstellt.


15.07.2021: Park-Planungen in der Sächsischen Schweiz schon vor 450 Jahren

Sensationelle Entdeckung

Wer glaubt, die Idee, die Sächsische Schweiz in ein riesengroßes Naturschutzgebiet umzuwandeln, sei eine Erfindung unserer Tage, irrt. Bereits um 1570 hat Kurfürst August im Gebiet der Sächsischen Schweiz einen riesigen Wildpark geplant, einschließlich einer Aussiedlung der Einwohner. Bereits vor 450 Jahren gab es also Überlegungen, die in heutiges Denken übersetzt nichts anders, als frühe Nationalpark-Planungen sind. Unsere Quellen sind keinesfalls Legenden oder Sagen, sondern vielmehr die als seriös anzusehende Geschichtsschreibung (West-)Deutschlands der 1960er Jahre. Die freilich heute kaum noch beachtet wird, aber natürlich nach wie vor in Bibliotheken rumsteht:

Gedrucktes wird immer geglaubt.
Quelle: Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Band 8. Hrsg. von Dr. Walter Schlesinger, Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 1965, S. 313.

Es wäre durchaus lohnenswert, da einmal Näheres zu erforschen. Aus der Umsiedlung der Sächsischen Schweiz scheint nichts geworden zu sein. Allerdings wurde das Dorf Kreyern im Moritzburger Jagdrevier nach Neu-Zaschendorf bei Meißen umgesiedelt. Dort gibt es heute noch eine Kreyerner Straße. Von Kreyern ist nur noch das Forsthaus Kreyern übrig geblieben. Ich bedanke mich bei Sven Lehmann für den Hinweis.

Anmerkung: Kurfürst August bitte nicht mit August dem Starken verwechseln. Der hier gemeinte Kurfürst August ist der, unter dem um 1560 die Obere Schleuse errichtet worden ist. August der Starke war ebenfalls Kurfürst, aber erst 150 Jahre später. Der hat nicht den Nationalpark erfunden, sondern den Tourismus: August dem Starken verdanken wir den Südaufstieg auf den Lilienstein.


04.06.2021: Neuerscheinung

„300 Jahre Nationalpark“ bereits in 2. Auflage

300 Jahre Nationalpark

Die erste Auflage „300 Jahre Nationalpark Sächsische Schweiz – Was wird uns, wenn es so weitergeht, in den nächsten 270 Jahren bevorstehen?“ war ganz schnell ausverkauft, nun gibt es bereits eine Nachauflage. 52 Seiten, 24 Karten, Ladenpreis 6,80 €. Nicht im Onlineshop erhältlich (wäre bei so Kleinauflagen zu viel Verwaltungsaufwand), erhältlich u. a. bei Bergsport Arnold, der Buchhandlung Saatgut, der Albergo Toscana in Bad Schandau, in der Buschmühle, im Hinterhermsdorfer Dorfladen, im Panoramahotel Lilienstein. Ich bedanke mich herzlich bei Bernd Arnold, Axel Mothes, Jens Petters und Jana Seiffert für ihre Unterstützung ohne die die Drucklegung nicht möglich gewesen wäre.
Händlerbestellungen (bitte über ) werden kurzfristig ausgeliefert.
Die Broschüre ist auch direkt (über ) bestellbar.


10.05.2021: Stürzaer Berge

Gemeindeberg Stürza bis 10 m niedriger, als bekannt?

Borkenkäferwald, Holzverbruch, Kernzone unpassierbar – Nebenwege gesperrt, Hauptwege überlaufen: Und aus der Nationalparkverwaltung verlautet, man soll doch bitte mal woanders wandern? Aber so schnell wollen wir uns doch nicht aus dem Elbsandstein rausgrätzen lassen, oder?

Auf in die Stürzaer Berge. Da bin allerdings nicht ich von alleine draufgekommen. Eine Mail von Bernd Heinrich hat mich draufgebracht, die Berghöhen mit Hilfe des neuen Höhenmodells DGM1 von GeoSN („Landesvermessungsamt“) neu zu bestimmen. Also mal wieder ein kleiner geodätischer Exkurs:

Neu in meiner Redaktionsakte: Die Höhen der Stürzaer Berge.

Passend dazu gibt es meine Stolpenkarte.


04.05.2021: Neues aus der Wegekommission

Info von Peter Rölke
Protokoll vom 29.04.2021


28.04.2021: 30 Jahre Nationalpark

30 Jahre Nationalpark

Heute genau vor 30 Jahren, am Sonntag, dem 28.04.1991 wurde der Nationalpark Sächische Schweiz feierlich eröffnet.

Sächsische Zeitung 29.04.1991, S. 1
Sächsische Zeitung 29.04.1991, S. 3

Der sächsische Ministerpräsident ist damals gemeinsam mit dem tschechischen Umweltminister vom Zeughaus nach Mezní Louka (Rainwiese) gewandert. Wir alle haben uns damals sehr über den Nationalpark gefreut. Und dazu passte, dass ich genau an diesem Vormittag die ersten Expl. meiner gerade gedruckten beiden Neuerscheinungen Großer Zschand 1:10000 und Hinterhermsdorf 1:10000 in der Waldschänke Zeughaus (den „Futterkrippen“ gegenüber dem Alten Zeughaus) vorgestellt habe. Die Saison hatte bereits im März prächtig begonnen und ich habe mich gefreut, dass Zeughauswirt Karlheinz Winkler sofort 200 Expl. in Kommission genommen hat (die dann auch schnell verkauft wurden). Das Zeughaus firmierte damals noch unter „Gaststätten- und Hotel Sächsische Schweiz GmbH“, der Nachfolgerin der HO-Gaststätten. Im Lauf des Jahres 1991 verflog dann allerdings die „Wendeeuphorie“, weil immer mehr Menschen arbeitslos wurden, wurden auch weniger Wanderkarten gekauft. Den Rest des Jahres 1991 habe ich als ausgesprochene Durststrecke in Erinnerung (vgl. dazu auch hier). — Kurz nachdem ich in der Waldschänke war, trafen die beiden Ikarus-Busse mit den Wandergästen der Staatsregierung am Zeughaus ein. Den Rest konnte man dann in der Zeitung lesen.


17.04.2021: Schwierige Beratung AG Wege (Wegekommission) bei der Nationalparkverwaltung

Bei Kriegsgefahr ist es wichtig, scharfe Waffen des Gegners rechtzeitig zu erkennen.

Wegekonsens 2001  Das Konsenspapier von 1999

Nach langer Zeit hat die Wegekommission am 15.04.2021 wieder einmal getagt.

Bericht aus der AG (Peter Rölke)
Dietmar Schubert bringt es auf den Punkt
www.felsenheimat.de: AG Wege

Dort steht „NPV und Landesdirektion betonten, vorsorgliches Freischneiden ,in der Fläche‘ in der Umgebung der bedrohten Wanderwege bedinge umfangreiche naturschutzfachliche Verfahren sowie eine exakte Artenschutzprüfung.“ Das ist natürlich ein riesengroßer Schreck. Ist Wanderwegpflege jetzt schon sowas, wie Autobahnbau?

1. Äußerste Vorsicht. Wenn wir Wanderer solche „Prüferfordernisse“ als das annehmen, als was sie gemeint sein könnten – nämlich als Kriegserklärung – äußerste Vorsicht. So eine naturschutzfachliche Prüfung ist eine scharf geschliffene Klinge. Si vis pacem para bellum. Aber zugleich auch aufpassen, Gegenwehr könnte auch nach hinten losgehen. Wer hier mit starken Kräften frontal gegenhält, setzt sich auch der Gefahr aus, ins Messer zu laufen und auf dem Schlachtfeld zu verbluten.

2. Keinesfalls Übereifer. Denn in der Politik laufen Sachen manchmal dumm. Natürlich verfügt das Wandern im Elbsandstein über eine starke Hausmacht. Ein überzogener Naturschutz wird über kurz oder lang an Grenzen stoßen. Irgendwann kommt dann wieder die Stunde der Pragmatiker. In ein paar Jahren sind die Wogen wieder geglättet, Naturschutz und Wandern ziehen wieder prima gemeinsam an einem Strang. Dann wird freilich allen Beteiligten – auch Landesdirektion und Nationalparkverwaltung – zuzugestehen sein, dass sie ihr Gesicht nicht verlieren. Was machen wir dann aber mit so harten kriegerischen „naturschutzfachlichen Prüfungen“? Klar, man muss nicht immer alles auf die Goldwaage legen und kann auch mal was unter den Teppich kehren. Aber jetzt haben wir da selber dieses riesengroße Tamtam gemacht. Da können die Naturschutzbehörden nun ohne Gesichtsverlust nicht mehr so leicht einlenken, beim besten Willen nicht. Am Ende bleibt etwa ein Totalreservat Großer Winterberg als Kollateralschaden zurück und wir haben selber das Nachsehen. Tja – eben dumm gelaufen.

3. Ball flach halten. „Umfangreiche naturschutzfachliche Verfahren sowie exakte Artenschutzprüfung“ – das ist doch keine Kriegserklärung. Die Naturschutzbehörden bearbeiten da lediglich einen marginalen internen Vorgang zu unser aller Vorteil. Eine harmlose Formalie. Das ist doch alles öffentlicher Dienst und nicht der Feind des Bürgers. Na selbstverständlich Naturschutz in einem Nationalpark. Und Erholung – Bildung – Forschung ebenfalls. Das sind vier Ziele von gleichrangiger Wertigkeit. Das ist seit 2001 unwidersprochener Konsens, und wir haben es sogar schriftlich von der Nationalparkverwaltung. Selbstverständlich werden das die Naturschutzbehörden bei ihren Prüfungen korrekt berücksichtigen. Da kann überhaupt nichts passieren. Natürlich kann da auch einmal ein Weg unpassierbar werden, aus Naturschutzgründen zu sperren sein oder auch im Übereifer eines engagierten Sachbearbeitenden ungerechtfertigt gesperrt werden. Das ist doch überhaupt kein Problem für uns Wanderer. Dafür wird dann in Abwägung der Ziele Naturschutz und Erholung ein anderer Weg, der bisher gesperrt war, freigegeben. Vertrauen wagen, damit wir leben können. Mit Zeter und Mordio schreien entzweien wir uns nur zusätzlich von der Nationalparkverwaltung und dann ist der Rückweg zu einem künftigen Miteinander völlig verbaut.

4. Natürlich aufmerksam sein. Bei drohender Kriegsgefahr ist es wichtig, gefährliche Waffen des Gegners rechtzeitig zu erkennen. Gut ist es, wenn diese auf dem Schlachtfeld wirkungslos verpuffen. Am besten ist selbstverständlich, es gar nicht erst zur offenen Feldschlacht kommen zu lassen. Für das Aufeinandertreffen ganzer Armeen ist die stark durchschnittene Landschaft Sächsische Schweiz ohnehin kaum geeignet. Das hat die Sächsische Landesregierung letztmalig schmerzhaft 1756 auf der Liliensteinebenheit erfahren müssen. Viel eher haben wir hier das ideale Terrain für einen Guerillakrieg. Aber wer will denn hier einen Krieg?

21.04.2021: Überarbeitet.
26.04.2021: Link Felsenheimat.


22.03.2021: Vier Frühjahrswanderungen „Borkenkäfer 2021“

Ostern 2021

Ostern steht vor der Tür. Doch Wandern im Nationalpark Sächsische Schweiz wird immer komplizierter, weil ganz viele Wege wegen Borkenkäfer-Windbruch gesperrt sind. Gibt es bald nun noch überlaufene Hauptwanderwege und gesperrte Wege? Keinesfalls. Einfach in der gewaltigen Schatztruhe unseres Wegenetzes ein wenig kramen und wir werden fündig.

Karte Wanderung 1: Wandern im Borkenkäferwald
Karte Wanderung 2: Schwarzwandern im Schwarzbachtal
Karte Wanderung 3: Das unbekannte Herz der Sächsischen Schweiz
Karte Wanderung 4: Rathen und Polenztal einmal anders

Textteil

Die Wandervorschläge wurden in einer Zusammenarbeit mit der Sächsischen Zeitung Pirna erarbeitet.


24.02.2021: 300 Jahre Nationalpark

Was die Nationalparkverwaltung möglicherweise im Verborgenen plant

Was wird uns, wenn es so weitergeht, in den nächsten 270 Jahren bevorstehen?

Ach, ja das Wegenetz

Mit dem großen Borkenkäfer-Waldsterben gibt es wieder einmal große Ängste um das Wegenetz im Nationalpark Sächsische Schweiz. Wege fallen massenhaft zu. Eine Naturgewalt, man könne nichts machen, so Nationalparkchef Ulf Zimmermann auf dem Tourismusstammtisch am 15.02.2021. Wie lange nicht, ist unbekannt. Die Digitalbearbeiterin der Nationalparkverwaltung nannte in https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?id.=71992 (Hoppla, schon Deadlink) kurz mal ein bis fünf Jahre. In fünf Jahren aber werden viele Wege unwiderbringlich verloren sein.

Nun gibt es aber diese Evaluationsberichte aus dem Jahr 2012 und die sind nach wie vor gültig (Exzerpierung hier): Im Nationalpark Sächsische Schweiz gibt es viel zu viele Wanderer, viel zu viele Wege und leider kein Konzept zur Reduktion der außerordentlich hohen Wegedichte. Das soll mit „hoher Priorität“ die Nationalparkverwaltung erstellen. Wir haben im Elbsandstein eine Wegedichte von vielleicht 100 bis 200 Meter/Hektar. Im Harz gelten 33 Meter/Hektar als noch viel zu hoch. Maximal zulässig sind, so der Bericht Kellerwald, lediglich 20 Meter/Hektar. Doch wie soll das gehen? Da müsste man ja 80 % bis 90 % aller Wege verschwinden lassen. Wir wollen hier nichts unterstellen. Aber so ein Borkenkäfer-Baummikado könnte schon der Schlüssel zu dem längst überfälligen Reduktionskonzept sein. Dass die Nationalparkverwaltung jetzt erst einmal bis fünf Jahre lang die Wegpflege unterlassen will, passt jedenfalls dazu. Und die Sperrung des Großen Zschandes auch, denn selbstverständlich muss man auch an solche Wege ran, denn anders sind die Grenzwerte der Naturschutz-Professor*Innen gar nicht zu schaffen. Und ebenfalls die Äußerung von Nationalparkleiter Ulf Zimmermann auf dem Tourismusstammtisch „dass nun einmal nicht alle Blütenträume reifen können.“ Kann sein, war blos mal so rausgerutscht im Blog. Aber der Dr. Stein hat das auch immer so umschrieben, wenn wiedermal „ein einzelner Weg“ weg war. Da sind wir hier bissl getriggert.

Wie könnte es in 50, 100, 150 Jahren aussehen? Prognose unmöglich? Das stimmt nicht ganz. Es gibt unseren Nationalpark ja schon 30 Jahre. Und mit noch 2 Jahrzehnten davor, können wir 50 Jahre zurückblicken. Und wenn man sich dann bissl ausmalt, dass es so weitergeht, wie es in den vergangenen 50 Jahren gelaufen ist, kriegt man schon einen ungefähren Schimmer:

Was wird uns, wenn es so weitergeht, in den nächsten 270 Jahren noch bevorstehen?

Hoffen wir, dass die Prognosen falsch sind.
Auch andere machen sich Sorgen:
Markus Ehrentraut (Felsenheimat)
Der Wegwächter (IG Stiegen)
Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB)

 

PS. Ein Wegenetz ist ein organisches System, ein Abbild unseres Draußenseins, ein über Generationen gewachsener Schatz. Es ist absoluter Unfug, da eine „Wegdichte“ in Metern/Hektar zu bestimmen und dann zurechtamputieren, bis der „Grenzwert“ eingehalten ist.


28.01.2021: Großer Zschand 2021

Nach den Richterschlüchten ist jetzt auch noch der gesamte Große Zschand gesperrt worden. Möglicherweise wird alles bald wieder beräumt, doch so einfach scheint das nicht zu sein. Droht damit jetzt das Totalreservat Großer Zschand? Wer sich den Wald etwas genauer ansieht, bemerkt, dass es nicht so einfach ist. So haben wir uns das alles nicht vorgestellt, wir Wanderer nicht, die Nationalparkverwaltunmg aber gewiss auch nicht.

Dazu gibt es jetzt eine neue Draußensein-Seite.


19.01.2021: Winter im Thorwald

19.01.2021 10:45 Uhr

Dort, wo am Tiefsten das Tiefe, liegt aller Geheimnisse Pforte. So der Weise Lau Dan zitiert nach meinem Handexemplars des Daudesching, das ich von Conny Jubelt geerbt habe, im ersten Kapitel, Verse 16 und 17. Das Daudesching ist das Buch vom rechten Weg und wie der Mensch ihn findet.


01.01.2021: Neujahreserste

01.01.2021 10:45 Uhr

Die Barbarine am Neujahrestag in der Mittagsstunde. Auch wenn ihr Corona nichts ausmacht, hat sie doch auch ihren Stress. Im Vergleich mit den anderen Felsen ist ihre Lebenserwartung relativ gering. Dafür kriegt sie immermal eine Impfe mit Epoxidharz und Ankerzement. Und dabei gilt Impfpflicht, denn sie kriegt die Impfe einfach verpasst, ob sie will oder nicht. Und wie bei allen Impfungen gilt auch bei der Barbarine: Niemand kann die Nebenwirkungen vollständig abschätzen. Ob der Ankerzement nicht dann doch schneller wieder rausbröckelt, als der Stein gehalten hätte, wenn man in ihn keine Dübellöcher gebohrt und das Zeug nicht hineininjiziert hätte – wer weiß. Aber wir Menschen entscheiden uns heutzutage eben doch lieber für technische Mittel, wenn sie uns Lebenskraft verheißen. Uns dem langsamen Wirken des Vertrauens in die Götter ausliefern, haben wir verlernt.

Doch ob das dann immer so funktioniert, ist ungewiss. Letztendlich sind es die mächtigen Moiren, die unseren Lebensfäden spinnen, messen und abschneiden. Auf dass sie die Barbarine noch lange erhalten mögen. Und uns kleine Menschlein, die da am Neujahrsmorgen immermal zu der Barbarine hintippeln, auch.


 

2020

21.12.2020: Endlich werden die Tage wieder länger.

Wintersonne auf dem Gipfel des Großen Bärensteins:

21.12.2020 11:45 Uhr

Was für eine wundervolle Sonne – so tief über der Landschaft. Man könnte denken, es ist später Nachmittag, doch die Uhr zeigt 11:45. So eine tiefe Mittagssonne gibt es nur in der Zeit der Wintersonnenwende. Endlich werden die Tage wieder länger.

Der Sonnenwagen des Helios umrundet einmal im Jahr das Himmelsgewölbe. Dabei geben die Astronomen einen Umlauf nicht in 360 Winkelgraden, sondern in „24-Stunden-Rektaszension“ an. Immer dann, wenn die Rektaszension der Sonne exakt 18h 0min 0s beträgt, ist Wintersonnenwende. Dann hat der Sonnenwagen den am weitesten südlich unter dem Himmelsäquator liegenden Punkt im Firmament ereicht. Weil bei der Jahresfahrt der Sonne die tägliche Erddrehung keine Rolle spielt, ist Sonnenwende überall auf der ganzen Erde immer genau zur gleichen Zeit. Am 21. Dezember 2020 war das um 11:02 Uhr MEZ der Fall. Also war die Wintersonnenwende, als das Bild aufgenommen wurde, bereits „seit 43 Minuten durch“.


16.12.2020: Corona II

Es wird wieder einmal ruhiger im Elbsandstein.

Ausgangssperre, doch Wandern ist bis zu 15 km ab Wohnort gestattet. Nur, wie weit reichen eigentlich 15 km Luftlinie ab Wohnort? Dazu gibt es eine neue Lockdown-Corona-II-Themenseite mit einer Karte:

Karte mit Corona-Kreisen

Meine Corona-I-Themenseite vom Frühjahr hier.


14.12.2020: Verbruch in den Richterschlüchten

Nun sind auch noch die Richterschlüchte ein Opfer des Baummikado geworden. Abwarten, bald sollten sie und auch die Weberschlüchte hier als gesperrt aufgelistet sein. Doch ich mag es nicht glauben, dass dies die Natrionalparkveraltung tatsächlich zum Anlass nehmen wird, das große Wandergebiet zwischen Großem Winterberg und Rabensteinen in ein quadratkilometergroßes Totalreservat zu verwandeln. Gewiss werden wichtige Wege, sobald dies möglich sein wird, wieder freigeschnitten werden.

Der Fall des Borkenkäferwaldes offenbart uns eine Naturgewalt, die weder wir Wanderer uns haben vorstellen können – aber wohl auch die Nationalparkverwaltung nicht. Ich denke mal, so hat sich das noch nicht einmal Alt-Nationalparkchef Jürgen Stein gewünscht, der durchaus bereit war, für seine Vorstellung von Naturschutz das Wandern sehr weitreichend zu verbieten. Wir alle sind Staub in de Händen der Götter.

Weberschlüchte, Foto: Uwe Lekies

Ich bedanke mich bei Uwe Lekies für die Info.


20.11.2020: Sachsens Wege sind in Gefahr

Wichtige Wanderwege im Nationalparkgebiet per 22.01.1993 erfasst

Wanderwege werden in § 3 (1) 4b Sächsisches Straßengesetz ausdrücklich als beschränkt-öffentliche Wege genannt. Die meisten öffentliche Wege sind in den Straßenbestandsverzeichnissen der Kommunen verzeichnet, bei Wanderwegen ist dies aber nicht immer der Fall.

Mein Lieblingswegweiser Mein Lieblingswegweiser

Infolge einer Änderung des Straßengesetzes werden nicht verzeichnete öffentliche Wege mit dem 31.12.2022 zu Privatwegen. So begrüßenstwert diese Rechtsklarstellung grundsätzlich ist – es könnte durchaus sein, dass sich dies im Nationalpark als eine Art Wegenetz-Atombombe entpuppt. Denn während Wanderwege bisher lediglich aus Naturschutzgründen oder aus Forstgründen gesperrt werden konnten, wobei man an gewisse Regularien gebunden ist – einen Privatweg kann ein Grundeigentümer auch schnell einfach blos mal so sperren. Bis 31.12.2020 haben von einer Weg-Privatisierung betroffene Nutzer öffentlicher Wege – und das sind im Fall der Wanderwege alle Wanderer – die Möglichkeit, die Eintragung derartige Wege den Gemeinden anzuregen. Dazu müssen die Wege aber erst einmal erfasst werden.

Ich bin all meine Karten aus den Jahren 1990 bis 1993 durchgegangen, und habe eine Liste mit wichtigen Wanderwegen im Nationalparkgebiet Sächsische Schweiz erstellt. Die Liste enthält 308 Wege, bei denen angenommen werden, dass sie am 22.01.1993 öffentliche Wege gewesen sind.

Wegeliste, nach Index sortiert
Wegeliste, nach Gemeinde sortiert
Wegeliste, nach Alphabet sortiert (Register)

Auszug Bad Schandau
Auszug Hohnstein
Auszug Lohmen
Auszug Sebnitz

Zur Methodik (Textteil)
Zum Anlass der Erfassung (Hintergrund)

Ausdrucken, an die Kommunen schicken und diese bitten, dass diese Wege, sofern sie sich noch nicht in den Straßenbestandsverzeichnissen befinden, dort eingetragen werden mögen. Die weitere Bearbeitung obliegt dann den Gemeinde- und Stadträten bzw. den Verwaltungen

  • Große Kreisstadt Sebnitz, Stadtverwaltung, Herrn Oberbürgermeister Mike Ruckh, Kirchstraße 5, 01855 Sebnitz
  • Stadt Hohnstein (Sächsische Schweiz), Stadtverwaltung, Herrn Bürgermeister Daniel Brade, Rathausstraße 10, 01848 Hohnstein
  • Gemeinde Lohmen in Sachsen, Gemeindeverwaltung, Herrn Bürgermeister Jörg Mildner, Schloss Lohmen 1, 01847 Lohmen
  • Stadt Bad Schandau, Stadtverwaltung, Herrn Bürgermeister Thomas Kunack, Dresdner Straße 3, 01814 Bad Schandau

Obs was hilft – keine Ahnung. Aber irgendwas muss man ja tun. Schlimmstenfalls: Einfach loswandern. Hier die Original-Exceltabelle. Gern auch für andere Nachnutzungen, Auswertungen, Inventarisierungen verwendbar. Hierbei bitte nicht vergessen, die Quelle zu nennen und Änderungen dokumentieren.


Diese Seite gibt es auch als Zitierlink www.boehmwanderkarten.de/strassengesetz sowie als Themenseite.

Siehe auch www.sachsenswege.de. Nichts wie rein in den Verein!


09.11.2020: Treppengrund und Dreiwinkelgrund gesperrt

Könnte man dafür nicht den Thorwaldwand-Gratweg wieder öffnen?

Per 19.10.2020 hat die Nationalparkverwaltung die Treppengrund-Dreiwinkelgrund-Linie im Großen Zschand wegen querliegender Bäume „bis auf Weiteres“ gesperrt. Damit sind die Hickelschlüchte nun eine Sackgasse. Da der Reitsteig bereits Anfang des Jahres gesperrt worden ist, gibt es im gesamten Großen Zschand nur noch einen einzigen durchgehenden markierten Wanderweg: Die Richterschlüchte . Doch auch da könnten bald einmal ein paar Bäume umfallen. Und dann gäbe es in dem großen Wandergebiet zwischen Winterberg, Zeughaus und Hinterdittersbach keinen einzigen markierten Wanderweg mehr.

Ich bedanke mich für die Mitteilung bei Roland Leskau. Siehe auch hier.

Doch es führt zu nichts, hier der Nationalparkverwaltung einen Hang zu notorischer Totalreservatsbildung zu unterstellen. Wie sagte schon der seinerzeitige Nationalparkchef Dr. Stein im Rahmen der Wegekonzept-Diskussion 1998? „Absicht sei nicht, künftig die Anzahl markierter und ausgewiesener Wanderwege für die Besucher des Nationalparks zu reduzieren“ (DNN, 28.04.1998). Nehmen wir also die Nationalparkverwaltung beim Wort. Also nicht Jammern, Wanderer, ob der „bösen Nationalparkverwaltung“, die dich vermeintlich aus der Natur aussperrt und nicht, Nationalparkverwaltung, beim Wanderer nicht immer nur „das böse Naturzerstörende“ suchen. Sondern Lösungen suchen. Ganz normal, dass da bei dem Borkenkäferbefall einmal Wege verbrechen. Das wird uns noch Jahre beschäftigen. Selbstverständlich können einmal ein paar markierte Wanderwege wegfallen, das macht doch nichts, man kann da doch einfach ein paar andere Wege zulassen und mit Wegemarkierungen versehen. Wer sagt denn, dass die Hickelschlüchte eine Sackgasse wären, blos weil man da auf der Ostseite der Thorwalder Wände nicht mehr in den Treppengrund hinunter könnte? Oben mündet doch der Thorwaldwand-Gratweg, auf dem kann es weitergehen. Der Thorwaldwand-Gratweg ist ein wunderbarer und sehr gut erhaltener Wanderweg, der auch, da er überwiegend durch einen naturnahen Kiefern-Buchen-Birken-Riffwald verläuft, kaum von dem schlimmen Borkenkäferverbruch im Fichtenforst betroffen ist. Dieser Weg ist zwar seit 1978 gesperrt, man könnte aber, da sich der Weg in den letzten 40 Jahren wunderbar bewahrt hat, überlegen, ob die Sperrung noch angebracht ist. Oder ob es sinnvoll ist, diese aufzugeben, denn sie hat ja ihren Zweck, die Natur zu beruhigen, erfüllt. Fortan ist eben der weiter unten verbrochene Reitsteig ein eher weniger bewanderter Weg. Der naturnahe Riffwald oben auf dem Grat bietet dem Wanderer ein ungleich stärkeres Naturerlebnis, als das Laufen durch die toten Borkenkäfer-Fichtenmonokulturen in den Tälern. Also, die Markierung nun auf diesen Weg legen – wäre dies nicht ein verheißungsvoller Ansatz?


22.10.2020: Brand-Hohnstein 1:10000 wieder lieferbar

Brand-Hohnstein 1:10000

Ich muss mich ein wenig entschuldigen, denn meinen vergriffenen Titel „Brand-Hohnstein“ hatte ich bereits für den September angekündigt. Es hat etwas länger gedauert, aber nun ist die Karte wieder lieferbar: Natürlich umfassend aktualisiert, u. a. Goßdorfer Vulkanweg neu, Schwarzbachbahn länger, Rot-Punkt Polenztal anders, Fritschenstein anderer Aufstieg. Wie immer haben einige Gasthäuser zugemacht, aber einige auch neu eröffnet, z. B. Cosis Ladenbistro in Hohnstein. Das freut uns Wanderer. Insgesamt gibt es über 400 Änderungen, wer 100 findet erhält eine Karte gratis ;-). Aber nicht ins Laufendhaltungsprotokoll gucken!


15.10.2020: Hekosyn-Karte ab sofort im Handel

Große Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000 – Hekosynausgabe

Mein „Große Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000“ gibt es jetzt auf einem neuen unverwüstlichen Bedruckstoff: Hekosyn. Ladenpreis 9,80 €, was sich aber lohnt, denn Hekosyn hält viel länger, als gewöhnliches Landkartenpapier. Ab sofort im Handel. Mehr über Hekosyn hier.


22.09.2020: Karte Brand-Hohnstein 1:10000 muss wegen dem Sächsische Straßengesetz noch ein klein wenig warten

Wegenetz-Atombombe?!?

Für September 2020 habe ich die Nachauflage meiner Karte Brand-Hohnstein 1:10000 angekündigt. Geht in etwa einer Woche in den Druck, wird aber sicher nun erst bissl später erscheinen. Grund für die Verzögerung: Ich habe mir eine kleine Arbeit „zwischendurch“ vorgenommen: Alle Wege, die eindeutig als Wanderwege am 17.02.1993 öffentliche Wege waren, zu verzeichnen. Eine ganz schöne Arbeit, dazu gucke ich in meinen alten Feldbüchern nach. Das schiebe ich immermal einen halben Tag ein und da muss die Brandkarte eben noch bissl warten.

Warum ich das mache? Nun, es gibt eine klitzekleine Änderung im Sächsischen Straßengesetz. In allen Amtsblättern werden derzeit die Bürger aufgefordert, noch nicht in den Straßenbestandsverzeichnissen befindliche Wege an die Kommunen zu melden. Anwalt Dr. Torsten Schmidt dazu: „Man sieht Fußwegen, Wanderwegen, Feld- und Waldwegen ja nicht an, ob sie öffentliche Straße sind oder nicht.“ Sieht aus, wie eine kleine unwichtige Formalie. Könnte sich im Nationalpark aber als eine Art Wegenetz-Atombombe erweisen.

Denn alle Wege, die nicht in den Straßenbestandsverzeichnissen der Gemeinden verzeichnet sind, werden ab dem 31.12.2022 „automatisch“ zu Privatwegen. Auf denen kann man dann zwar weiterhin wandern, aber nicht mehr, weil es ein öffentlicher Weg ist, sondern lediglich noch, weil man dann von seinem Recht auf Betreten der freien Landschaft nach § 27 Sächsisches Naturschutzgesetz Gebrauch macht. Und im Nationalpark gilt ja bekanntlich das Sächsische Naturschutzgesetz insoweit nicht. Im Nationalpark gibt es kein Recht auf Betreten der freien Natur.

Okay, könnte man meinen, dann sind eben die Wege im Nationalpark Privatwege. Der Wegeigentümer ist ja meist der Freistaat und der wird uns schon nicht verraten und verkaufen. Blos – wie die Nationalparkverwaltung mit Weg-Begehungsrechten umgeht, ist ja bekannt. Und diesen Job macht sie genau im Auftrag des Freistaates.

Langfristig könnte da noch etwas anderes drohen. Öffentliche Wege darf jeder unentgeltlich benutzen. Könnte so eine marginale Änderung des Sächsischen Straßengesetzes die Einstichöffnung für eine Eintrittsgeld-Erhebung in den Nationalpark sein? Könnte sein. Bekanntlich kosten Nationalparks in Amerika ja auch Eintritt.

Also aufpassen! Jeder Betroffene (und das sind wir Wanderer ja schließlich alle) kann bis 31.12.2020 noch Wege anmelden. Bad Schandau, Hohnstein, Lohmen und Sebnitz erhalten von mir in den nächsten Wochen Post. Am besten gleich Einschreiben-Rückschein. Obs die Kommunen dann auch eintragen? Keine Ahnung. Aber dann habe ich wenigstens getan, was ich konnte. Wir haben gerade noch 3 Monate Zeit, um Wege zu melden. Denn was nützt die allerschönste Wanderkarte, wenn irgendwann dann – von einigen wenigen „Wanderautobahnen“ vielleicht mal abgesehen – ganz Zick ist mit dem Wandern.


29.08.2020: Neue Wegsperrmethode im Nationalpark?

Erst Polenztalweg – als nächstes vielleicht Großer Hochhübelweg und Reitsteig?

Gerade verschwinden wieder einmal Wege in der Sächsischen Schweiz. Bisher betraf das eher kleine Wege. Doch nun scheint es auch markierten Hauptwanderwegen an den Kragen zu gehen. Diese waren bisher noch kein Ziel von Begehungsrechtswegfertigungen, denn auf ihnen konnte man ja die „belastenden Touristenströme“ so schön „kanalisieren“. Seit drei Jahren ist aber nunmehr der Rot-Punkt-Weg rechts der Polenz ab Alter Waltersdorfer Mühle gesperrt. Die Wegemarke wurde mittlerweile auf die Forststraße auf der anderen Talseite verlegt. Damit ist erstmals eine größerer markierter Wanderweg in Wegfall begriffen. Auch kommt hier eine neuartige Methode zum Einsatz. Bisher war es üblich, Wegsperrungen irgendwie „über die Naturschutzschiene“ durchzukriegen (d. h. nach § 6 Nationalparkverordnung). Nunmehr werden Wege, die von Stürmen beschädigt wurden, „zunächst“ nach § 13 SächsWaldG gesperrt. Theoretisch sollte so ein verbrochener Weg natürlich wieder freigesägt und dann die Sperrung aufgehoben werden. Oder aber man baut einen Ausweichweg. Beim Polenztalweg scheint man dazu aber nicht gewillt zu sein (vgl. SZ Pirna 27.08.2020): Weg weg. Zufall, ganz seltener Fall, ausnahmsweise mal zu hoher Aufwand?

Und es gibt da ein kleines Tierchen  Und es gibt da ein kleines Tierchen

Könnte sein, da steckt auch System dahinter. Da auch mal wieder in den Komitee-Bericht zur Evaluierung des Nationalparks Sächsische Schweiz von 2012 gucken. Da wimmelt es nur so von Forderungen nach einer systematischen Wegenetzzerstörung: „Forcierung von Maßnahmen der Wegeauflassung und des Wegerückbaus“ (S. 28), [es gibt leider] „kein Konzept zur Reduktion der außerordentlich hohen Wegdichte“ (S. 29), „ganzflächiche Besucherfrequentierung mit entsprechender Beunruhigung“ (S. 29), „Reduzierung der Wegdichte“ [erforderlich] (S. 30), „Netz außerordentlich umfachreich gekennzeichneter Wege führt ... zu ganzflächiger Besucherfrequentierung mit entsprechendem Beeinträchtigungspotential“ (S. 40), „Nachteilig ist ... die hohe Wegedichte“ (S. 47) usw. Unsere Nationalparkverwaltung hatte diese schlimmen Einschätzungen damals zwar als überzogen zurückgewiesen. Mitgewirkt an der Studie hat die Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Auf deren Webseite heißt es gleich mal: „Naturschutz – wir sind vor Ort. Wer im Naturschutz etwas erreichen will, braucht einen langen Atem ...“ Also haben die da erstmal bissl Gras drüberwachsen lassen, das Ziel aber nach wie vor im Visier. Könnte sein.

Bereits seit Februar beobachte ich am Großen Hochhübelweg und am Reitsteig hinter dem Zeughaus weitere Sperrungen nach demselben Schema: Erst Windbruch – dann Sperrung nach § 13 SächsWaldG – dann nichts mehr. Nun schon ein halbes Jahr. Und es gibt da ein kleines Tierchen. Da könnten bald noch eine ganze Menge Bäume auf Wege fallen. Am Ende ist da ein menschenleeres Totalreservat Großer Zschand schneller da, als es sich auch der radikalste Naturschützer in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können.

Da bleibt uns nur, das Beste zu hoffen.

Mal wieder hinwandern. Das Zeughaus hat Di bis So 11-17 Uhr geöffnet.


20.08.2020: 30 Jahre Böhmwanderkarten

Wie mit meinem Verlag alles angefangen hat

Dieses Jahr gibt es meinen Verlag genau 30 Jahre. Wie war das damals eigentlich und wann genau hat es angefangen? Am 23. März 1990 habe ich den ersten Druckauftrag erteilt. Am 29. Mai habe ich meine Gewerbeerlaubnis erhalten. Am 29. Juni habe ich die ersten Karten ausgeliefert. Oder am 20.08.1990? Denn heute genau vor 30 Jahren habe ich einen Brief an die nachmalige Nationalparkverwaltung geschrieben. Denn kaum 4 Wochen nach dem Erscheinen meiner ersten Karten wäre es fast schon wieder um meinen Verlag geschehen gewesen.

Hier eine Themenseite, auf der ich in alten Akten blättere ...


29.07.2020: Große Karte der Sächsischen Schweiz auf wetterfestem Bedruckstoff in Vorbereitung.

3 oder 4 Euro Ladenpreis mehr, die sich lohnen werden

Große Karte der Sächsischen Schweiz – Hekosynausgabe   Gedruckt aus Hekosyn

Zu DDR-Zeiten gab es einmal ein sagenumwobenes Papier für Wanderkarten: Hekosyn. Beschreibbar wie ganz normales Papier und dennoch regenfest, hochfalzfest und strapazierfähig. Nun drucke ich meine „Große Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000“ auf einem Bedruckstoff, der Hekosyn wieder aufleben lässt. Der Karte kann kein Wetter etwas anhaben, sie können die Karte dann sogar mit der Waschmaschine waschen und dennoch geht sie nicht völlig in die Binsen. Hinter „Hekosyn“ verbirgt sich der Bedruckstoff Sihl Enduro Classic, dessen Geheimnis ist, dass hier (anders als bei laminierten Karten, innen Papier oben/unten Folie) der Schichtenaufbau „innen Folie oben/unten Papier“ lautet.

Der Bedruckstoff ist nicht ganz billig, daher Ladenpreis voraussichtlich 9,80 € oder 10,80 € das hängt auch ein wenig davon ab, wie sich „das Papier bei der Falzung benimmt“ (gewöhnliche Falzung oder sog. Landkartenfalzung nach Prendel). Gewiss sind dies aber 3 bzw. 4 € Mehrpreis, die sich lohnen werden. Der Karteninhalt entspricht der gewöhnlichen „großen Karte“, natürlich wurde die Karte auf den neuesten Stand gebracht, u. a. der Forststeig aktualisiert und der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz eingetragen. Erscheiningstermin September 2020.


28.07.2020: Polizei und Nationalparkranger fliegen wieder mit Hubschrauber rum ...

... um Boofenfeuer auszustöbern. Und werden fündig. Klare Antwort: Es herrscht mittlere/hohe Waldbrandgefahr, wie kann man da blos so blöd sein, Feuer zu machen? Hier und da erlauben es Forst und Nationalparkverwaltung nach wie vor – und entgegen allen allgemeinen deutschen Bürokratie- und Sicherheitsriten – dass man Feuer im Wald machen kann, unter zwei Voraussetzungen. a) an ausgewiesenen Feuerstellen (z. B. Taubenteich) und Grillplätzen (z. B. Zeughaus oder Polenztal) und b) bei sehr geringer Waldbrandgefahr (sog. Stufe grün), wobei man sich da gefälligst selber hier kundig zu machen hat.

Und dann sowas.


24.07.2020: Die Weberschluchtkarte

Die Weberschluchtkarte ist eine bisher unveröffentlichte Karte mit einer abenteurlichen Geschichte aus der Frühzeit der Böhmwanderkarten. Diese gibt es nun, allerdings nicht als richtigen Verlagstitel, sondern auf einer (bitte nicht weiter einzulinkenden) „Geheimtippseite.“ Ich bedanke mich herzlich bei Frank Richter, der die Karte vorletztes Jahr freundlicherweise scannte und damit einer Rekonstuktion zugänglich machte, und bei Axel Mothes, der sie in einer kleinen Auflage drucken wird – und zwar im neuen Sandsteinfreundebuch II, das demnächst erscheinen wird.

Mehr hier.


09.07.2020: Nationalparkverwaltung zensiert Internet

Polizeistaat doch nicht ganz so wild? Na, alles ist relativ. Zumindest fordert die Nationalparkverwaltung neuerdings Youtube-Uploader auf, Videos zu entfernen. Möglicherweise macht das ein eigens dazu eingestellter „digitaler Besucherlenker“. Man fragt sich verwundert „In was für einem Land leben wir hier eigentlich?“ Ganz am Anfang war das Internet mal wirklich frei, dann haben die das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gemacht, und jetzt zensiert schon die Nationalparkverwaltung munter herum. Dabei wird eine „Bitte um Löschung“ durchaus mit Vokabeln, wie „Anzeige“ und „Bußgeld“ garniert, denn richtig – Druck wirkt ja nur, wenn man auch ein wenig einschüchtert.

Andersherum bleibt zu hoffen, dass sich der Staat selber immer schön an die Gesetze hält. Denn ein Gesetz, in dem etwa stehen würde „entgegen Art. 5 Grundgesetz dürfen Verwaltungen von Nationalparks Veröffentlichungen über ihnen nicht genehme Wanderrouten untersagen“ ist mir nicht bekannt.

Neue Draußensein-Seite hier.


06.07.2020: Erster kameraüberwachter Wanderweg

Neue Draußensein-Seite hier.


03.07.2020: Nationalparkbesucher – jetzt schon fast richtig kriminell

Menschen in der Natur – das darf sich der Rechtsstaat nicht bieten lassen

Der Artikel „Teure Nacht in der Liebsboofe“ von Friederike Hohmann (Sächsische Zeitung 03.07.2020) hat es in sich. Wegen „Schlafens in gesperrtem Wald“ wurden an mehrere Wandergruppen Bußgelder verhängt und zwar 1500,00 €, 2000,00 € bzw. 2500,00 €. Es soll die Delinquenten, so der von den völlig entsetzten Boofern angerufene Richter am Pirnaer Amtsgericht, schon „empfindlich treffen“. Hat er dann teilweise zwar bissl reduziert, 2000→800, 1500→900, 2500 in einem Fall →500 €, ist aber immer noch viel. Begründet wird das Ganze mit „Waldbrandgefahr“. Zweifellos ist es richtig, die Verursachung von Waldbränden zu ahnden, und klare Ansage, Boofenfeuer bei Waldbrandgefahr – das geht gar nicht. Dumm nur: Die gemaßregelten Boofer hatten überhaupt kein Feuer gemacht. Sie sind nur in einem „wegen Waldbrandgefahr gesperrten Wald“ mal eine Nacht draußen geblieben. Es entsteht also ein anderer Eindruck: Die Waldbrandgefahr dient als Vorwand um die seitens der Nationalparkverwaltung zunehmend gebashten Boofer zu kriminalisieren und zu vergrätzen.

Mein Lieblings Feuer-im-Wald-Bild
Man darf Feuer im Wald machen, wenn es der Forst erlaubt

Das wirft Fragen auf.

Erste Frage: Ist das angemessen? Es gibt nichts Schöneres, als ein Freinacht in der Natur. Wieso ist das neuerdings ein Vergehen, das man mit 30 bis 60 Tagessätzen ahnden muss? Wo gibt es im Strafrecht ähnlich hohe Strafen? Also ich glaube, da muss du schon eine ganze Menge mausen oder schwarz fahren, um das abzufassen.

Zweite Frage: Wie hält es die Nationalparkverwaltung selbst mit den Gesetzen?

  • Sächsisches Waldgesetz, § 21: „Die Waldbesitzer sollen im Rahmen ihres Leistungsvermögens die zu einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Waldes notwendigen Wege bauen und unterhalten.“ Aha, da sollen also im Wald ausdrücklich Wege gepflegt werden. Vom Eigentümer. Das ist ja toll! Doch was macht der Grundeigentümer Land Sachsen im Nationalpark? Reitsteig und Großer Hochhübelweg oberhalb Zeughaus sind seit einem halben Jahr wegen Sturmschäden unpassierbar. Das ist eine von nur noch drei verbliebenen Weglinien in dem Gebiet, auf denen noch „völlig sündenfrei gewandert“ werden darf. Früher gab es dort Dutzende, vielleicht sogar hundert wunderschöne Wanderweglinien (und da ist auch niemals irgendwas offiziell gesperrt worden). Sollten dann nicht zumindest die drei übrig gebliebenen „Touristenautobahnen“ nach Sturmschäden ganz schnell wieder freigeschnitten werden? Ach, die denken da doch gar nicht daran: Sperrung „bis auf Weiteres“. Angeblich keine Kapazität. Auch auf dem unteren rechten Polenztalweg (ex rot Punkt) müsste ich mal wieder nachsehen, wie dort der aktuelle „Sperrstatus“ ist.
  • Bundesnaturschutzgesetz, § 59: „Das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung ist allen gestattet (allgemeiner Grundsatz).“ Praktisch geht es im Nationalpark aber eher andersherum, allgemeines Wegegebot, strenges Wegegebot, klammheimliche „Wegsperrungen“, Allgmeinverfügung, zum Schluss Gesamtwald-Totalsperrung eines Top Wander- und Erholungsgebietes wegen Waldbrandgefahr. Damit ist das Gesetz in das volle Gegenteil verkehrt. Statt dass der Staat dem Bürger das Erleben der Natur ermöglicht, wie es das Gesetz als „allgemeinen Grundsatz“ vorgibt, werden Menschen, die einfach nur einmal eine Nacht draußen sind, mit extrem hohen Bußgeldern gebasht. Alles Kriminelle oder Ordnungsstraftäter? Ich denke, eher wohl nicht. Es sind Menschen, die Natur erleben und sich erholen wollen und nichts anderes gemacht haben, sehr geehrte Naturschutz- und Forstbehörde.
  • Überstaatliche Normen: Die internationale Naturschutzunion IUCN definiert länderübergreifend, was eigentlich der Zweck eines Nationalparks ist: „Primary objective: To protect natural biodiversity along with its underlying ecological structure and supporting environmental processes, and to promote education and recreation.“ Das übersetze ich mal mit „Primäres Ziel: Die natürliche Biodiversität mit der ihr zu Grunde liegene ökologische Struktur schützen, die Umweltprozesse unterstützen und Bildung und Erholung zu fördern.“ Eben: Bildung und Erholung zu fördern. Und das ist primäres Ziel, genau wie der Naturschutz, eben nicht diesem untergeordnet. Aber die Nationalparkverwaltung macht demgegenüber den Naturschutz zu einem Knüppel, den Menschen im Wald auf wenige Hauptwanderwege zu bündeln oder zu vertreiben. Die „Erholungsnutzung hat sich unterzuordnen“. Damit ist auch hier die internationale Vorgabe ins Gegenteil verkehrt. „Nicht Mensch, erhole dich in Eintracht mit den Natur“, sondern „Mensch, du störst, raus, 60 Tagessätze Bußgeld“. Dabei ist doch überhaupt nichts dabei, da einfach mal im Busch zu übernachten. Das haben die Buschweibel, Köhler und Hütejungen jahrhundetelang so gemacht. Erst im 20. Jahrhundert ist da was „irgendwie Verbotenes“ draus geworden.
Damit wir uns nicht falsch verstehen, selbstverständlich darf man kein Feuer bei Waldbrandgefahr machen. Oft kommt es mir aber so vor, dass man vermeintlich durch Boofer verursachte Waldbrände nur zum Anlass nimmt, den naturerlebnissuchenden Menschen in der Natur insgesamt zu vergrätzen und zu vergraulen. Wie bereits ausgeführt: Von unseren Bußgeld-Boofern ist kein Feuer überliefert.

Dritte Frage: Wie sinnvoll ist das Arbeitsmodell „Polizeistaat im Wald“ überhaupt? Das hat nämlich einen Nebeneffekt, dass sich nämlich der Schutz der Natur von einer Herzensangelegenheit von uns allen – die er einmal durchaus gewesen ist – ins Gegenteil verkehrt: Irgendwann ist es uns leid, ständig nur als „Störer“ und „Belastung“ der Natur apostrophiert zu werden: Boofer als Waldbrandverursacher, obwohl sie gar kein Feuer gemacht haben. Irgendwann empfinden wir den Naturschutz nur noch als eines: saudoof. Das ist der Nachteil des Modells „Polizeistaat im Nationalpark“. Motto: Wir werden euch solange mit Bußgeld im Wald maßregeln, bis auch der Allerletzte begriffen hat, dass die Natur ein zu schützender Schatz ist, in dem der Mensch bestenfalls vom Basteiparkplatz bis zur Bastei zu laufen hat und auch das nur von 10:00 bis 16:30 Uhr. Wenn es dunkel wird, schwärmt die Waldpolizei zu „Schlafkontolle“ in die Boofen aus. Irgendwann macht eben nun mal jeder Rummelplatz zu und ab dann hast auch du im Wald nichts mehr zu suchen. Nur ein paar einsame Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera fliegen dann noch ein paar Runden. Das ist ein ganz natürliches Gebrummsel. Man glaubt gar nicht, wie schnell sich die Tiere in der Kernzone an kreisende Hubschrauber gewöhnen können — vor allem dann, wenn sie regelmäßig kommen, immer Sonnaband abend.

 

Nachtrag 04.07.2020: Tags drauf ist Caravaning im Elbsandstein das Leitthema in der Sächsischen Zeitung. Diesmal sind die „Wildcamper“ die Doofen, die angeblich „Chemietoiletten im Wald entsorgen“, „alles vermüllen“, „falsch parken“ und „unlässigerweise übernachten“. Alles Verbrecher. Also dann mal los, Polizei, Bußgeldbehörde, Amtsgericht. Sollen sogar auf Parkplätzen Campingstühle neben ihr Auto stellen. Der blanke Wahnsinn, wie die unsere Welt kaputtmachen.

Und morgen sind die Mopedfahrer dran, übermorgen die Fotografen und am Donnerstag die Mountainbiker.

Polizeistaat im Wald I: Big brother watches you
Polizeistaat im Wald II: Big brother censores you


22.06.2020: Corona vorbei

Meine kleine Corona-Tabelle habe ich am Montag, dem 22.06. noch einmal aktualisiert. In Deutschland kann man sagen, Corona ist (erstmal) vorbei. Weltweit allerdings nach wie vor pro Woche 1 Million Neuerkrankungen, aber wir neigen alle dazu, schnell zu vergessen, und wieder „Alltag“ zu machen.

Was ja aber auch wichtig ist. Denn Corona hat auch bei mir ein Riesenumsatzloch reingerissen. Da guckste nämlich bissl blöd, wenn da plötzlich nur noch 2 % vom „Normalumsatz“ reinkommen, rechnest dir das Monatsmittel aus, das waren dann 14 % was auch nicht wirklich weiterhilft. Und du weißt ja nicht, geht das jetzt 1, 2 oder 6 Monate so weiter. Aber seit Mitte Mai wird gewaltig aufgeholt. In der ersten Junihälfte hatte ich dann gleich mal 266 % vom Normalumsatz:

Corona-Umsatz

Gemittelt 183 %. Einwandfrei. Also aufatmen. Ein herzliches Dankeschön an alle fleißigen Wanderer – Wanderkartenhändler, -besteller und -käufer.


01.06.2020: Mehrwertsteuer

Wir werden ein halbes Jahr eine veringerte Mehrwertsteuer haben und dies wird Landkarten theoretisch 2 % billiger machen. Ich werde meine Karten auch weiterhin zu unveränderten Nettopreisen abgeben, denn das ist genau der mir zustehende Erlös. Allerdings habe ich mich praktisch dann doch dazu entschlossen, meine Ladenpreise unverändert zu lassen. Es wären je nach Titel 5 bis 18 Cent Preissenkung, wegen der die Händler stundenlang alles umpreisen müssten. Somit wird die Steuerersparnis nicht an Sie als Wanderer, sondern an den Buchhändler weitergegeben. Der hat damit etwas mehr Rohgewinn (und dank der „Händlerrabatt-Hebelwirkung“ werden die 2 % zu etwa 6 %). Ich denke, das ist so auch „im Sinne des Erfinders“ (also der Bundesregierung), denn schließlich musste ja der Einzelhandel auch die ganze „Corona-Pause“ schultern.

Also bitte ich Sie, sich nicht zu ärgern, dass eine Sächsische-Schweiz-Karte nun doch nicht von 6,80 € auf 6,68 € verbilligt wird, freuen Sie sich vielmehr, – gucken Sie am besten mal beim Auto-Händler rein, wie der das mit der Mehrwertsteuer macht.


29.05.2020: Balzhütte hat wieder auf

Tschechien ist wieder geöffnet und wanderbärin ist gleich einmal zur Balzhütte gewandert: Hat wieder auf (und zwar das Hegerhaus hinten) – ist das nicht ein gewisser Trost? (Quelle www.sandsteinpfade.de)


22.05.2020: Die Balzhütte ist abgebrannt

Das Balzhütten-Wandermädchen 2020 Das Balzhütten-Wandermädchen 2020

Soeben erhalte ich eine schlimme Nachricht: Die Balzhütte ist abgebrannt. Die Balzhütte ist seit 300 Jahren einer der schönsten, abgelegensten und romantischsten Orte des gesamten Elbsandsteins. 60 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Alles ist ein Raub der Flammen geworden. Es war zwar nicht das erste Mal. Schon 1905 war die Balzhütte einmal abgebrannt. Der Wiederaufbau hat sich dann bis in die 1930er Jahre hingezogen. Ob die Balzhütte nun ein drittes Leben erhalten wird? Das wünschen sich gewiss viele Liebhaber des wunderbaren Hinteren Landes.

Jorg Tusch hat mir eine Reihe von Bildern von der alten Balzhütte geschickt. Da kann ich einfach nicht anders, als diese auf einer Balzhüttenseite vorzustellen.

Ein herzliches Dankeschön für die Bilder an Jörg Tusch.


13.05.2020: Fraktale Kartographie

Richtige Karte und falscher Film

Soeben erhalte ich eine Lesermail „Sehr geehrter Herr Böhm, laut dem Film ,Der Ranger‘ wurden Aufnahmen von einer Eisenbahn-Kastenbrücke gezeigt und zuvor stand ein Wegweiser rechts zur Heringshöhle und links zum Teufelsgrund (Wehlen) ... Gibt es diese Brücke wirklich oder war die Szene im Fernsehen erfunden?“

Die Vorleser-Straßenbahn
Die Straßenbahn aus dem Film „Der Vorleser“ vor dem Kirnitzschtalbahn-Depot

Klare Antwort: „Keine Gedanken um tatsächliche Topographie, Herr XXX, man ist immer wieder geneigt, Filmszenen verorten zu wollen, was regelmäßig scheitert. So führte ,Pfarrer Brauns‘ regelmäßiger Film-Dienstgang über den Wehlener Marktplatz auf den Meißner Burgberg, um eine Ecke rum war er dann wieder in Stadt Wehlen. Kate Winslet fuhr mit ihrem Vorleser mit der ,Görlitzer Straßenbahn‘ zur Buschmühle ins Kirnitzschtal. Nicht ohne zuvor über eine vor der Mühle freilich nicht existente Wiese geradelt zu sein. Die Rückfahrt ging dann über Bad Schandau am ,Kate-Winslet-Haus‘ und an der Kirnitzschtalklinik vorbei.“

Gewiss muss die Eisenbahn-Kastenbrücke irgendwo aufgenommen worden sein, meine Vermutung: Langenhennersdorf/Gottleubatal – aber da haben die sich am Schnitttisch natürlich keine Böhm-Wanderkarte danebengelegt, um beim Szenenwechsel zur Heringshöhle passend noch 3 km Offroadtour im Jeep reinzumontieren, damit es topografisch richtig hinhaut.

Der Film kehrt das gesamte Grundprinzip der Kartographie völlig um. Wir Real-Menschen benutzen Karten, um schöne Landschaft zu entdecken und freuen uns, wenn die Karte richtig ist.

Die Film-Imaginatoren higegen machen das genau andersherum. Die schöne Landschaft konstituiert sich zuallererst im Kopf des Filmautors. Nach dem Abdrehen wird dann unsere Mutter Erde am Schnitttisch dazu passend zusammengeschnippelt. Wenn das fraktale Georaumzeugs beim „Film angucken“ dann versehentlich auf ein Gehirn mit Ortskenntnis trifft, wird dieses versuchen, die zugehörige mentale Landkarte „retrograd“ zurechtzubasteln. Sowas pflegt schiefzugehen. Unser Gehirn wird uns dann ein bekanntes Gefühl vermitteln: Wir kommen uns vor, wie im falschen Film.

Herzliche Grüße

Rolf Böhm


19.04.2020: Das kleine Wandermädchen ...

... befindet sich nach wie vor auf Tauchstation. Hoffentlich wird die Luft reichen. Ab Montag ist die Sächsische Schweiz wieder zum Wandern geöffnet. Das gibt etwas Hoffnung.


09.04.2020, Gründonnerstag: Wodargs Seite wieder erreichbar.

Die Webseite www.wodarg.com ist wieder erreichbar. Ich atme erleichtert auf. Das gibt Hoffnung.


08.04.2020: Die Gedankenpolizei hat zugeschlagen

Wolfgang Wodargs Webseite www.wodarg.com ist auf dem Hoster Jimdo nicht mehr erreichbar.

Traurig schlage ich im Handexemplar meines Orwell nach, S. 247: „Die neue Aristokratie bestand in der Hauptsache aus Bürokraten, Wissenschaftlern, Technikern, Gewerkschaftsfunktionären, Propagandaspezialisten, Soziologen, Lehrern, Journalisten und Berufspolitikern. Diese Leute, deren Ursprünge in dem gehaltsempfangenden Mittelstand und der gehobenen Arbeiterklasse lagen, waren durch die sterile Welt der Monopolindustrie und zentralistischen Regierung geprägt und zusammengeführt worden. Verglichen mit ihren Pendants aus früheren Zeiten waren sie weniger habgierig, weniger luxusversessen, hungriger nach schierer Macht und vor allem in ihren Handlungen bewusster und mehr darauf aus, die Opposition zu vernichten.“

Die Opposition zu vernichten. Corona ist das eine. Das ist das andere.


06.04.2020: Die Sächsische Schweiz als Politische Karte

Oster-Wandertipp für den Elbsandstein

Karte Sächsische Schweiz politisch

Wer im Landkreis Sächische Schweiz-Osterzgebirge wohnt, darf im „Wohnumfeld“ wandern. Das ist in enger Auslegung die Gemeindefläche. Aber wer weiß schon, wo „seine“ Gemeindegrenze ist?

Das war mir Anlass die Sächsische Schweiz einmal in politischer Kartographie zu bearbeiten (was ansonsten eigentlich ja nur bei Länderkarten üblich ist). Die Karten zeigen die Gemeindegebiete, sowie gemeindebezogene 5-km-Umfeldlinien, die vielleicht ebenfalls noch als Wohnumfeld gelten können.

Ich wünsche allen Elbsandsteingebirglern Frohes Wanden um Ostern. Wir werden ein wenig unter uns sein, was für uns gewiss eine neue Erfahrung sein wird.


30.03.2020: In der Corona-Zeit richtig wandern.

28.03.2020 Polizei am Lichtenhainer Wasserfall Polizei am Lichtenhainer Wasserfall

Rausgehen, wandern. Das stärkt das Immunsystem, dient der Psyche und der Erholung. Laut Landratsamt ist Wandern im Gemeindegebiet des Wohnortes erlaubt. Und gewiss auch wohl noch in einem gewissen Umkreis (den die Polizei am „Cospudener See“ auf 5 km bemessen hat.) Denn natürlich reicht das Rathener Wohnumfeld gewiss bis zur Bastei, das Rathmannsdorfer Wohnumfeld bis nach Bad Schandau und das Dresdner Wohnumfeld bis zur Babisnauer Pappel.

Bastei und Babisnauer Pappel sind freilich unglücklich gewählte Wanderziele. Wenn sich jeder 1000. Dresdner für die Babisnauer Pappel entscheidet, sind das dort 500 Besucher. Also: Nicht an Ziele Wandern, die Ihnen zuerst einfallen. Ziele wählen, die Ihnen als Drittes, Viertes, Fünftes einfallen.

Also:

Hinterhermsdorf: Nicht nur Obere Schleuse, sondern Lindigtblick, Raumberg, Weißbachtal;

Schrammsteine: Nicht nur Schrammsteinaussicht, auch mal Lehne, Hohe Liebe, Breite Kluft;

Affensteine: Nicht immer nur Kuhstall, auch Reitsteig, Habichtsgraben, Ferkelschlüchte sind interessante Wege mit weniger Begängnis;

Basteigebiet: Nicht immer nur Bastei, auch mal Zscherregrund, Wolfsbergweg, Knotenweg bewandern;

Brandgebiet: Nicht nur Brand, auch mal an Kohlichtgraben, Forstgraben, Ochel denken;

Königstein: Nicht Festung, auch Quirl, Hirschke, Kohlbornstein sind eine Wanderung wert.

Es müssen also nicht ausschließlich Haupt-Wanderziele sein. Wer Nebenziele und -wege wählt, steckt nicht so an (und steckt sich selbst nicht so an).

Kursierende Gerüchte à la „Wandern verboten“ (etwa nur „Spaziergänge“ erlaubt) oder „Tageswanderungen verboten“ (etwa „nur kurz an die frische Luft“ erlaubt), entbehren jeglicher Grundlage. Der Text der Allgemeinverfügung erlaubt ausdrücklich „Sport und Bewegung an der frischen Luft im Umfeld des Wohnbereichs.“ Es gibt keine irgendwie geartete Beschränkung auf x Kilometer oder y Minuten. Selbstverständlich gilt: „Ausschließlich alleine oder in Begleitung des Lebenspartners bzw. mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung größer als fünf Personen.“ Ist doch klar.


24.03.2020: Böhm-Wanderkarten in Wuhan

Weil ich ja zur Zeit nicht raus kann, miste ich meine Festplatte aus. Ist kein Mist: Das Bild zeigt, wie sich Kartografen in China eine Böhm-Wanderkarte ansehen. An der Uni Wuhan.

Das Bild stammt aus dem Jahr 2009. Eva Hauthal, seinerzeit Praktikantin (mittlerweile freilich mit summa cum laude promoviert) hat damals ein paar meiner Kartentitel nach China mitgenommen. Ich wünsche den Kollegen und Kolleginnen in China, dass Sie gesund geblieben sein mögen.


22.03.2020: Nun ist alles dicht

Wandermädchen Das kleine Wandermädchen steigt in sein U-Boot und geht auf Tauchstation. Zur Zeit wissen wir nicht recht, ob die Experten aus Charité, Robert-Koch-Institut und Politik recht haben oder der Arzt und Wissenschaftler Wolfgang Wodarg

Weil die Menschheit schnell vergisst, hier mal zur Erinnerung die kumulativen Infiziertenzahlen vom 24.02. bis 21.06.2020 (letztmalig aktualisiert am 22.06.2020):

                     24.02.    02.03.    09.03.    16.03.    23.03.    30.03.
      -----------------------------------------------------------------------
      Welt           79.331    88.948   109.578   156.400   332.930   693.224
      Deutschland        16       150     1.139     5.833    26.220    57.298
      Sachsen             0         0        12       130       653     1.795
      Landkreis PIR       0         0         0        11        72       175
      Bad Schandau        0         0         0         0         0         1
      -----------------------------------------------------------------------
                     05.04.    12.04.    19.04.    26.04.    03.05.    10.05.
      ------------------------------------------------------------------------
      Welt        1.133.758 1.696.588 2.241.359 2.804.796 3.349.786 3.917.336
      Deutschland    96.108   127.854   143.742   156.513   162.496   169.218
      Sachsen         2.741     3.751     4.229     4.458     4.646     4.886
      Landkreis PIR     255       298       317       332       336       347
      Bad Schandau        5         5         5         6         6         6
      ------------------------------------------------------------------------
                      17.05.    24.05.    31.05.    07.06.    14.06.    21.06.
      ------------------------------------------------------------------------
      Welt        4.525.497 5.204.406 5.934.936 6.663.304 7.690.708 8.708.008
      Deutschland   174.355   178.281   181.482   183.979   186.269   189.822
      Sachsen         5.115     5.221     5.309     5.330     5.346     5.408
      Landkreis PIR     365       383       386       387       387       389
      Bad Schandau        6         6         6         6         6         6
      ------------------------------------------------------------------------
      Angabe evtl. auch ±1 Tag, Landkreis ab Juni auch ±3 Tage
      

Auf jeden Fall vorsichtig sein und nicht ausschließlich auf Wolfgang Wodarg vertrauen. Er gibt aber ein bisschen Hoffnung, dass die Wirtschaft nun doch nicht monatelang stillstehen wird.

Wandern in der Sächsischen Schweiz ist zur Zeit übrigens gar nicht so ein schlechter Gedanke. Die Ansteckungsgefahr im Wald ist gewiss geringer, als in Großstädten. Wenn die Ausgangssperre länger dauert, belastet das ja auch psychologisch – klar muss man da irgendwann mal raus. Vielleicht kann eine Wanderung ja auch mal als „Sport und Bewegung an der frischen Luft im Umfeld des Wohnbereiches“ [Text Allgemeinverfügung] gerade noch durchgehen? Selbstverständlich nur zu zweit und wenn man andere Menschen trifft keine Gruppenbildung >5 Personen und 2 m Abstand, klar.

Irgendwann wird es weitergehen. Das kleine Wandermädchen sitzt in seinem U-Boot und empfängt soeben einen schwachen Funkspruch aus der Druckerei auf Längstwelle 3600 km: +++++ WIR SIND FUER SIE DA +++++ Also da mal anfragen. Sanguine, Frequenz 82 Hertz, das kommst aus Tauchtiefe 600 Meter gerade noch bis nach oben durch. Irgendwann geht es weiter. Dann müssen wir schnell liefern. Abwarten, und dann sobald es geht, auftauchen. Hoffentlich wird bis dahin die Luft nicht knapp.


15.03.2020: Zug fällt aus

Keine Buchmesse in Leipzig? Da habe ich schnell einen Stand an der Bockmühle aufgemacht:


Foto: Steffi Weinholdt


08.03.2020: Polenztal-Testwanderung

Meine letzte Fahrt mit der U28

Märzenbecher, das heißt Polenztal, dort beginnt der Frühling in der Sächsischen Schweiz. Aber oh Schreck, Bockmühle, Heeselicht – immer alles zugeparkt. Und dann immer so eine blöde Rundwanderei weil man ja zum Auto zurück muss? Es geht ging bis zum 13.03.2020 auch anders: Mit der Eisenbahn.

Das Auto unten in Porschdorf hinstellen – früh ist der schöne kostenlose Parkplatz am Ausgang des Tiefen Grundes immer noch ganz leer. Von dort in 2 Minuten rüber zum Bahnhof Porschdorf, dann:

      7:23 U28  ab   Porschdorf (Fahrkarte gibts im Zug für 4,30 €)
      7:39 U28  an   Sebnitz, dort Umsteigen in RB71
      7:43 RB71 ab   Sebnitz (Übergangszeit 4  min sind kein Problem, Triebfahrzeugführer wartet*)
      8:09 RB71 über Neustadt (Zug wendet)
      8:14 RB71 an   Langenwolmsdorf
Ab Haltestelle Langenwolmsdorf leider erstmal 400 m blöde Straße Richtung Neustadt. Am Bahnübergang runter ins Polenztal und da sieht man schon den Wegweiser und die Wegemarke Rot-Punkt:

Wegweiser Polenztal

Nun einfach immer das ganze Polenztal lang. Zwischenzeit Sepentinen etwa 11:30 Uhr, dann weiter in den Sandstein. Ab Waltersdorfer Mühle Empfehlung, nicht auf der rechten Polenzseite weiterzugehen, sondern über die Brücke auf die linke Polenzseite (also Hauptwanderweg Rot-Strich) zu wechseln. Der Wanderweg rechts ist durch Windbruch stark beschädigt. Man kommt durch, der Weg ist aber derzeit nach § 13 SächsWaldgesetz gesperrt. Wollen mal hoffen, dass aus dieser Sperrung „zum Schutz der Besucher“ nicht irgendwann eine Sperrung „zum Schutz der Natur“ wird. (vgl. hierzu auch unten die Milieustudie Großer Zschand.) Also den Weg links entlang. Nach etwa 2 km ist der Parkplatz am Ende des Polenztales erreicht. Ankunft (ohne Einreiten im Gasthaus) ungefähr 13:00 Uhr.

Wanderstrecke: 19,5 km
Wanderzeit: 4 3/4 Stunden
Getestet am: 08.03.2020
Fahrplan U28 Děčín – Rumburk
Fahrplan RB71 Sebnitz – Pirna
Gasthäuser am Weg: Knochenmühle, Bockmühle, Scheibenmühle (Biergarten im Hof), Rußigmühle, Pension Polenztal, Waltersdorfer Mühle (Ausschank): Alle geöffnet.
Wanderkarte: Stolpen und das Stolpner Land 1:20000 – in allen Wirtshäusern erhältlich.

Nachtrag 14.03.2020: Die U28 fährt nicht mehr. Dann also doch mit Auto raus in die Natur. Es ist ja ein super Frühlingswetter. Polenztal im Bereich Russigmühle-Heeselichtmühle gibt es ausreichend Parkplätze am Fahrbahnrand.

Nachtrag 21.03.2020: Wanderung auf später verschieben.


01.03.2020: Forststeig

Meldung aus dem Forstbezirk

Forststeig

Am 04.04.2020 beginnt die Forststeig-Saison. Ab dann sind sämtliche Hütten wieder offen. Zuvor gibt es am 21.03. den Forststeig-Aktionstag zum Vorbereiten, Freischneiden, schonmal probeweise Rausgehen. (Info hier, Anmeldung erforderlich, hier).

Dem Buschfunk zufolge sollen 2020 zwei neue Biwakplätze eingerichtet werden. Das ist aber (solange die zahlreichen dafür erforderlichen zahlreichen Genehmigungen – Forst-, Wasser-, Naturschutzbehörde, Landratsamt, Feuerwehr usw. nicht abschließend vorliegen) – noch nicht offiziell.

Rolf Böhms Tipp zum naturnahen Draußensein: Statt Insignien der Zivilisation (Wasserfilter, Entkeimungstabletten usw.) – besser Trinktopf und eine kleine Schaufel mitnehmen. Und dann Wasser aus den zahlreichen ungefassten Quellen schöpfen. Die sind mit meiner 1:30000er Karte einigermaßen gut auffindbar. Wie man Wasser aus ungefassten Quellen schöpft, steht im Rölke-Forststeigführer auf Seite 196.


28.02.2020: Da warens nur noch zwei

Milieustudie Großer Zschand

Der Sturm Sabine hat viele Bäume gefällt. Die liegen nun kreuz und quer über den Wegen, weshalb die Nationalparkverwaltung am 23.02.2020 Reitsteig und Hochhübel gesperrt hat. Diesmal ist dies keine „Sperrung zum Schutz der Natur“ (vor der Gefahr, die von uns Wanderern ausgeht), § 6 NLPVO, sondern eine „Sperrung zum Schutz von uns Wanderern“ (vor der Gefahr die von der Natur ausgeht), § 13 SächsWaldG. Interssant. Während wir im ersten Fall so gefährlich für die Natur sind, dass wir nicht in den Wald hineindürfen, ist der Wald nun so gefährlich für uns, das wir – auch nicht reindürfen. Das Ergebnis ist freilich daselbe.

Windbruch am Weg 1828

Das Dumme daran ist: Hier könnten wieder einmal Begehungsrechte drohen, unterzugehen. Und zwar für immer.

Was gab es einstmals für Unmassen romantischer Pfade in dem großen Wald zwischen Winterberg und Raumberg? Die gibt es nach wie vor, nur, hinter dem Zeughaus ist „völlig sündenfreies Wanderen mit gutem Gewissen“ nur noch auf drei ausmarkierten Haupt-Weglinien möglich: 1. Richterschlüchte, 2. Zschand-Hickelschlüchte, 3. Hochhübel-Reitsteig.

Wie verlautet, soll zwar der Reitsteig „wohl irgendwann“ wieder gangbar gemacht werden. Blos momentan „leider keine Kapazität, der Borkenkäfer.“ Wir gutmütigen Wanderer sehen das ja ein. Nur, Sabine ist ja nicht der erste Sturm. Auch Herwart und Lothar haben schon 2017/2018 den Reitsteig ordentlich zugehauen. Vielleicht ist die Sperrung ja auch nur ein „Testballon“? Und in paar Jahren heißt es dann:

„Ach der Reitsteig, der ist ja schon jahrelang überhaupt kein Weg mehr und nun, Kinder, ihr wisst doch, Kernzone.“.
Da warens nur noch zwei.
Und dann gibt mal einen passenden Felssturz, der die Hickelschlüchte „für den Wanderer zu gefährlich“ macht.
Da warens nur noch einer.
Und in der Richterschlüchte, könnte dann mal ein „Birkhuhn-Auswilderungsprojekt“ eine größere Ruhezone erforderlich machen.
Da war dann auch der letzte Wanderweg weg..
Und dann ist die gesamte Hintere Sächsische Schweiz ein riesengroßes Totalreservat. Alles Quatsch? Völlig übertrieben? Dann mal ins Polenztal gehen, da wurde „wegen Windbruch“ gerade der rechte Polenztalweg ausmarkiert und gesperrt. Wiedereröffnung: großes Fragezeichen. Ich hab da so ein mulmiges Gefühl: Irgendwie hatten die schon immer geplant, den Zschand dicht zumachen. Schon seit 1961, als da das Naturschutzgebiet aufgemacht wurde. Schon 1953, als der Wiedemann und der Hartsch ...

Nein – vielleicht auch nicht. So Gefühle sind oft falsch und können auch trügen. Niemand hat die Absicht, den Großen Zschand dauerhaft zu sperren. Selbstverständlich wird so eine wichtige Weglinie wie der Reitsteig so bald wie möglich wieder freigeschnitten. Und dann wird auch die Wegsperrung wieder aufgehoben. Gewiss doch. Ganz klarer Fall.

Also mal wieder zum Zeughaus wandern. Der Wald da ist übrigens ein Wald der anderen Art. Was man jetzt wieder für Felsen sehen kann.

Am Gasthaus steht „ab 3.11.2019 geschlossen.“ Was bissl merkwürdig ist, denn eigentlich schreiben die ja eher „ab Ostern 2020 sind wir wieder für Sie da“ dran. Na, wir wollen mal nicht unken. Das Zeughaus wird schon wieder aufmachen.

Gewiss doch. Solange es da noch ein paar Wanderer gibt.


15.01.2020: Lobpreisungen des Hinterlandes

Seltener Text entdeckt

Am 10.01.2020 habe ich in der Reihe „Heimatkunde“ in der Porschdorfer Einkehr aus dem Nevrlý-Manuskript vorgelesen. Und ich wurde ermutigt, da auf jeden Fall weiter zu machen. Aber wie? Vor allem müsste ich natürlich mal Miroslav Nevrlý Bescheid sagen, das ich seinen Text besitze, lese und benutze.

Bevor man da aber irgendwie losmacht, heißt es erstmal, die Sachen gut aufheben.

Das Manuskript

Das Manuskript habe ich im Herbst 2019 von Jürgen Böttger aus dem Nachlass seines Bruders Matthias erhalten, der vor einigen Jahren im Kaukasus tödlich abgestützt ist.

http://www.boehmwanderkarten.de/archiv/nevrly/1998_lobpreisungen_des_hinterlandes_miroslav_nevrly.pdf

Der Vortrag

Der Vortrag zeigt nur Bilder, oben mit Nummern, die genau den dazu passenden Absatz in dem Manuskript referieren.

http://www.boehmwanderkarten.de/archiv/nevrly/2020_heimatkunde_10012020_balzhuette_nevrly.ppt

Es ist alles noch nicht erschlossen, die Absatznummern fehlen in dem Manuskript. Wenn man aber erst einmal den Text gut kennt, wird man schnell die richtigen Absätze erkennen können.


 

2019

29.12.2019: Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz genau ermittelt

Mittelpunkt
      der Sächsischen Schweiz

Eine Mailanfrage von Jan Sebastian hat mir keine Ruhe gelassen: Wo ist der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz? Mittelpunkte gibt es massenhaft: Von Europa, von Deutschland, von Sachsen. Blos bei der Sächsischen Schweiz haperts da noch ein bisschen. Grob hatte ich da zwar schonmal was ermittelt. Dort ist auch ein kleines Kreuz auf meiner Karte „Bad Schandau und Umgebung 1:10000“. Aber so richtig sicher ist dieser Mittelpunkt nicht. Das musste ich einmal ganz genau rauskriegen. Als ersten Schritt dazu hatte ich hier bereits eine Umrisslinie der Sächsichen Schweiz definiert. Da kann man einen Mittelpunkt berechnen, blos wie?

Gerald Schöbl und Thomas Steinbrecher haben mir ein wenig auf die Sprünge geholfen, wofür ich mich herzlich bedanke. Und nun gibt es eine neue Seite in meiner „Redaktionsakte“:

Wo liegt der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz? (Eine Webseite für alle, die schon einmal durch eine Matheprüfung gefallen sind.)


01.12.2019: Seltsame Stellenausschreibung der Nationalparkverwaltung

Referent „Digitale Besucherlenkung“ gesucht

Markus Ehrentraut hat sie entdeckt, bei Arndt Noack findet sie sich gesichert und auch die IG hat sie kommentiert: Die Stellenaussschreibung der Nationalparkverwaltung für einen Referenten für „Digitale Besucherlenkung“, die bis 04.12.2019 online war:

Link nach Ausschreibungsende nicht mehr erreichbar.

Zuerst dachte ich, es seien alles Druckfehler. Zu den avisierten Aufgaben gehören u. a.

  • Erstellung einer Konzeption und deren Umsetzung zur Sicherstellung von Nationalparkkonformität von Angeboten Dritter in sozialen Medien und Online-Kartendiensten
  • Aufbau eines bundesweiten Netzwerkes mit anderen Nationalen Naturlandschaften zur besseren Durchsetzung der gesetzlichen Regelungen in Großschutzgebieten gegenüber Online-Kartendiensten.
  • Recherche und Veröffentlichung über illegales Verhalten im Nationalpark in den sozialen Medien und Online-Kartendiensten und Einwirken auf die Autoren bis hin zum Einleiten rechtlicher Schritte“. (Hervorhebungen R. B.)

Seltsam. In sozialen Medien ist „Nationalparkkonformität“ herzustellen? Ich kann doch auf meiner Webseite schreiben, was ich will?

Ich frage mich entsetzt: Was sollen das für gesetzliche Regelungen sein, gegen die der Kartograph oder Mapper verstößt, wenn er in der Natur vorhandene Wege in der Karte wahrheitsgetreu wiedergibt? Gibt es jetzt schon eine gesetzliche Pflicht zur Selbstzensur?

Eine „Veröffentlichung über illegales Verhalten“ soll „rechtliche Schritte“ nach sich ziehen? Ebenfalls seltsam. Warum gibt es überhaupt dieses vermeintlich „illegale Verhalten“? Gewiss nicht, weil Wanderer geradezu artypische/notorische „Rechtsbrecher“ sind. Sondern weil die Regelungen oft überhaupt nicht nachvollziehbar sind.

Handlungsbedarf ist durchaus erkennbar. Aber nicht in die Richtung, dass Wanderern, Webautoren und Mappern ein permanenter Hang zum Kriminellen unterstellt wird, dem nun sogar mit einer „Personalstelle Online-Zensur“ im Internet zu begegnen wäre. Statt den Menschen in der Natur immer nur als „zu lenkenden Störer“ aufzufassen, kann überlegt werden, ihn mit der Natur zu versöhnen und ihm die Natur näher zu bringen.

Alles ist Teil der Natur, wir Menschen, und der Borkenkäfer auch. Mag ja sein, dass wir Menschen es sind, die mit CO2 gerade unsere Mutter Erde kaputt machen. Weil wir viel fahren und fliegen und Milch aus Hannover schon als „regional“ gilt. Also am Lebensstil was ändern. Den Thorwald jedenfalls hat gerade nicht der Mensch, sondern der Borkenkäfer kaputt gemacht. Und wenn wir nun dort nochmal wandern gehen, schadet das den 10000 toten Fichten nun auch nichts mehr. So könnte zum Beispiel das unsinnige strenge Wegegebot in der Kernzone in ein allgemeines Wegegebot umgewandelt werden. Damit würden die Webseiten ganz von alleine nationalparkkonformer. Man müsste diesen Online-Kartendiensten nicht länger die Wege wegzensieren. Und auch das sog. „illegale Verhalten“ würde rasch implodieren.


23.11.2019: Wo ist eigentlich die Grenze der Sächsischen Schweiz?

Braucht man, um den Mittelpunkt rauszukriegen

grenze der Sächsischen Schweiz

Jan Sebastian hat bei mir per Mail angefragt, wo denn der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz sei. (Grob hatte ich das schonmal ermittelt, aber das zählt hier nicht.) Wenn man das ordentlich machen will, muss man den Schwerpunkt der Fläche suchen. Aber dazu braucht man erst einmal eine Fläche, d. h. eine Umrisslinie der Sächsischen Schweiz. Möglichst auf vielleicht ±50 Meter genau, denn man will ja einen ordentlich genauen Mittelpunkt. Darüber hat sich noch nie jemand Gedanken gemacht. Das hat mir keine Ruhe gelassen, bis ich es rausgekriegt habe ...

Um keine falschen Hoffnungen zu wecken, Herr Sebastian: Das ist nur die Umrisslinie und noch nicht der Mittelpunkt. Am Schwerpunkt bin ich dran ...


12.11.2019: Wegearchäologie

Jahrhundertealte Wegspuren im Zittauer Gebirge

Altwegespuren an der Galbler Straße

Wege sind nicht wegzukriegen. Längst untergegangene Wege, von denen heute nur ganz minimale, kaum wahrnehmbare Bodenwellen übrig sind, können mit Hilfe von Höhenmodellen wiederentdeckt werden. Das ist schon ein bischen verrückt. Auf einer soeben fertiggestellten Themenseite stelle ich Spuren uralter Handelswege im Zittauer Gebirge vor.

Müsste mal eigentlich auch gleich mal mit der Kernzone im Nationalpark Harz machen.

18.11.2019: Weitere Bilder, Olbersdorf, Zittau Süd, Bertsdorf u. a. erstellt und hochgeladen


06.11.2019: Wo liegt eigentlich der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz?

Albtraut, Elbgunde und Kirnitzschwella

Ein Beitrag zur Zentralogie, der Wissenschaft von den Mittelpunkten

Ich habe eine Mailanfrage erhalten, wo denn der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz sei. Ganz ganz schwere Frage. Mittelpunkte rauskriegen ist eine hochkomplizierte Wissenschaft. Es gibt Unmassen von Methoden und infolgedessen Unmassen rivalisierende Dörfer, von denen jedes behauptet, der wirkliche Mittelpunktsort von Sachsen, Deutschland oder Europa zu sein. (Einzig der Erdmittelpunkt scheint einigermaßen exakt bekannt zu sein, blos wer will da schon eine Kneipe aufmachen?) Nützt aber, was die Sächsische Schweiz anbelangt, alles nichts. Hier hilft keine der bekannten Methoden weiter. Böhmische Schweiz mit rein oder nicht? Granitrand mit Wachberg oder Hohburkersdorfer Rundblick mit rein oder nicht? Und wo endet eigentlich die Sächsische Schweiz und wo beginnt das Erzgebirge?

Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz

Wer meinen Titel „Bad Schandau 1:10000“ ganz aufmerksam betrachtet, wird ein zartes hellblaues Kreuz in der Elbe am Bahnhof Bad Schandau entdecken können. Das ist kein Druckfehler, sondern der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz. Hatte ich seinerzeit bei der Kartenbearbeitung bestimmt, aber nie publiziert. Wird also Zeit.

Als ich die Karte gezeichnet habe, bin ich auf eine andere Methode gekommen. Einfach ganz viele Berge, Aussichten, Sehenswürdigkeiten, Gasthäuser usw. nehmen und von deren Positionen gemittelt den Mittelpunkt bilden. Es ist gar nicht so wichtig was, Hauptsache viele und „typisch Sächsische Schweiz“. Also etwa Bastei, Obere Schleuse, Zschirnsteine, Brand, Zeughaus, Lichtenhainer Wasserfall, Richtergrotte, Katzstein, Barbarine, Uttewalder Felsentor usw. Der Clou ist nun: Unabhängig, wie die konkrete Objektauswahl eigentlich erfolgt, ist das Verfahren mathematisch erstaunlich stabil. Ich hatte 100 Objekte erfasst, und von diesen in „zufälligen“ Gruppen je 50 ein- und ausgeschaltet. Egal wie die Auswahl war: Alle so ermittelten Mittelpunkte lagen (bis auf einige Ausreißer) in einer Wolke von vielleicht 1 Kilometer Durchmesser. Etwa im Bereich Bahnhof Bad Schandau, Elbbrücke, Wendischfähre. Was ja auch irgendwie mit unserer Intuition übereinstimmt. Dort habe ich dann das Kreuz eingezeichnet, mitten in der Elbe.

Also beim Übersetzen mit der Bahnhofsfähre mal darauf achten: Wenn da eine große Welle kommt und die Fähre gefährlich wankt und schlingert, so kann dies am Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz liegen.

Nicht so spektakulär, als wenn da ein Bloßstock stünde? Wer weiß, vielleicht ist der Mittelpunkt der Sächsischen Schweiz eine Goldkugel mit exakt einem Meter Durchmesser, die von den Schwestern von Richard Wagners Rheintöchtern bewacht wird? Albtraut, Elbgunde und Kirnitzschwella. Tief unten in der Elbe.


29.10.2019: Im November

BK heißt Borkenkäfer

BK

Den Borkenkäfer kann man sehr schön dazu benutzen, um Vorurteile durch eine nachgelagerte Beweisaufnahme abzusichern. Haben wir es nicht schon immer gesagt, Nationalpark und Grünifizierung, alles Mist, die haben über Jahrzehnte den Wald verschlampen lassen. Das musste ja mal so kommen. Oder andersrum, Kohle verfeuern, fossile Brennstoffe, Autofahren, SUV, ganz schlimm. Und da haben die immer nur die Fichten geplanzt, die das überhaupt nicht abkönnen. Klarer Fall.

Die alte Gäa schüttelt dazu weise ihr Haupt und lockt uns auch im November wieder hinaus. Auf dass wir in den Wald gehen und auf gewisse Zeichen achten, die wir zuvor für unwesentlich hielten. Grüne Nadeln am Waldboden, Stämme ohne Rinde und eben so rumstehende braune Bäume. Wenn da BK dran steht, weiß der Harvestermaschinist bescheid, dort rein. Die alte Gäa wundert sich, wie diese kleinen Menschlein sich wieder einmal verrückt machen. Wenn die Fichten weg sind, kommt Licht in den Wald und es wird wieder wachsen und dann kommt ein neuer Wald. Bald, in vielleicht 100 Jahren, aber was sind schon 100 Jahre? — So können wir uns unsere Gedanken machen, im November.

Ich werde wieder einmal zu meinem Lieblingsbaum gehen und ihn fotografieren. Es ist eine kleine Fichte. Alle paar Jahre schaue ich nach, wie sie wächst.


07.10.2019: Neue Böhm-Wanderkarte

Balzhuette 1:10000

Ich habe wieder einmal fleißig gezeichnet und nun gibt es einen neuen Böhmwanderkartentitel: Balzhütte 1:10000. Der Titel setzt meinen Titel Khaatal 1:10000 im Süden fort, beide Karten zeigen eine der schönsten Gegenden der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, mit allen kleinen Pfaden, Wegen und Gipfeln. Ganz weit hinten liegt dieses Land aus deutscher Sicht und auch auf tschechisch heißt diese wunderbar romantische und einsame Landschaft Zadní zěme – Hinteres Land.

Die Karte ist ab sofort im Buchhandel für 6,80 € erhältlich, ISBN 978-3-910181-21-2.

Also nicht wie los, mal wieder raus in die Natur.

Hier gibt es schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Karte:

Achtung, Karte verschwindet bald wieder

Aber nicht nur runterladen, sondern auch kaufen – eine ordentlich örtlich recherchierte und von Hand gezeichnete Karte auf Papier ist nach wie vor das Solideste. Außerdem sollen die 1200 Zeichenstunden natürlich auch mich ein bisschen ernähren und nicht nur die Toner- und Smartphone-Hersteller. (An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für Ihr Interesse an meiner Khaatal-Karte: Hier habe ich bereits die zweite Auflage drucken lassen.)


15.08.2019: www.boehmwanderkarten.de responsiviert

Wer so ein Computerfritze ist und ganz genau hinguckt: die www.boehmwanderkarten.de können jetzt auch „Smartphone“. Nicht wundern, wenn hier und da was noch nicht klappt, das wird nach und nach. (um Beispiel muss ich noch rauskriegen, wie man es macht, dass die Navigation „auf Desktop“ gleich ausklappt und „auf Smartphone“ nicht. Also, um Impressum/Datenschutzerklärung zu erreichen, muss man erst die Navigation ausklappen – dann ist der Link da.)


05.08.2019: Auf, auf zum fröhlichen Jagen!

Nationalparkverwaltung geht gemeinsam mit der Polizei auf Menschenjagd

Die Reportage von Dirk Schulze „Boofer-Kontrolle aus der Luft“, Sächsische Zeitung vom 05.08.2019 ist der Knaller der Woche: „Helikopter Passat 3 schwebt mehr als 600 Meter hoch über dem Elbsandstein. Die Boofer nehmen ihn nur als dumpfes Brummen wahr. Die Wärmebildkamera hat sie lange im Visier.“ Keine Chance, schon sind sie entdeckt: „Der Helikopter meldet sich per Funk ,Hoher Torstein, eine Person, Zwei weitere in der Boofe dahinter.' J. P. von der Nationalparkverwaltung schickt vom Einsatzwagen aus eine Streife auf den Weg. “ Zugriff. Schnell sind die verbrecherischen Subjekte dingfest gemacht. Was mögen das für Typen sein? „Waldbesucher aus Gießen, Eckernförde, Berlin und den Niederlanden.“ Kaum zu glauben. Waldbesucher. Nachts. Gehen die einfach in den Wald. Wo das doch verboten ist. Bergsteiger waren das jedenfalls nicht. Touristen. Jugendliche. Vielleicht schon Freitag rausgemacht. Schlimm, schlimm.

Letzte Woche haben die sich sogar am Zeughaus von einem Pizzaservice beliefern lassen. Wollten vielleicht was Warmes zum Abendbrot, haben extra wegen der Waldbrandgefahr kein Feuer gemacht. Pustekuchen, nix da, auch die wurden selbstverständlich geschnappt.

Polizei – viel zu harmlos. Da machen die sich doch nichts draus. Bei sowas müssen Fachleute ran:

Jagdpanzer Leopard 2 A5
Zu Gast in einer Geschütz-ten Landschaft

Ordentliche Technik, die schon so heißt: Jagdpanzer. Damit kommst du auch bis zur letzten Boofe durch. Sonst gehen doch immer wieder welche durch die Lappen von diesem Kroppzeugs.

Nicht groß nachdenken wollen wir an dieser Stelle über ...

  • Der Wanderfalke kann das ab. Für ein paar weggefangene Boofer toleriert der gern mal nachts einen Hubschrauber über seinem Nest.
  • Tieffliegende Sportflugzeuge und Drohnen sind im Nationalpark nunmal nicht wegzukriegen. Da kommt es auf einen Hubschrauber mehr oder weniger auch nicht an.
  • Ganz klare Ansage: Null Toleranz gegenüber Menschen im Wald. Rechtsstaat, klare Kante. Das muss es dem Steuerzahler wert sein. Koste es, was es wolle.
  • Wir müssen die Menschen noch viel intensiver aus der Natur rausjagen. Solange, bis auch der letzte kapiert hat, was Natur ist.
  • Und überhaupt, Touristen haben in einem Nationalpark sowieso nicht viel verloren. Am Wochenende nicht und im Sommer auch nicht. Nachts nicht und auf kleinen Pfaden nicht. Raus damit. Bastei, zur Not. Aber selbst dort haben die ja schon vorn die Aussicht kaputt gemacht, dass sie jetzt baufällig ist. Schlimm, schlimm.
  • Die einzigen, die hier wissen, was Natur ist, sind Nationalparkverwaltung und Polizei. Dass das klar ist. Bei den sog. „Bergsteigern“ könnte man evtl. darüber nachdenken, ob man die „bei den Guten mitmachen lässt“. Wenn, dann aber nur mit Bergsteigerausweis und den kriegt nur, wer sich verpflicht, in so einer Art Boofenfänger-Hilfstruppe mit auf Streife zu gehen.
  • Auch darüber, ob so ein Einsatz verhältnismäßig und angemessen ist – keine Gedanken. Eine Menschenverfolgung mit Hubschrauber und Infrarotkamera ist genau die in einem Rechtsstaat selbstverständliche polizeiliche Ermittlungsmethode bei Wald­sperr-Allgemein­verfügungen in Wandergebieten. Polizeischule, 1. Semester. Was sonst erwartet denn der Staatsbürger in seiner Freizeit auf der Suche nach Naturnähe und Einkehr? Für eine solche Art Bespaßung zahlt er ja schließlich Steuern.

Vielleicht aber ist das alles auch ganz anders? Der wahre Abenteurer in diesem Räuber-und-Schampampel-Spiel ist hier gar nicht der Boofende? Sondern die aus Polizei und Nationalparkmitarbeitern rekrutierte Menschenfängertruppe? Die vermeintliche „Wald­sperr­über­wachung wegen Wald­brand­gefahr“ haben die sich nur ausgedacht, um in Wirklichkeit mal eine kleine luftgestützte Drückjagd veranstalten zu können. Die „blöden Touristen“ gelten ja schon immer als bissl bekloppt. Sowas – seien wir doch ehrlich – macht ja auch bissl Gautz. Mal was anderes. Ein kleiner Rundflug zur Auflockerung und Wochenendzuschlag gibt es auch noch.

Auf auf, zum fröhlichen Jagen.

Darauf ein Hallali und ein Waidmannsheil!


15.05.2019: Eisenbahn-Fahrtag auf dem Bahnhof Lohsdorf

„Kleines Bahnhofsfest“ am 01.06.2019

Großbild unter dem Bild

Am Sonnabend, dem 1. Juni ist Kindertag, auf nach Lohsdorf, Zug fahren: Einmal Lohsdorf nach Lohsdorf-Nord und zurück. Der Hohnsteiner Kasper fährt übrigens auch mit. Und bald soll es sogar ein Stück weiter gehen.

Und schonmal vormerken: Am 31.08. und 01.09. ist wieder großes Bahnhofsfest. Da wird wieder eine Dampflok fahren.


01.05.2019: Der Thorwald ist tot

Borkenkäfer

In den letzten Wochen war ich insbesondere rechts und links der Thorwalder Wände draußen. Das ist ein Naturerlebnis der anderen Art: Quadratkilometerweise ist der Wald völlig tot. Tot heiß tot, also, es stehen nur noch nadellose Fichten rum, unten liegen die Nadeln und es wächst zunächst – nichts.


01.04.2019: Parken im im Kirnitzschtal ...

Wird wieder alles zugeparkt sein?

Im Vorfeld der Osterfeiertage heißt es wieder einmal: Bestimmt ist alles wieder total zugeparkt und nichtmal Rettungsfahrzeuge kommen durch. Schlimm, schlimm, die Wanderer, die machen alles kaputt. Aus dem Tourismusverband verlautet schon: „Intelligente Verkehrskonzepte“. Individuellen Pkw-Verkehr weit im Vorfeld („Auffangparkplatz Leupoldishain“) abfangen. Wird am Ende irgendwann das Kirnitzschtal für Pkw-Verkehr ganz gesperrt werden? – Nee, die sollen erst einmal ein paar Parkplätze bauen. Ich werde mal rausfahren und mir die mir die Sachse mal ansehen.

Nachtrag: Als ich draußen war, habe ich mich gegenüber der Buschmühle hingestellt. Als ich wieder kam: 15,00 € Bußgeld/Ordnungsamt Sebnitz. Na hallo, parken darf man doch dort, oder etwa nicht? — Gewiss doch, aber nur richtigrum. Ich war bergwärts gefahren und hatte mein Auto links hingestellt. Das war Pech für die Kuh Else. Alle anderen Autos hatten ordentlich geparkt, da hatte keiner einen Bußgeldzettel dran.

Das habe ich nun davon.


20.03.2019: Felssturz Poblätzschwände

30 von 360.000.000.000 Kubikmetern weg oder: Ein Fotoduell der besonderen Art

Der Elbsandstein ist ungefähr 30 Kilometer lang, 20 Kilometer breit und 600 Meter dick. Das ergibt nach Adam Ries ein Sandstein-Gesamtvolumen von 360 Kubikkilometern oder 360.000.000.000 m³. Das Ganze wird nun schon seit 90 Millonen Jahren weg-erodiert und wenn man die Hälfte von diesen 360.000.000.000 m³, also 180.000.000.000 m³ durch die 90 Millionen Jahre seit der Gebirgsentstehung dividiert, kommt man auf 2.000 m³ pro Jahr. Die anderen 180.000.000.000 m³ überlassen wir der Zukunft. So geht das nun also Jahr für Jahr, Jahrtausend für Jahrtausend, 180 Millionen Jahre lang. Die Hälfte der Zeit ist rum. Und nochmal 90 Millionen Jahre, dann ist alles wieder Nordseesand. Soweit die Theorie.

Nun zur Praxis: 30 von diesen 2.000 m³ pro Jahr haben es gerade wieder einmal geschafft:

Bild: Ute Anklam, Cottbus Bild: Ute Anklam, Cottbus

Bild von Anfang März 2019. Also Felsturz März/Februar?

Das ist aber noch nicht alles. Am 11.03.2018 hat der Fotograf Sven Lehmann den Felsen porträtiert. Also etwa zum „minus ersten Geburtstag“ des Felssturzes? Im März 2018 hat das dort so ausgesehen:

Bild: Sven Lehmann Bild: Sven Lehmann, Sörnewitz

Fast identischer Aufnahmestandort. Die große Kiefer links ist verschwunden. Der schiefe Baum oben auf dem Gipfel auch, samt Heidekraut. Einzig die mittelhohe Kiefer halbrechts vor der Wand hat Glück gehabt.

Also dann mal los und die kaputte Natur wieder heile machen. Baufirma, Einrüsten, ordentlich mit bissl Eisen rein, Einschalen und dann – fotorealistische Nachmodellierung mit Beton. Sand ist ja nun vor Ort ausreichend vorhanden, da reicht es vielleicht aus, wenn man den Zement hochschafft. Zum Schluss paar kleine Birken aus dem Gartencenter davorpflanzen.

Karte zum Hinwandern:

Karte

Bissl versteckt, Nähe Klettergipfel Lange Wand. Wanderkarte Schrammsteine-Affensteine 1:10000. Kernzone, aber paar Klettergipfelzugänge gehen da hin.

Geologisch-philosophische Nachbemerkung:

Aber sind nicht Felsstürze nur ganz seltene Ereignisse, und die eigentliche Massenabtragung erfolgt irgendwie anders, durch Verwitterung zu Sand oder Kies? Der Geologe Rainer Reichstein dazu „Nee, nee, das sind alles Felsstürze. Wenn das Gebirge zu Sand oder Kieshaufen weg-erodiert werden würde, würden da Berge oder Hügel liegenbleiben und dann hätten wir im Ergebnis ein typisches Berg-Mittelgebirge oder Hügelland. Der Felssturz ist das typisch formgebende Abtragungsereignis in einem Felsgebirge. Allein er sorgt dafür, dass Felswände stehen bleiben, weil hinter der runtergefallenen Felswand immer wieder eine Felswand neu entsteht.“ Leuchtet ein.

Ich bedanke mich herzlich bei Ute Anklam und Sven Lehmann für die Hinweise und die schönen Bilder.

Nachtrag 24.03.2019:

Karte Bild: Ute Anklam, Cottbus

Da ist sie, die große Kiefer links.

Am 25.03.2019 erhalte ich eine Mitteilung von Michael Kretzschmar, Frankenberg mit einem datierten Bild, wofür ich mich herzlich bedanke: –

Karte Bild: Michael Kretzschmar, Frankenberg, 08.12.2018

Der Absturz muss also bereits vor dem 08.12.2018 passiert sein.

Am 27.03.2019 erscheint ein Artikel von Dirk Schulze in der Sächsischen Zeitung Pirna: „Plötzlich war der Sandstein weg“. Die Nationalparkverwaltung hat den Felssturz am 02.01.2019 bemerkt. Daraufhin erhalte ich am 28.03.2019 eine zweite Mail von Sven Lehmann. Er war er am 25.11.2018 vor Ort – da war der Fels noch nicht gefallen. Damit können wir den Felssturz nun auf einen recht engen Zeitraum zwischen dem 25.11. und dem 08.12.2018 datieren.


05.03.2019: Dr. med. path. Rolf Böhms Wanderwegeklinik

Neues aus der Wanderwegemedizin. Vortrag am Sonnabend, dem 09.03.2019 in der Schmilkeschen Mühle

Kerngesunder Wanderweg

Nicht nur wir Menschen laufen Gefahr krank zu werden, auch unsere Wanderwege können Krankheiten ausprägen, sich infizieren, krank werden, denn auch Wege sind Lebewesen. Dann ist der Rat des Wegemediziners gefragt, der ihre Symptome zu interpretieren versteht, in der Lage ist, Diagnosen zu stellen und Therapien auszuarbeiten. Damit ist meist eine Heilung der Wege möglich. Der beste Weg, Wege gesund zu erhalten, besteht darin, sie oft und gründlich zu bewandern. Denn das stärkt ihr Immunsystem.

Am Sonnabend dem 09.03.2019 stelle ich neueste Erkenntisse auf dem Gebiet der Wegemedizin in der Schmilkeschen Mühle vor. Eintritt 10,00 €, Beginn 20:30 Uhr.

12.03.2019 —
nach den Vortrag ist vor dem Vortrag. Hier ein kleines Andenken, das ich mitgenommen habe:
Schmilksche Mühle
Ich war richtig bissl gerührt.


05.03.2019: „Natürlich ist es hart, zu sagen, wir müssen ländliche Räume aufgeben“

Hoppla – Lügenpresse?

Studientitelseite. Quelle: IWH Halle

Eigentlich ist die Sächsische Zeitung ja ein seriöses Blatt. Heute, am 5. März hat sie uns Land-Kommunalpolitiker der Sächsischen Schweiz aber in Angst und Schrecken versetzt – mit folgender Überschrift ihrer „Wirtschaftsseite“, S. 19:

Sollen die Ländlichen Räume im Osten aufgegeben werden? Untertitel: Ökonomen sehen nur eine Chance, die Ost-West-Unterschiede irgendwann auszugleichen ... und das wären: „Das Bestehen auf gleichwertigen Lebensverhältnissen in Deutschland hat in die Irre geführt, ist unrealistisch und falsch.“ Weiter: „Natürlich ist es hart, zu sagen, wir müssen ländliche Räume aufgeben.“ Usw. usf.

Quellenangabe zwar Fehlanzeige, aber klar, leicht ergoogelbar, Link zur Studie hier.

Gleich reingeguckt. Volltextsuche in dem PDF nach „aufgeben“, „aufgegeben“ und „aufzugeben“: Komplett Fehlanzeige. Null Treffer. Da wird also doch nichts „aufgegeben“?. Dann mir den Text in Prosa vorgenommen. Im Prinzip ist es eine eher langweilige Studie. Viel Text zur Rolle der Bedeutung. Es gibt Ost-West-Produktivitätsunterschiede, das habe ich bisher noch nicht gewusst. Der „ländliche Raum“ erscheint etwa viermal in einer Randnotiz. Auf Seite 14 ein einsames Bild von einem einsamen Buswartehäuschen in der Prärie, was wohl typisch für den „ländlichen Raum“ sein soll. Auf den S. 24/25 dann nochmal etwa 11 Zeilen mit dem Vorschlag, „bei Infrastrukturinvestitionen die künftige Bevölkerungsstruktur antizipieren“. Antizipieren wir also mal los.

Also doch kein „Aufgeben des ländlichen Raumes?“ Was mag hier passiert sein? Mal nicht zu schnell die Sächsische Zeitung „Lügenpresse“ nennen. Vielleicht haben die bei dem Wirtschaftsinstitut nicht so richtig den Kick raus, wie man mit wissenschaftlichen Erkenntnissen interessante Studien macht. Aber Pressekonferenz bringt man, und da mag eine Einladung bei der Sächsischen Zeitung reingekommen sein. Die haben dann den armen Reporter Peter Heimann da hingeschickt. Der fand die Studie möglicherweise auch langweilig. Aber dann (denn die Zitate von oben sind ja sicher echt) hat der Prof. Gropp im mündlichen Vortrag versucht, da wenigstens ein bissl Würze reinzugeben und sich mit dem „Aufgeben des ländlichen Raumes“ in Fahrt geredet. Peter Heimann hat alles mitgeschrieben und hatte damit seinen Knaller. Voll Zeitungsprofi eben.

Könnte so gelaufen sein. Wollen mal nicht hoffen, das das Ganze eine Inszenierung des AfD-Wahlkampfteams war (wenn, dann ist das voll gelungen).

Dazu klare Ansage von Stadtrat Böhm von der CDU-Liste: Wir machen hier den ländlichen Raum überhaupt nicht zu. Wäre ja auch schade um die schöne Landschaft. In unserem schönen Elbsandstein können sich zum Beispiel Hallenser Wirtschaftsprofessoren ganz prima erholen, wenn sie in ihren urbanen Räumen vom täglichen Studienstress so abgeäppelt sind, dass ihnen nichts mehr einfällt.

Kinder, nehmt euch da doch mal ein Beispiel an dem Hallenser Stiegenbuchautor Axel Mothes. Der macht den ländlichen Raum interessant. Gibts in Halle in der Buchhandlung „Auf und Davon“ bei Steffen Körner in der Großen Ullrichstraße zu kaufen.

Werte schaffen, nicht immer nur sinnlos Steuergelder verprassen, ihr Institute. Denn klar, wenn die uns mit ihren Durchhalteparolen zur „Wertschöpfung“ aufrufen, dann zuerst, damit wir ihnen mit unseren Steuern ihre „Drittmittel“ erwirtschaften. Forschungen in Instituten sind okay, wenns was bringt. „Ländlichen Raum aufgeben“ bringt – bestenfalls Wölfe.

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30.01.2019: Es ist Winter im Elbsandstein ...

und zur Zeit ein schönes Sonnenwetter mit etwas unter Null rumliegendem Schnee ...

Iglu aus dem Jahr 2014. Noch eine Woche Frost und ich baue wieder eins.   Nichts wie raus.


10.01.2019: Auf dem Jakobsweg von Görlitz nach Santiago de Compostela

Vortrag am 25.01.2019 in Bad Schandau

Es muss nicht immer Hape Kerkeling sein.

Pilgerweg

Vor 8 Jahren sind meine Frau und ich auf das Pilgern gekommen. 2011 haben wir in Görlitz begonnen, Europa zu Fuß (ein gut Stück auch mit dem Fahrrad) zu durchqueren. Jedes Jahr in unserem Urlaub ging es ein Stück weiter in Richtung Santiago de Compostela. Letztes Jahr haben wir es dann geschafft und in Santiago angekommen. Wieviel Kilometer das sind, berechnet jeder Routenplaner etwas anders, etwa 3300, 3230 oder 3101. Nun stellen wir unsere Pilgerfahrt in einem Vortrag vor: „Auf dem Jakobsweg von Görlitz nach Santiago de Compostela“ —

Freitag, 25. Januar 2019, Ort: Luthersaal der ev.-luth. Kirchgemeinde Bad Schandau. Beginn 19:30 Uhr.

Der Vortrag findet im Rahmen der „Brückenabende“ unserer Kirchgemeinde statt. Wir freuen uns auf viele Zuhörer. Wie bei der Kirche oft üblich, gilt: Eintritt frei, Kollekte erbeten.

Wer sich ein bisschen intensiver für das Pilgerhandwerk interessiert: Hier gibt es ein kleines kompaktes Handout mit unseren praktischen Erfahrungen. Man könnte natürlich auch „Pilgern“ googeln – aber wer liest sich schon gern das ganze Internet durch, blos, weil er mal ein bisschen Pilgern möchte. Das ist je gerade das Schöne am Pilgern, dass man da mal den Kopf frei kriegt, von diesem ewigen andauernden Gegoogle.


 

2018

15.12.2018: Zum Jahresausklang

Sacki Talk 21

Jahresrückblick. Im Frühjahr wurde der Trekkingpfad Forststeig Elbsandstein eröffnet. Im Sommer hatten wir die große Trockenheit und weil da einige Leute ihre Feuer nicht wieder ausgekriegt haben, hatten wir die schlimmen Waldbrände. Im Herbst war der Borkenkäfer im Thorwald das Top-Thema. Naturschutz, da sind wir mittendrin und machen uns unsere Gedanken. Die tradierte Meinung ist, dass wir, wenn wir im Wald sind, die Natur kaputt machen und dass die Natur deshalb vor uns geschützt werden muss.

Dazu passend Kais Sackmanns Sacki Talk 21:

Logo Sacki Talk 21

„Ich glaube, dass man im Naturschutz einen riesengroßen Fehler macht, indem man den Menschen durch unzählige Verbote von der Natur entfremdet.“ Oder: „Es sollte bei uns kein Bußgeld für das Betreten eines Naturbereiches geben.“ Auf den hypothethischen Einwand „... aber man kann doch den Leuten nicht außerhalb von Schutzgebieten erlauben, ein kleines Feuerchen anzuzünden, die können doch gar nicht vernünftig damit umgehen“ Sackmanns klare Erwiderung: „Ja woher denn auch? Es gibt doch keine Stelle, wo sie so etwas noch lernen könnten. Das könnte übrigens auch mal moderner Naturschutz sein, Naturschutz-Workshops, wo man den Leuten beibringt, wie man richtig Feuer macht.“Sackmanns klare Empfehlung: Ein Jedermannsrecht in Deutschland einzuführen. — Sackmanns Fazit: „Hört auf, einen Naturschutz aus Heuchelei und Überregulierung zu betreiben“Sackmanns Schlusssatz: „Das musste einfach mal raus“.

Einwandfrei Herr Sackmann. Sacki Talk 21. "https://www.youtube.com/watch?v=a9LGllyVzZM" (leider gelöscht)

Kai Sackmann stammt übrigens aus dem Harz, meinem Lieblings-Wandermittelgebirge. Wie wir wissen, ist es dort mit dem Rausschützen besonders schlimm. Aber auch im Schwarzwald werden recht heuchlerisch kräftig Wege gesperrt. Dazu passend auch eine Umfrage vom Bundesamt für Naturschutz. Hier wurden den Leuten ihre Antworten so im Mund umgedreht, dass es scheint, als ob sie selbst gern „aus der Natur rausgeschützt“ werden wollten. Was überhaupt nicht stimmt, denn so haben die Leute die Fragen nämlich überhaupt nicht beantwortet.

Sackmann bringt es auf den Punkt: Das ist alles a) heuchlerisch und b) Naturschutz von gestern. Wie Naturschutz von morgen aussehen kann, das zeigt der Forstbezirk Neustadt mit dem Forststeig Elbsandstein. Jedermannsrecht in Deutschland? Einwandfrei – und dazu gleich noch 500 neue Trekkinghütten.

Ich bedanke mich herzlich bei Bastian Baier für den Hinweis auf Sacki Talk 21.

(Einen einzigen Einwand gibt es: Sächsische Schweiz bei Sacki geklickt und was kommt da? Häntzschelstiege. Nee. — Schönen Gruß, Sacki, die Häntzschelstiege ist sowas von Mainstream, kauf dir mal paar Mothes-Bücher.)


01.11.2018: Winterwanderkarte Sächsische Schweiz

Neuerscheinung

Rolf Böhm

Im Winter kann man im Elbsandstein genau so gut wandern, wie im Sommer. Das wissen zwar viele Insider, allgemein wird es aber eher ausgeblendet. Einsame Wege, tiefe Sonnenstände, Laubwälder, durch die man weit hindurchblicken kann. Bei Schnee kann es wunderbar sein, eine erste Spur in der einsamen Landschaft zu treten. Winter in der Sächsischen Schweiz geht aber auch ohne Schnee.

In Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V. habe ich eine Winterwanderkarte Sächsische Schweiz herausgegeben. Grundlage ist die „Sommerwanderkarte“. Die Winterwanderkarte enthält 29 Winterwandervorschläge, die analog zu den drei Pistenfarben der Skigebiete in blau, rot und schwarz kategorisiert wurden. Zusätzlich wurden Winter-Erlebnisse, Winter-Wellnessangebote und natürlich – Winter-Einkehrmöglichkeiten verzeichnet. Signatur dafür: Glühweintopf statt Bierkrug. Der Maßstab der Karte ist 1 : 40 000.

Erhältlich ist der Titel zum Preis von 2,80 € im Buchhandel, in vielen Tourist-Infos der Sächsischen Schweiz und beim Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V.


15.10.2018: Böhm-Wanderkartenvortrag im Gasthaus Porschdorfer Einkehr am 16.11.2018

Heimatkunde bei Silvio Leuner

Rolf Böhm

Karten sind so etwas wie Wein. Zumindest möchte ich am 16.11.2016 einmal diesen Eindruck erwecken.

Hä, wieso denn das? – Karten sind durchaus auch, aber nicht in erster Linie Gebrauchsartikel. Karten als Gebrachsartikel zu benutzen, ist ungefähr so, wie Wein im Tetrapack gegen Durst zu trinken. Das kann man machen, das wird auch gemacht, schmeckt oft nicht schlecht und kostet auch nicht viel. Aber die Winzer haben es dann immer noch mit Scheurebe, Grauburgunder, Riesling, QbA und den Schwebteilchen.

Schwebteilchen gibt es in der Kartographie auch. Wenn man die Tusche zu sehr mit Leitungswasser verdünnt. Dazu haben wir Kartographen Reissfedern, Zeichenkarton und feine Pinsel. Vor 40 Jahren hatte ich meine Lehre beendet und war das erste Mal mit Kartographenaugen im Elbsandstein unterwegs gewesen. Da sind dann die Böhmwanderkarten draus geworden. Zeit also, einmal in den Kartenkeller zu gehen, und die alten Jahrgänge herauszusuchen. Zugleich werde ich ein paar Flaschen „aktuellen Federweiser“ von diesem Jahr mitbringen.

16.11.2018: 40 Jahhre Böhmwanderkarten und aktuelle Werke. Ort: Gasthaus Porschdorfer Einkehr Porschdorf, Beginn 19:30 Uhr, Eintritt 10,00 €. Empfehlung: Schon etwas eher da sein a) wegen Smalltalk, b) wegen den Plätze. Oder bei Silvio Leuner reservieren.


10.10.2018: Geschichte von Wanderkarten in der DDR von 1945 bis 1994

Dissertation Gerald Noack am 20.09.2018 verteidigt

DDR-Wanderkarten – alles von der Stasi verfälscht und verzerrt? Obwohl – ältere DDR-Wanderkarten waren doch gar nicht so schlecht, mitunter war da sogar noch ein vollständiges Wegenetz drauf, guck mal an.

         

Es ist paar Jahre her, genau der richtige Abstand, dass das mal gründlich aufgearbeitet wird. Das hat nun der Berliner Kartograf Gerald Noack in einer Dissertation getan, die am 20.09.2018 verteidigt worden ist: Die Entstehung und Herausgabe von touristischen Karten der DDR. Anders als Aufarbeitungsversuche von 2002, denen noch etwas die Distanz gefehlt hat, erfrischend ideologiefrei und mit der gebotenen Neutralität dargestellt, wissenschaftlich gründlich bearbeitet und ausgezeichnet recherchiert. Auch für mich sind ganz viele historische Details neu gewesen. Prädikat: Äußerst lesenswert.

Manch liebenswerte, möglicherweise spekulative Detail (das wird vom Autor stets auch so gekennzeichet) macht die Lektüre zusätzlich interessant. So soll der legendenumwobene Verlagsgründer Kurt Schaffmann 1953 wohl von keinem geringeren als von Innenminister Willy Stoph (möglicherweise seinem Freund von der Wehrmacht) vor der drohenden Enteignung gewarnt worden sein. Woraufhin Schaffmann mit einem Handwagen voller Reinzeichnungen nach Westberlin getürmt sein soll (S. 38). Neu für mich war auch (S. 55), dass Leonid Breschnew in seiner Ausbildung Unterricht in Vermessungstechnik erhalten hat. Das darf durchaus in Zusammenhang mit der große Karten-Geheimhaltungsmanie der Sowjetunion gesehen werden: Breschnew war also „ein Kollege“ und als solcher konnte er einschätzen, dass ein hochpräzises weltumspannendes Koordinatensystem für Kalte (und heiße) Kriege sehr gut zu gebrauchen ist: Erst bekamen wir die Interkontinentalraketen, heute ist es für jedermann selbstverständlich, dass waffentragende Drohnen per GPS geführt werden. Sowas konnte sich Leonid Breschnew natürlich nicht träumen lassen und so erscheint es aus heutiger Sicht als ein wenig hilflos, dass unmittelbar nach Breschnews Machtantritt 1963/64 der gesamte Ostblock zur Kartenverzerrung gezwungen wurde, wie Noack (S. 55) ausführt. Exemplarisch war eine „Ungenauigkeit bis zu ±3 km“ (S. 55) gefragt, was im Kontext Nuklearschläge einen nachvollziehbaren Wert darstellt. In Berlin wurde „der Befehl“ dann vom Nationalen Verteidigungsrat an die „Verwaltung Vermessungs- und Kartenwesen“ weitergegeben. Ab 1966 galten ordentliche Wanderkarten in der DDR dann als „tierisch verboten“.

Leonid Breschnew im Hotel Rossija in Sowjetsk (Tilsit), 2012 Leonid Breschnew im Hotel Rossija in Sowjetsk (Tilsit)

Wars also gar nicht die Stasi, kam vielmehr alles aus Moskau? Tja, welche Farbe hat Geschichte? Schwarz-weiß, oder eher grau, graugrün, gräulich gelb, etwas rötlich, dazu ein leichter Hauch blaugrau Herr Hoppenstädt? Der Kalte Krieg hat ja nicht nur Militärflugplätze und Panzermarschstraßen aus den Karten getilgt. Da sind auch allmählich die Wanderwege aus den Wanderkarten verschwunden. Die wird nicht der Breschnew (der noch heute so schön im Hotel Rossija in Tilsit lächelt) rausgekratzt haben. Die kniffligen Sachen rausredigieren, das haben wir Kartographen schon schön selber gemacht. Und da gab es immer schnell die Überlegung: „Könnte ja eventuell unerwünscht sein, blos keine Schwierigkeiten, könnte ja vielleicht Ärger geben.“ Ärger wollte man nicht.

Auch mein eigenes Leben haben Kontakte zum VEB Tourist-Verlag Berlin beeinflusst. Als dann Anfang 1988 („unter Gorbatschow“) die DDR-Zensurvorschrift „GeoKart-Sicherheitsanordnung“ wieder etwas entschärft worden ist (Noack, S. 84), haben wir Kartographen etwas durchgeatmet. Für mich war das ein Anlass, eine Konzeption für eine detaillierte kartographische Bearbeitung der Schrammsteine und Affensteine 1:10000 beim Tourist-Verlag einzureichen. Redaktionsleiter Claus-Peter Woite war total aufgeschlossen und hat für die Karten zwei Doppelseiten DIN A4 im „Wanderatlas Sächsische Schweiz“ reserviert. Ich habe eine Musterzeichnug abgeliefert und bin dann im Urlaub 1988 und 1989 insgesamt 3 Wochen raus ins Gelände. In den Wendewirren konnte das Projekt zwar leider nicht mehr umgesetzt werden, die fast zu Ende gebrachten Geländearbeiten habe ich dann aber bei meiner eigenen Verlagsgründung nutzen können. Da ist dann einer meiner ersten Wanderkartentitel, die „Schrammsteine-Affensteine 1:10000“ drausgeworden:

Das Kartengebiet ist so gelegt, dass da Schmilka gerade nicht mehr drauf ist. In Schmilka hätte ich sämtliche Häuser einzeichnen müssen. Blos, Einzelhausdarstellung war so eine knifflige Sache: „Könnte ja eventuell unerwünscht sein, blos keine Schwierigkeiten, könnte ja vielleicht Ärger geben.“ Ärger wollte ich nicht. Tja, da haben eben nicht nur die DDR-Kartographen im Allgemeinen Truppenübungsplätze, Brockengipfel und Westberlin unterschlagen (wie Noack umfassend darlegt). Auch ich im Speziellen habe Schmika weggelassen, wie ich selbstkritisch gestehen muss.

Gerald Noack herzlichen Glückwunsch zur Promotion.

 

Zu Sächsischen-Schweiz-Wanderkarten aus DDR-Zeiten vgl. auch meine Bibliographie hier.


15.08.2018: Schmalspurbahn in Lohsdorf

Das war das 9. Bahnhofsfest des Schwarzbachbahn e. V. am 25./26.08.2018.


09.08.2018: Böhmwanderkarten im Stadtmuseum Neustadt

Ausstellung im September und Oktober

Ausstellung 01.09.-11.11.2018.

Kartographische Zeichnungen sind eigentlich zu schade, als dass man sie jahrzehntelang im Zeichenschrank verbirgt. Darum freue ich mich über das Interesse des Stadtmuseums Neustadt in Sachsen, meine Zeichnungen in einer Ausstellung zu zeigen.

Vom 01.09. bis 11.11.2018. Was ich hierfür schon einmal rausgesucht habe? —

  • Die bisher noch nie in einer Auflage gedruckte Original-Reinzeichnung meiner Karte der Thorwalder Wände.
  • Erstmalig eine Replik meiner 1988 verschollenen Wanderkarte „Weberschluchtgebiet“.
  • Ja, und wie entsteht eigentlich eine Böhmwanderkarte? Bilder von einzelnen Herstellungsphasen, von der Geländebegehung bis zur fertigen Karte.
  • Und dann gibt es noch das größte Böhmwanderkarten-Wandermädchen aller Zeiten ...
... und dazu jede Menge Räuber (für die Kinder zum suchen)

Goldstein-Richard. Sitzt immer bis Anschlag im Zeughaus, bevor er hochgeht  Seilfitz-Anton. Kann Kernmantelseile nicht leiden  Rolf, der Ingenieur. Hat in Harvard studiert  Winterberg-Willi. Macht abends noch manchmal auf den Heringstein 

Weiterhin Karten aus meiner Schulzeit, Bierdeckel, Dampfschiffe, Zeichenfedern, Kartographie-Lehrbücher und einen Felssturz ...

Also mal wieder ins Stadtmuseum Neustadt gehen. Ich bedanke mich bei Museumsleiterin Ulrike Hentschel und ihren Mitarbeitern.


08.08.2018: Der Wald ist prasseldürre ...

— Aus aktuellem Anlass hiermal – rein akademisch – die Feuerregeln —

... und da bitte beachten: Zur Zeit muss man 21 Uhr aus dem Wald raus sein und es darf auch nicht mehr gebooft werden. Das ist natürlich bissl blöde, aber was soll die Nationalparkverwaltung machen – bei den derzeitigen andauernden und wie im Fall Hirschgrund offenbar durch Boofer verursachten Waldbränden. Da braucht sich dann auch keiner zu wundern. Schlimm, schlimm. Bloß, soll denn die Nationalparkverwaltung jetzt etwa Boofenfeuerlehrgänge anbieten, wo man die Regeln des Feuermachens draußen beigebogen bekommt, und am Ende noch mit Zertifikat? –

Die Feueregeln in der freien Landschaft:

  • Feuer immer nur auf Sand und niemals auf Waldboden, Mindestabstand 5 Meter. Früher hieß das mal: einen Graben rund um die Feuerstelle ausheben.
  • Du brauchst da immer einen der verantwortlich ist fürs Feuer und irgendwas, womit du das Feuer ggf. schnell auskriegst.
  • Und bei prasseldürrem Wald und Waldbrandgefahr – sowieso überhaupt niemals Feuer machen. Man braucht da auch nicht zu wissen, wann Waldbrandgefahr ausgerufen ist, das merkt man einfach. Wer das nicht merkt, soll schonmal von vornherein die Finger davon lassen. Wenn das Feuergefühl fehlt.
  • Ebenso heißt es nicht nur bei Trockenheit, sondern auch bei nur ein bisschen Wind: Ausmachen. Kann ganz schnell gefährlich werden.
  • Letztendlich: Bei so Zeug, wie so Gas- oder Benzinkocher gilt: 1. ist das so urbanisiertes Zeug und 2. selbstverständlich ist ein Gas- oder Benzinkocher genauso gefährlich, wie ein Feuer.

Bitte beachten: Diese Feueregeln sind rein akademisch. Im Nationalpark Sächsische Schweiz gilt die Nationalparkverordnung und im Wald in Sachsen sowieso das Sächsische Waldgesetz und die feinen Unterschiede zwischen den wenigen Fällen, an denen die Verantwortlichen das Feuer im Wald gestatten zu „Feuern total verboten“ erläutere ich hier mal nicht. Denn: Der Wald ist zur Zeit prasseldürre.

Irgendwann wird es wieder regnen und dann ist es mit der Waldbrandgefahr ganz schnell vorbei. Klar haben die Leute schon immer draußen Feuer gemacht. Zum Wärmen, zum Garen, zum Kochen. Gustav Adolf, Livingstone, Hedin. Im Dreißigjährigen Krieg, in Clondike oder der Takla Makan. (Dumm nur, dass der Nationalpark Sächsische Schweiz eben keine Windnis ist – sondern leider nur eine Freizeitlandschaft. Das wird leider oft verwechselt. Und die Kommunen sind dann mal wieder pleite, weil sie die Feuerwehr bezahlen müssen.)

Nachtrag: 22.08.2018: Es geht mit der Waldbrandgefahr langsam bergab.

Hier die aktuelle Waldbrandkarte von Sachsenforst.

Hier und hier interessante Diskussionen mit verschiedenen Meinungen – für und wider – zu dem Thema.

08.08.2018, 22.08.2018


01.06.2018: Gebührenpflichtige Parkplätze in Böhmwanderkarten

Zur Zeit gibt es mal wieder eine Debatte: Die gebührenpflichtige Parkplätze nehmen mal wieder zu und werden teuerer. Die jüngsten Beispiele sind der „Galgen“ unterhalb Papststein der Parkplatz Botanischer Garten Bad Schandau. Klar, weil es im Elbsandstein kaum Wirtschaft außer etwas Tourismus gibt, kommt bei den Kommunen nicht viel rein. Die Ausgaben werden immer mehr. Also dann eben Parkplatzgebühr statt Gewerbesteuer. Irgendwie muss man ja an die Tagesgäste rankommen. Und die Nationalparkverwaltung macht da auch mit. In Bad Schandau gibt es Überlegungen bald bis 10,00 € für ein Tagesticket zu verlangen. Kirnitzschtal, Schmilka, Bastei: überall gebührenpflichtig.

Doch es gibt nach wie vor sehr viele gebührenfreie Parkplätze und die wird es auch weiterhin geben. Die Verwaltungsmitarbeiter haben ja auch mal Feierabend und wollen dann wandern gehen und wer bezahlt schon gerne Geld für Parken bei einen Spaziergang rund um seinen Wohnort? Parkplatzgebühr, die ist ja erstmal nur „für die Touristen“ vorgesehen.

Kuhstallbrücke, Zahnsgrund, Polenzmündung, Ulbersdorf, Lohsdorf, Schwarzbachtaleingang, Thorwaldeck, am Panoramaweg, Ziegenrückenstraße, Kohlmühle, Uttewalde: Es gibt nach wie vor massenhaft Parkplätze ohne Automat. Wie man die findet? Ganz einfach, in den Böhmwanderkarten gibt es zwei unterschiedliche Signaturen:

Gebührenpflichtiger Parkplatz Gebührenpflichtiger Parkplatz   Parkplatz Parkplatz (meist gebührenfrei).

Zweimal gebührenfrei geparkt und schon hat sich eine Böhmwanderkarte amortisiert.

Und wenn die immer teurer werden – dann eben schon bei einmal.


27.04.2018: Reliefstudie Langes Horn 1:2000

In memoriam Hans Brunner 1919 – 2018

Nun schaue ich auf Hans Brunners Leben zurück und seine Kartierung „Gansfelsen 1:2000“ ist mir Anlass, ein anderes Gebiet in diesem Maßstab zu beschrauben. Vor einiger Zeit haben zwei Wanderer, Roland Leskau und Mathias Meier unabhängig voneinander das Lange Horn im Großen Zschand erkundet. Das war mir Anlass, da gleich einmal eine Karte von diesem herrlichen Felsrelief herzustellen. Freilich mit Computer, denn im Computerzeitalter ist es viel einfacher, dezimetergenaue Höhenlinien zu machen, dafür gibt es ja mittlerweile Höhenmodelle und Algorithmen. Hans Brunner war zwar ein handwerklicher Perfektionist mit durchaus traditionellem Denken, zugleich aber immer ein Nutzer der neuesten Technologie. Brunner hätte die Karte heute gewiss auch mit Computer gemacht.

Langes Horn 1:2000
Langes Horn 1:2000. In memoriam Hans Brunner 1919–2018

Das hochaufgelöste Kartenbild ist mit seinen 5840×3640 Pixeln so angelegt, dass es mit der Auflösung 508 dpi ausgedruckt, exakt 1:2000 und Format 29,2×18,2 cm ergibt, also gerade noch auf DIN A4 passt. Die hohe Auflösung gestattet auch ein größeres Plotten, z. B. mit 254 dpi, das wird dann DIN A2 und Maßstab 1:1000.

Was wohl Hans Brunner zu der Karte sagen würde? Nun, die Höhenlinien stimmen gewiss „bis aufs My“ und man kann sehr gut die Lamprechtschen Horizonte erkennen, dezimetergenau. Das ist natürlich etwas für den Vermessungsfachmann. Ein schönes Kartenbild ist so eine Computergrafik aber nicht gerade. Das ergibt sich erst, wenn man die Karte örtlich erkundet. Also doch nochmal rausgehen und Kartieren. Und dann Zeichnen – am besten mit der von Hans Brunner gemeinsam mit Kurt Ulrich entwickelten Methode der Felsdarstellung mit Konturlinien.


27.04.2018: Meine Begegnungen mit Hans Brunner 1919 – 2018 †

Hans Brunner 12.12.1919 - 30.03.2018

Hans Brunner, der Altmeister der Elbsandstein-Kartographie der Sächsischen Schweiz ist verstorben

Die alte Karte „Schrammsteingebiet 1:10000“ des Topographischen Dienstes Sachsen aus dem Jahr 1955 ist eine Legende. Der Titel ist maßgeblich von dem Kartographen Hans Brunner initiiert, aufgenommen und mitherausgegeben worden. Wenige Jahre nach dem Erscheinen wurde eine weitere Veröffentlichung der Karte untersagt, was im Nebeneffekt die Kartenbesitzer über Jahre zu Schatzbesitzern machte. Hans Brunner (und sein Freund Kurt Ullrich) arbeiteten da bereits an einem Folgetitel, der dann allerdings überhaupt nicht mehr aufgelegt wurde. Lediglich ein kleiner Andruck in einer wissenschaftlichen Kleinauflage in den Geographischen Berichten zeugte von der sagenumwobenen Basteikarte 1:10000. An sowas rankommen ging dann lange Jahre überhaupt nicht mehr. Die Originale lagen im Kombinat Geodäsie und Kartographie sicher verwahrt in der VS-Stelle (bei Helmut Richter), was sie freilich zugleich vor Vernichtung geschützt hat. In den 1990er Jahren traf ich Hans Brunner auf einer Kartografie-Veranstaltung an der TU Dresden und dort lagen die Geographischen Berichte (nun zur Abwechslung einmal als „altkommunistisch“ ausgesondert) in einem herrenlosen Altpapierkonvolut. Zielgerichtet gingen wir beide auf den Stapel zu, „Heft 1/1964, Pilewitzer&Brunner“, das hatte man im Kopf. Hans Brunner war schneller als ich, aber er überließ mir freundlicherweise den Vortritt und so gelangte der kleine wertvolle Ausschnittsandruck in meine Sammlung:

Basteikarte 1:2000, Andruck, Geographische Berichte (Aufsatz Pilewitzer) 1/1964 Man beachte auch die schöne Kartenschrift K 60

Beide Kartentitel, die Schrammsteinkarte und die Basteikarte wurden 1990 dankenswerterweise vom Landesvermessungsamt herausgegeben (und sollten wohl auch noch eine Weile erhältlich sein, aufpassen, wenn dieser Link verschwindet). Die Erstdrucke sind dennoch bewahrenswert, denn da sind noch einige kleine Wege mehr drin.

Eine andere symptomatische Begegnung: Kaum jemand kennt Curt Treitzschke, den legendären einstigen sächsischen Landesvermessungspräsidenten und Schöpfer der 1922er 10000er Schrammsteinkarte. Die Methodik dazu hat Treitzschke in seiner Dissertation ausgearbeitet, also ist diese ein Schatz für die Sächsische-Schweiz-Kartographie. In der 1920er Nachkriegszeit war es gestattet, Dissertationen lediglich maschinenschriftlich (also vielleicht in nur in 5 Exemplaren) zu „veröffentlichen“ und vielleicht das letzte Exemplar hat sich in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Unter den Linden erhalten. Also nach Berlin fahren, Leihschein, Lesesaal. Der Treitzschke-Band kam dann auch, und was lag da drin? Ein vergilbter alter Leihscheinabriss – von Hans Brunner.

Mit der Karte „Die Gansfelsen“ wagte sich mit Brunner erstmalig ein Kartograph des Elbsandsteins 1960 an den Super-Detailmaßstab 1:2000 heran. Akribisch mit Messtisch und Phototheodolit aufgenommen, mit Stereoautograph ausgewertet. 1998 hatte ich Gelegenheit, diese Karte erstmals in einer kleinen wissenschaftlichen Auflage zu verlegen. Dabei entstand übrigens, zeitgemäß, bereits ein digitales Höhenmodell. Welches wohl sogar noch etwas genauer ist, als das aktuelle offizielle Laserscanning-Höhenmodell. Müsste man direkt mal vergleichen.

10.10.2018: Noch viel wäre über Hans Brunner zu berichten. Gemeinsam mit Kurt Ullrich hat er elbsandsteinspezifische Felskonturlinien entwickelt, mit denen heute die Felsen in der Topographischen Kartographie, aber auch in vielen Verlagstiteln (übrigens auch von Böhm) abgebildet werden. Von 1959 bis 1991 war er Mitglied und Leiter des Arbeitskreises Sächsische Schweiz. Es verantwortete maßgeblich viele Veröffentlichungen als Autor und Herausgeber, u. a. die legendären 7 Berichtsbände des Arbeitskreises, zu DDR-Zeiten ein Kulturgutschatz ersten Ranges. Brunner war Mitautor von Wanderatlas und DDR-Wanderkarte Sächsische Schweiz 1:30000 mit insgesamt sechsstelligen Auflagen, heute undenkbar. Brunner war jahrzehntelang Lehrer an der Ingenieurschule für Geodäsie und Kartographie in Dresden, der Vorläuferin der HTW und ist damit für viele Kartographen und Vermesser eine Koryphäe. Seine gemeinsam mit Hans Brichzin herausgegebene Kartenmappe „13 schöne alte Karten der Sächsischen Schweiz“ machte u. a. das älteste exakte großmaßstäbige Kartenwerk Sachsens, die Meilenblätter von 1780, überhaupt erst bekannt. Dieses gewaltige, nur in Originalzeichnungen vorhandene Kartenwerk hat Hans Brunner nach 1990 wesentlich erforscht und so die Grundlage dafür geschaffen, dass die Blätter, mustergültig erschlossen, heute online für jedermann leicht erreichbar sind.

Odeleben 1823, auch nicht zu vergessen. Oder, anders formuliert: Dank der Wiederentdeckung durch Brunner ist Odeleben, der 1823 die allererste Wanderkarte der Sächsischen Schweiz gemacht hat, nicht vergessen. Wie verlautet, gehörte Odeleben bei Brunners zeitweilig fast zur Familie.

Hans Brunner hat über Jahrzehnte die Kartographie der Sächsischen Schweiz maßgeblich geprägt. Er wurde am 12.12.1919 geboren und ist am 30.03.2018 verstorben. 98 Jahre und 3 Monate, das ist, kartographisch generalisiert, eigentlich so gut wie 100 Jahre. Es darf vermutet werden, dass dies auch die ungefähre Zeitraumgrößenordnung ist, in der sein Lebenswerk künftig fortwirken wird.

 

Hintergrundinformationen zu Hans Brunners Karten siehe auch hier (Jahre 1955, 1960, 1962, 1990)


10.04.2018: Weg im Polenztal dauerhaft gesperrt

Erstaunlich wenig Öffentlichkeit und – wiedermal könnte ein Weg weg sein – für immer

Wie der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) auf http://bergsteigerbund.de/2015/natur/zeitweilige-wanderwegsperrungen/"mitgeteilt hat, soll es eine neue Wegsperrung geben. Der uralte Wanderweg westlich der Polenz unterhalb der Waltersdorfer Mühle werde „dauerhaft aus dem Wegenetz genommen“. Es sind „Bäume umgefallen“, der „Hang rutscht“, und weil „ein dauerhafter und kostenintensiver Wegebau in keiner Relation zur Bedeutung des Weges steht.“ Also weg mit dem ollen Weg?

Karte Brand-Hohnstein von 2004. Man erkennt eine abgerutschte Stelle.

Ist alles schon entschieden und auch die AG Wegekonzeption bei der Nationalparkverwaltung soll der Sperrung in ihrer jüngsten Versammlung am 27. März 2018 schon zugestimmt haben.

Zweifelsohne kann auch einmal ein Weg gesperrt werden. Das ist dann immer eine schmerzhafte Sache, die umfassender öffentlicher Diskussion bedarf. Da sollten immer auch Alternativen erwogen, Auswirkungen bedacht, ausgleichende andere Wegöffnungen erörtert werden, vielleicht tut es auch eine zeitweilige Sperrung oder es sind Unterhaltungsmaßnahmen möglich. Doch hier scheint man sich erstaunlich wenig Gedanken gemacht zu haben. Einige Gedanke könnten z. B. sein

  • Gewiss gibt es als Alternative den Fahrweg auf der anderen Polenztalseite*). Doch wird nicht oft ein Weg für die Hintour, der andere Weg für die Rücktour benutzt? Mehrere Wege bringen Vielfalt und Landschaftserlebnis. Wird nicht auch oft ein Weg von Wanderern, der andere (bisher unmarkierte) von Radfahrern benutzt?
  • Hoppla, Radfahrer. Richtig, das Polenztal wurde ja vor einigen Jahren zur Förderung des Tourismus für Radfahrer gesperrt. Oberhalb der Waltersdorfer Mühle. Es gibt Bestrebungen, diese Sperrung rückgängig zu machen. Nun werden unterhalb der Waltersdorfer Mühle, wo es bisher 2 Wege gab, Wanderer und Radfahrer auf einen Weg gebündelt. Zufall oder geschickte langfristige Weichenstellung mit System? Irgendwann könnte man so das Radfahren im Polenztal ganz verbieten.
  • In der Tat ist der Weg ein alter Holzrückeweg, der für Holzabfuhr nicht mehr gebraucht wird. Ist dann aber eine Sekundärnutzung durch Wanderer nicht viel mehr zu begrüßen, und der Weg in Stand zu halten, als dass man erforderliche Unterhaltungsmaßnahmen zum Anlass einer Sperrung nimmt?
  • Zumal auch immer wieder „die Überlaufenheit des Gebietes“ beklagt wird – was im Polenztal an manch schönem Wochenende sogar zutreffen mag. Schön doch, dass es da zwei parallele Wegführungen gibt. Nun wird eine davon gesperrt, auf dass es so auf dem verbleibenden „Hauptweg“ noch „überlaufener“ werde.
  • Wer aufmerksam wandert, bemerkt den hohen Aufwand, mit dem die Nationalparkverwaltung überall die schlimmen Sturmbrüche Herwart (28.10.2017) und Friederike (vom 18.01.2017) beseitigt. Vielerorts sind die Wanderwege bereits von umgefallenen Stämmen freigesägt worden. Und natürlich wird das noch eine lange Zeit dauern und es müssen Wege zeitweilig gesperrt werden. Man sollte dies aber nicht zum Vorwand nehmen, das Wegenetz für immer auszudünnen.
  • Und gewiss bedeutet Wegeinstandhaltung auch Aufwand. Doch ist die Sächsische Schweiz nicht ein Wandergebiet, in dem es richtig und wichtig ist, öffentliche Mittel für die Wegeunterhaltung einzusetzen? Wir erinnern hier an den soeben eröffneten Elberadweg Bahnhof Bad Schandau – Königstein, der wirklich sehr ordentlich gemacht worden ist und sich sehen lassen kann.
  • Natürlich geht es bei den Wanderwegen gern auch eine Nummer kleiner. Wie wäre es mit einem Arbeitseinsatz von Wanderern gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung? Am 14. April ist Frühjahrsputz und da sind alle aufgerufen, mitzuwirken. Die Wanderer nehmen einen Spaten mit und die Ranger haben ja oft eine Kettensäge auf ihrem Pickup. Wo ein Wille ist – ist auch ein Weg.
  • Klar, der Weg ist teilweise abgerutscht, das finde ich auch so in einer alten Kartierung (s. Bild) so eingetragen. Das ist schon jahrelang so und gar nicht weiter schlimm. Man könnte den Weg z. B. als kleinen Fußweg erhalten.

In der Mitteilung des SBB heißt es „die Nationalparkverwaltung hat informiert“ und drei Sätze weiter „die AG stimmte dem Vorschlag zu.“ Selbstverständlich freue ich mich über schnell reagierende Entscheidungsträger. Im vorliegenden Fall wäre aber doch ein wenig mehr Nachfrage wünschenswert gewesen.

Dass Nationalparkverwaltung und Sächsischer Bergsteigerbund sich häufig einig sind, wenn es darum geht, „den Touristen auf wenige gut ausgebaute Hauptwanderwege zu bündeln“ ist schon klar. Das ist verständlich.

Nun sitzen aber auch Bürgermeister, Landratsamt, Wegemeister und Tourismusverband in der AG, denn natürlich soll ein umfassendes Meinungsspektrum berücksichtigt werden. Und die sollen da alle zugestimmt haben? Nun, unter Zustimmung stellt man sich gewöhnlich vor, dass da ein schriftlicher Beschlussentwurf vorgelegen hat und es dann eine Abstimmung gegeben hat. Eine derartige förmliche Zustimmung darf hier jedoch nicht vermutet werden. Nach meinen Erfahrungen ist es in der AG nicht üblich, dass da etwa die Mitglieder Beschlussvorlagen (z. B. über Wegsperrungen) mit der Einladung zugestellt bekämen, damit sie sich vielleicht schon vorher eine Meinung bilden könnten. Und die bekommt man auch nicht als schriftliche Tischvorlage in der Versammlung nachgereicht. Typisch sind eher mündliche „Informationen der Nationalparkverwaltung“ idealerweise unter dem Tagesordnungspunkt „Umsetzung des Wegekonzeptes im Nationalpark“. Wenn man dazu schweigt und nicht sofort Einspruch einlegt, gilt der Vortrag der Nationalparkverwaltung als genehmigt. Und dann steht eben „die AG stimmt dem Vorschlag zu“ im Protokoll. Man muss da wirklich aufpassen, wie ein Schießhund.

 

PS. Übrigens ist noch nicht einmal die Protokollgenehmigungsfrist verstrichen. Und schon steht alles formvollendet auf der SBB-Webseite. Das ist eigenartig. Auffällig ist auch, dass die vernehmlich auf Dauer angelegte Wegsperrung unter dem Seitentitel „zeitweilige Wegsperrungen“ erscheint. Wer ein bisschen weiß, wie Wegesperrungen in deutschen Nationalparks kommuniziert werden, wird dies alles als ein wenig typisch erkennen können. Dazu passt auch die betont unscharfe Sperrzeitangabe „bis auf Weiteres“ auf der Nationalparkseite. „Bis auf Weiteres.“ Das kann den Zeitraum bis nächste Woche bezeichnen oder den bis zur nächsten Eiszeit.

*) Was nur wenig bekannt ist: Der Polenztal-Fahrweg auf der anderen Talseite ist im Winter 1944/45 von Häftlingen des KZ Flossenbürg als Vollspur-Bahndamm geschüttet worden. Dieser sollte zu einer (geplanten) unterirdischen Benzinfabrik führen.

10.04.2018


04.04.2018: Bastei – wie im Märchen

Winter und Sommer zugleich, aber noch kein Frühling

Wir hatten einen späten, langen und sehr tiefen Frost und jetzt ist es plötzlich 22 °C warm. Wie im Sommer, aber mit einem Unterschied: Die Bäume werden noch ungefähr zwei Wochen brauchen, bis sie merken, dass für sie der Winter zu Ende ist. Es ist dies eine ganz seltene Jahreszeit: Winter und Sommer zugleich, aber noch kein Frühling.

Da gleich mal ein „Wander-Geheimtipp“: Abends, etwa ab 19 Uhr, noch einmal auf die Bastei. Dann ist dort eine wunderbare Ruhe. Vorn auf der Aussicht hat man ein 270-Grad-Panorama. Der sonst durch Laub verdeckte Blick geht durch die noch kahlen Winterbäume bis zur Kleinen Gans. Und über der Elbe geht die Sonne unter. Dass die Basteiaussicht gesperrt ist, stört übrigens kaum; es ist nur ganz die allervorderste Spitze der Aussicht gesperrt.

Ich war ganze allein dort vorn. Später kamen noch zwei Holzlasterfahrer, die mich freundlich gegrüßt haben. Ihre gewaltigen Sattelzüge hatten sie hinten auf dem Busparkplatz abgestellt (hoffentlich habe ich da nicht im Weg gestanden). Am nächsten Morgen werden sie die großen Holzpolder laden und abzufahren, die man gerade überall im Basteiwald sieht. Im Wald wird schon immer viel Holz gemacht. Darüber berichten schon die alten Märchen und das ist auch heute noch so.

Wanderer und Holzleute sind meist allein im Wald. Das ist auf der Bastei nicht anders – abends, so ab 19 Uhr.

 

Das einzig Dumme war, dass ich meine Kamera nicht mithatte, deswegen gibt es hier kein Bild. Aber man muss nicht immer alles fotografieren – schon gar nicht auf der Bastei.


28.03.2018: Ostern ...

.... empfehle ich unsere Ostertour von 2015, das Kirnitzschtal aufwärts nach Hinterhermsdorf:

Dieses Jahr könnte es vom Schnee her ähnlich aussehen.


16.02.2018: Neue Wege-Seiten

Epilog zu meinem Vortrag „Über die Seele der Wege“ in Schmilka

Kleiner Weg

DIe Wege sind ein Schatz und das Wichtigste in unseren Karten. Doch wer macht sich schon Gedanken darum, was es Arten von Wegen gibt? Niemand. Wie man die Wege in einer Karte einträgt, ist eine schwarze Kunst, die nirgendwo aufgeschrieben ist, auch in den Zeichenvorschriften der alten Landesvermessungsämter gibt es nur grobe Hinweise.

Also habe ich einmal meine Erfahrungen zu Papier – äh – HTML gebracht. Ich benutze 11 Wegklassen von der Autobahn bis zu „ohne Weg“ und diese „Vollklassen“ werden beim Kartieren noch einmal durch Halbklassen verfeinert.

Es gibt die Pfadspur, den Pfad, den Fußweg, den Feld- und Waldweg, den Unterhaltenen Weg, die Nebenstraße, die Landstraße, die Überlandstraße, die Fernstraße und zu guterletzt die Autobahn.

Und hier steht alles zusammen: Wie Wege in den Böhmwanderkarten dargestellt sind.

Ich bedanke mich bei Astrid Müller-Wenzke, Radebeul, von ihr habe ich die Motivation, alles einmal ganz detailliert vorzustellen.


10.02.2018: Haselhuhn statt Spannungsfeld

„Intelligente und weitmaschige Wegekonzepte“ nicht in Planung

Unter der Überschrift „Drohen neue Wegsperrungen im Großen Zschand?“ habe ich nach Lektüre des SSI-Aufsatzes „Bekommt das Haselhuhn Tetrastes bonasia bei uns eine Chance?“ (Sächsische-Schweiz-Initiative Nr. 34/2017) von Ulrich Augst geargwöhnt, dass sich hinter der Textformulierung „intelligente und weitmaschige Wegekonzepte“ neue Wegsperrungen abzeichnen könnten. Ich hatte deshalb Nationalparkchef Dr. Butter einen Brief geschrieben. Am 09.02.2018 hat mir Ulrich Augst geantwortet und meine Bedenken zerstreut.

Ich bedanke mich herzlich und freue mich, dass meine Vermutungen unbegründet waren. Lediglich auf tschechischer Seite gibt es ein Haselhuhn-Wiederansiedlungs-Projekt. Auf deutscher Seite ist da nichts geplant und eine Befürchtung von Wegsperrungen ist unbegründet.

Jetzt habe ich ein wenig ein schlechtes Gewissen, denn natürlich sind Artenschutzmaßnahmen auch im deutschen Nationalparkteil erfreulich und begrüßenswert. Wenn Artenschutz und Wandern in Harmonie und einvernehmlich miteinander erfolgen können, so ist das ein sehr gutes Modell für alle Beteiligten. Wenn aber, wie es oft geschieht, der Begriff „Spannungsfeld“ die „Hintergrundtheorie“ darstellt, derzufolge entweder ein Wiederansiedlungsprojekt erfolgt und dann der Wanderer der Störer ist oder aber andersherum, in einem Gebiet, in dem viel Wanderernde unterwegs sind, Naturschutzbemühungen als nur eingeschränkt möglich dargestellt werden, so ist dies ungünstig.

Sorgen wir also dafür, dass im Nationalpark Sächsische Schweiz mehr das Prinzip Harmonie an Bedeutung gewinnt und dass das Prinzip Spannungsfeld – allmählich ausstirbt.

Wünschen wir also dem Haselhuhn viel Glück – und wenig Wölfe.

19.12.2017, 29.12.2017, 10.02.2018


04.02.2018: Bild der Woche

Schwere Technik auf Klettergipfelzugängen

„Eine einflussreiche Bergsteigerlobby versucht für Wanderer bisher benutzbare Wege sperren zu lassen und nur den organisierten Bergsteigern offen zu halten.“ Diese, bereits 1993 von Hans Brichzin (DuMont: Richtig Wandern Sächsische Schweiz, S. 63) geäußerten, prophetischen Worte gewinnen durch ein Bild, das ich soeben von Thomas Türpe erhalten habe, eine neue und erschreckende Aktualität:

Klettergipfelzugang 2018. Bild: Thomas Türpe. Anklicken: höhere Auflösung.

Die Bergsteiger treiben es immer verrückter. Früher, in der guten alten Zeit, da haben wir unser Kletterzeug noch im Rucksack zum Gipfel getragen. Doch erst kamen die Stahlkarabiner, dann die Abseilachten, dann Seilbremsen, Klemmkeile usw. usf., Ringe, Eisen, Bohrhaken, Hilti, Ersatzakkus, immer mehr Zeug. Mittlerweile ist das Kletter-Equipment offenbar so oppulent geworden, dass man es nur noch mit schwerer Technik an den Einstieg transportiert kriegt. Und die Nationalparkverwaltung spielt diesen ganzen technischen Overkill mit – indem sie die dazu erforderlichen Genehmigungen erteilt.

Wenn man sich das in der Nationalparkverordnung durchliest, stellt man fest: In dem Abschnitt, der die Klettergipfelzugänge regelt, gibt es tatsächlich keine Tonnagebegrenzung. Und so könnte es sogar sein, dass man sogar einen Rechtsanspruch auf eine Zufahrtgenehmigung hat, ohne dass eine Achslastbegrenzung geltend gemacht werden könnte. Einfach, weil versäumt wurde, den hierfür erforderlichen gesetzlichen Rahmen hinreichend genau zu kodifizieren. Das ist mal wieder typisch. Die regeln in Brüssel die Krummheit der Banane, und dann sowas.

Doch die IG Wander- und Stiegenfreunde protestiert: So war das aber mit den Klettergipfelzugängen nicht gemeint. Wir Kernzonenwanderer kriegen einen dran, wenn wir mal wieder Fremdenweg, Prebischtor von hinten, Stimmersdorfer Weg oder Schwarzes Tor machen. Uralte Wanderwege, deren Begängnis der Natur noch nie geschadet hat. Aber die kutschen mittlerweile mit Offroad Vierzigtonnern zum Einstieg. Wahnsinn!

Kinder, merkt ihr noch was? So macht ihr doch die ganze Natur kaputt!

Da sieht man mal wieder, es wird mit zweierlei Maß gemessen. Die einen nehmen sich alles heraus und denen passiert überhaupt nichts – und die anderen werden wegen kleinster Lapalien unbarmerzig verfolgt, gemaßregelt und abgestraft.

Schlimm, schlimm.

Wo soll das noch hinführen?


29.01.2018: Von der Seele der Wege

Vortrag am 02.02.2018 in Schmilka, Schmilkesche Mühle, 19:30/20:30 Uhr

Auf was achten wir nicht alles, wenn wir rausgehen? Landschaft, Aussicht, Wetter, Kleidung, Schuhe, Rucksack, Romantik, Felsen, Nebel, Stille, Einsamkeit. Doch das Wichtigste beim Wandern, sind das nicht die Wege? Wenn wir überlegen, was Wege sind, und vielleicht in der Wikipedia nachschlagen, was eigentlich ein Weg ist, wird es schnell dünn. Hat sich schonmal jemand darüber Gedanken gemacht, was eigentlich ein Weg ist, wie Wege entstehen, warum es Wege gibt und seit wann?

Das irische Licht Wintermittagssonne

Wege sind so etwas wie Lebewesen. Ihnen wohnt eine Lebenskraft inne und sie haben eine Seele. Wege sind unsere Spuren und sie entstehen dadurch, dass wir sie begehen. Machen wir uns also ein wenig Gedanken über das Wichtigste des Wanderns, über die Wege. Natürlich spielt dabei auch die Kartographie eine Rolle.

Am Freitag, dem 2. Februar 2018 halte ich einen Vortrag über die Seele der Wege in der Schmilkeschen Mühle, Schmilka, Beginn 19:30 Uhr, Eintritt 10,00 € (Winterdorf-Gäste gratis).

Lese gerade auf der Webseite des Veranstalters Beginn 20.30 Uhr, bei bad-schandau.de und oberelbe.de steht da aber 19:30 Uhr. Typischer Fall. — Macht nichts, ich bring einfach paar Karten mit, da beginnen wir 19:30 mit einer Gesprächs-, Verkaufs- und Signierrunde und ich bring noch ein Powerpoint „Wegsignaturen in Böhmwanderkarten“ mit. Das ist sozusagen die „Vor-Band“. Um 20:30 starten wir dann mit dem „richtigen Vortrag“.


14.01.2018: Januarwanderung in den Thorwalder Wänden

Wenn die Sonne scheint und der Himmel strahlend blau ist, nichts wie raus ...

Das irische Licht Wintermittagssonne

Der 14. Januar war ein phantastischer Tag. Ohne Laub auf den Bäumen hat man eine weite Sicht durch den Wald und die tiefe Mittagssonne taucht alles in ein irisches Licht. Wege, die man im Sommer als „Hauptwege“ nicht so reizvoll findet, sind im Januar völlig einsame Weglinien. Und auch von Forsttechnik zerfahrene Wege, die man im Sommer als Schlammlöcher fürchtet, sind nun, bei etwas Frost, einwandfrei passierbar.

Woher kommt eigentlich der Irrglaube, dass ein Winter ohne Schnee Mist ist und dass man im Winter in der Sächsischen Schweiz nicht wandern könnte? Jetzt gerade.

Nachtrag 16. Januar 2018: Zwei Tage später. Kaum geschrieben und schon hat es geschneit. Auch schön.


 

2017

20.12.2017: Trekkingpfad Forststeig Elbsandstein in meinen Wanderkarten

Im April soll eine neue Route durch die Sächsische-Böhmische Schweiz eröffnet werden: der Trekkingpfad Forststeig Elbsandstein. Damit alles „nahtlos klappt“, ist die Weglinie ab sofort in meinen Übersichtskarten eingetragen. Der Weg trägt in der Karte die Trekkingpfadsignatur Forststeig :

Karte Böhmische Schwiez mit Forststeig Elbsandstein

Im Gelände sind senkrechte gelbe Striche an die Bäume gemalt. Für den gesamten Weg benötigt man zwei Karten:

Karte Böhmische Schweiz mit Forststeig Elbsandstein   Karte Sächsische Schweiz mit Forststeig Elbsandstein

Vom Bf Schöna bis zum Grenzübergang Oberer Hühnerbergweg/Kristin Hrádek benutze man die „Große Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000“ (Papierausgabe, 16. Auflage). Anschließend zeigt die Karte „Böhmische Schweiz 1:40000“ (4. Auflage) den Weg durch Tschechien, zurück ins Sächsische, um das Bieletal herum und bis zum Sommerhübelweg östlich Rosenthal. Von dort bis zum Ende des Weges am Bf Bad Schandau ist dann der weitere Wegverlauf wieder auf der „Großen Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000“ dargestellt.

Gemeinsam mit meiner Frau und Hartmut Landgraf bin ich die fast 100 Kilometer im letzten Jahr selbst abgewandert. Auch die Biwakplätze und Trekkinghütten (Willys Ruh, Grenzbaude, Haselmausbaude, Zschirnsteinbiwak usw.) habe ich alle örtlich kartiert.

Hübsch war übrigens, als ich bei einem der Planungstreffen von einem PR-Menschen gefragt wurde wurde, ob ich ihm nicht mal die genauen Hüttenstandorte in eine Karte einzeichnen könnte, die er mir vorlegte – klar, kein Problem. Das war dann aber der Arbeitsplot von meinen Mitbewerbern Sachsen-Kartographie. Und so sind die nun nicht nur bei mir, sondern demnächst auch bei der Konkurrenz eingetragen. Macht nichts, dessenungeachtet empfehle ich aber: Böhmwanderkarten kaufen, denn nur dann kommt der Umsatz auch bei mir an.

Bitte beachten: Bei der laminierten Ausgabe der „Großen Karte der Sächsischen Schweiz“ wird die Eintragung noch etwas warten müssen. Also einstweilen die Papierausgabe benutzen.

Die offizielle Trekkingpfadseite von Sachsenforst
Hartmut Landgrafs Reportage (oder Sandsteinblogger Nr. 3 (2017) kaufen)
Meine Trekkingpfadseite mit vielen Hinweisen


19.12.2017: Drohen weitere Wegsperrungen im Großen Zschand?

„Intelligente und weitmaschige Wegekonzepte“ in Planung

Nach Lektüre des SSI-Aufsazes „Bekommt das Haselhuhn Tetrastes bonasia bei uns eine Chance?“ (Sächsische-Schweiz-Initiative Nr. 34/2017) von Ulrich Augst hatte ich an dieser Stelle geargwöhnt, dass sich hinter der Textformulierung „intelligente und weitmaschige Wegekonzepte“ neue Wegsperrungen abzeichnen könnten.

Siehe hierzu oben, 10.02.2018.

19.12.2017, 29.12.2017, 10.02.2018

 


09.11.2017: Neuer Wanderbericht

Im November, meinem Lieblings-Wandermonat finde ich immer wieder Einkehr und Kontemplation in der Hinteren Sächsischen Schweiz:

Kansteinboofe

Das leitet zugleich zum nächsten Eintrag über ...


08.11.2017: Arbeitseinsatz der IG Stiegen

Der November ist nicht nur mein Lieblingsmonat, weil man da so herrlich einsam wandern kann, da heißt es auch: Dreck wegräumen. „Nicht soviel quatschen, sondern einfach machen“ so der Slogan von Axel Mothes und so hat die IG Stiegen (Axel, Arndt, Thomas, Andreas und ich) 70 Jahre Altmüll aus der Bärensteinzisterne rausgeräumt. Da war alles dabei, von der DDR-Fischbüchse mit Preisaufdruck 1,30 M bis zur „West“-Bierbüchse mit Mindesthaltbakeitsdatum 1998. Hält eben eine Weile, das Zeug. Zuletzt hoppelte noch ein Frosch munter weg. Nach ein paar Stunden war alles blitzblank, wir haben uns gefreut, etwas geschafft zu haben und oben standen massenhaft Müllsäcke. Einen ausführlichen Bericht gibt es hier.

Schutzhandschuhe tragen! Foto: Axel Mothes, Halle

Ein herzliches Dankeschön an alle Mitstreiter und nicht zuletzt die Stadt Bad Schandau, die uns gestattet hat, einen Teil der Müllsäcke auf ihrem Bauhof zu entsorgen (obwohl es gar nicht Bad Schandauer Stadtgebiet ist), einwandfrei.


01.10.2017: Charta 2017

Als Autor und Verleger ist man über das gewöhnliche Maß hinaus empfindlich, wenn versucht wird, vorgegebene Informationen verbreiten zu lassen und die Verbreitung unerwünschter Informationen zu behindern. Auf der Frankfurter Buchmesse gab es „Vorkommnisse“. Das ist bedenklich. Die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen, Mitinhaberin des Buchhauses Loschwitz, hat hierzu eine Unterschriftensammlung auf www.openpetition.de initiiert, die den Titel „Charta 2017“ trägt.

Als Wanderkartenautor, so könnte man meinen, ginge mich das alles nicht so viel an. Das ist teilweise richtig. Allerdings war ich vor ein paar Jahren Boykottaufrufen der Nationalparkverwaltung ausgesetzt, wegen unterlassener „fachlicher Abstimmung“. Das hat mich ein wenig sensibilisiert. Auch wenn dies nun zum Glück schon einige Jahre zurückliegt, hält diese Sensibilisierung nach wie vor an. Schnell kann es mal den einen oder anderen Verlag treffen. Blos nicht denken, ach da sind die selber schuld, was die auch für ungenehmes Zeug veröffentlichen. Das weiß doch jeder, dass es Ärger gibt, wenn man sich nicht an die Vorgaben und ungeschriebenen Gesetze hält.

Darum habe ich die Charta 2017 sofort am ersten Tag unterschrieben.

Nachtrag 20.10.2017. Es gibt einen Vermerk auf www.openpetition.de: „Diese Petition steht im Konflikt mit unseren Nutzungsbedingungen für zulässige Petitionen. Die Petitions-Starterin wurde darüber in Kenntnis gesetzt. Die Petition muss überarbeitet werden, damit sie online bleiben kann. Der Petent/die Petentin hat dafür drei Tage Zeit.“ Das kann eine harmlose Formalie sein, oder sollte hier etwa der „Große Bruder?“ ... „Gewiss nicht“, versuche ich mich zu beruhigen.

Nachtrag 24.10.2017: Die Petition ist mittlerweile aus dem öffentlichen Bereich von www.openpetition.de verschwunden: Zwar noch erreichbar, aber nur dann, wenn man den Link hat. Google "openpetition Papierentsorgungsbehälter" findet sehr schnell „Erneute Bereitstellung von Papierentsorgungsbehältern in Bad Homburg“. Google "openpetition Charta 2017" findet hingegen nun nichts mehr. — Der „Große Bruder?“ frage ich ängstlich. „Ja“, sagt Frau Dagen. Ich verstumme.

Unterschriftensammlung zu den Vorkommnissen auf der Frankfurter Buchmesse Charta 2017


15.08.2017: Neuauflage „Bad Schandau und Umgebung“

Mein Kartentitel „Bad Schandau und Umgebung 1:10000“ ist in nunmehr 3., vollständig überarbeiteter Auflage ab sofort wieder erhältlich, Ladenpreis € 6,80.

Was sich seit der vorherigen Auflage alles geändert hat? Wie immer eine ganze Menge. Es gibt größere Änderungen, wie das in Bebauung befindliche „Lidl-Areal“ (wurde aus dem Bebauungsplan übernommen) — und kleine Änderungen, wie die Kachelmann-Wetterstation Rathmannsdorf. Bei Lidl wird viel gebaut, auf dem Bahnhof Bad Schandau (jetzt Nationalpark-Bahnhof) wurde viel gebaut, es gibt einen neuen Vulkanweg nach Goßdorf, und in Porschdorf den Promilleweg. Wie neuerdings oft habe ich massenhaft Bierkrüge (Gasthaus-Signaturen) aus der Karte rausgenommen: Zschiehädelhof, Zum Bären, Waldhäus'l, Heymannbaude, Kirnitzschtaler Bierstübl, Mittelndorfer Mühle (zum Trost habe ich dort jetzt Bolzplatz und Liegewiese eingezeichnet). Der alte Mittelndorfer Gasthof (den mal Bernd Arnolds Großeltern besessen haben) wurde schon vor 30 Jahren geschlossen und wurde jetzt ganz abgerissen. Macht nichts, schräg gegenüber gibts ja das Gasthaus „Am Weinberg“. Das Hotel Ostrauer Scheibe hab ich nochmal drinne gelassen, ist zwar derzeit zu, ich denke aber, die machen irgendwann wieder auf. Neu sind die Schmilk'sche Mühle und Café Richter in Schmilka und der Kleine Kuhstall in Ostrau. In Ostrau gibt es auch eine Aussichtsplattform (ist noch nicht ganz fertig) und einen Jagdfalkenhof.

Also Unmassen Änderungen. Was gibt es sonst noch? Zahlreiche neue Häuser, egal ob mit oder ohne Baugenehmigung errichtet, Eisenbahnsignale, damit sich auch die Triebfahrzeugführer zurechtfinden (sogar mit Unterscheidung nach Haupt-/Vorsignal), es gibt einen Beamtenparkplatz, eine falsche Blitzkiste und ein Bettgestell (hing mal an der Wand bei der Ochelbaude). Das Porschdorfer Christohaus habe ich zur Erinnerung „verewigt“, es ist inzwischen abgerissen worden. Fahrwege wurden asphaltiert und sind nun Straßen, es gibt aber auch zugewachsene Wege und umgelegte Wanderwege. An den Wegweisersignaturen im Nationalpark stehen Notfallnummern. Von Irmtraut Hille stammt der Flurname „Krietzschelgraben“ und die nach Sebnitz eingemeindeten Orte der Gemeinde Kirnitzschtal sind jetzt Panoramadörfer. Die Stelle des Felssturzes der Eintagsfliege ist eingetragen, mit Tag und Uhrzeit und Gipfelsignatur, diese allerdings nur hellgrau.

Insgesamt vielleicht 350 Änderungen. Wer es ganz genau wissen will, für den gibt es hier ein Differenzbild zwischen alter und neuer Auflage.

Die in der Vorauflage eingetragene Hochwasserlinie vom 3. April 2006 habe ich in der Karte belassen, ein wenig aus Faulheit, aber auch zur Information. Da stellt sich natürlich die Frage, wieso dann nicht die viel höheren 2002er/2013er Hochwasserlinien eingezeichnet sind. Nun, mit so einem HQ25 wie 2006 (Pegel 8,88 m) werden wir in den kommenden Jahrzehnten schonmal irgendwann wieder einmal Bekanntschaft machen – ob wir das wollen oder nicht. Für alle, die bis dahin vergessen haben, was eine Hochwasserprognose Pegel Schöna 8,88 m bedeutet, gibt es diese Linie in der Karte. Ein HQ 100 hingegen, 2002 (Pegel 12,02 m) oder 2013 (Pegel 10,65 m), möge uns die kommenden 150 Jahre bitte erspart bleiben.


01.08.2017: Rewilding. Zur kritischen Lektüre empfohlen

„Das Rewilding mit streng geschützten Grossraubtieren führt zum Untergang der jahrtausendealten alpinen Kulturlandschaft mit ihrer durch Alpwirtschaft einzigartigen hohen Biodiversität.“ Georges Stoffel

Ich bedanke mich für den Hinweis auf Georges Stoffels Aufsatz „Die Frage eines Beitritts zu einem Parkprojekt. Die komplexen Hintergründe des „Rewilding“ und des „Zurück zur Wildnis“ mittels Pärken und der Ansiedlung von Großraubtieren“, den ich auf dem Kirnitzschtalfest erhielt. Prädikat zur kritischen Lektüre empohlen.

Nein, nein, es geht hier vordergründig nicht um die Debatte „Wolf ja oder nein“. Dass der Wolf im Elbsandstein eine ganze Kulturlandschaft zum Verschwinden bringen wird, ist hier ja auch glücklicherweise nicht zu befürchten. Es geht um viel Umfassenderes. Der Aufsatz unterstellt der internationalen Naturschutzorganisation IUCN unter Federführung von Naturschutz-Professoren, wie z. B. dem „Wolfspapst“ Prof. Boizani, Uni Rom, die einheimische Bevölkerung aus dünnbesiedelten ländlichen Räumen regelrecht rauszugraulen, indem die Grundlagen einer ländlichen Lebensweise systematisch untergraben werden. Die Operationen sind langfristig angelegt und erfolgen teilweise verdeckt. Da sind schon Parallelen bei uns im Elbsandstein zu beobachten. Ein gewisser Trend, weg von der Kulturlandschaft, hin zu etwas, was wir gern als Naturlandschaft begrüßen, dass dann aber doch nicht ganz so märchenwaldhaft, urtümlich und romantisch ist, gibt es hier nämlich auch. Das Zuwachsen der Landschaft, das Verwildern von Wiesen, der Borkenkäfer, Drüsisches Springkraut, Brennessel- und Birkendickicht, das allmähliche Unwegsamwerden der Landschaft, mir fällt da schon was sein. Der Bevölkerungsschwund in den Orten der Sächsischen Schweiz, immer mehr Häuser werden zu Ferienwohnungen. Ähnlich, wie in den Alpen. Den Waldumbau in unserem schönen Nationalpark besorgen Großgeräte nach zeitgenössischem Stand der Technik, hässliche Rückegassen ersetzen das jahrhundertealte Forstwegenetz. Aber der Wanderer gilt als Störer, der „alles kaputt macht“, sobald er von einem „erlaubten“ Weg abweicht. Wo wir uns einbilden, dass es „immer mehr Naturlandschaft wird“, wenn wir so „Rewilding“-Konzeptionen bevorzugt an Computern zurechtbasteln — kommt da auch immer eine hübsche Prise Naturferne, Maßlosigkeit und Naturentfremdung mit rein. Pilzkenner wissen: Ein Bitterpilz reicht aus.

Vor einigen Jahren hörte ich an einem oberlausitzischen Walpurgisfeuer die Geschichte, dass „Naturschützer“ eine in Polen eingefangene Wölfin für einen bereits eingewanderten Rüden über die Neiße gebracht haben sollten. Zunächst wenig glaubhaft, aber ein wenig auffällig war dann schon, wie vehement das dann vom sächsischen Wolfsmanagement bestritten worden ist. Haltlos, unzutreffend, völlig aus der Luft gegriffen. Nach der Lektüre von Stoffels Aufsatz erscheint das in einem etwas anderen Licht. Doch wie gesagt, das Themenfeld ist umfassender. Es geht um die Natur in uns. Das kleine Wölfilein, Luchsilein oder Bärchen — du meine Güte.

Vgl. hier auch das Buch von Werner Bätzing: „Zwischen Wildnis und Freizeitpark. Eine Streitschrift zur Zukunft der Alpen“. Zugegeben etwas akademisch geschrieben, aber mit durchaus prophetischer Sehergabe.

• Homepage Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere www.lr-grt.ch

• Zur Kritik der Methode, wie das Bundesamt für Naturschutz in Deutschland Studien manipuliert, um den Menschen zu unterstellen, sie würden gern aus der Natur herausgeschützt werden, verweise ich auf meine „Kritik Naturbewusstsein 2013“.

• Zur Kritik der Methode, wie in Deutschland Nationalparke angelegt werden, verweise ich auf meine „Schwarzwaldseiten“.


24.07.2017: Der Einheitswegweiser

Foto: Klaus Thilman

Den Wegweiser der Woche hat Klaus Thilman am Weg von Hartmannsmühle auf den Geising entdeckt. Gleich in Formalin einlegen. Ein wertvolles Fundstück für die Präparatesammlung von Dr. Böhms Wanderwegeklinik.


13.07.2017: Gleisbau im Elbsandstein

Wandertipp nach Lohsdorf

In Lohsdorf tut sich was. Da wird gerade ein kleines Stück der alten 750-mm-Eisenbahnstrecke Kohlmühle – Hohnstein wiedererrichtet. Der Schwarzbachbahn e. V. baut Gleise in Richtung Unterehrenberg. Auch eine Brücke gehört dazu, am vorletzten Wochenende (08.07.2017) hat der Kran schonmal den Träger eingehoben. Schonmal vormerken: Am 26./27.08.2017 ist Bahnhofsfest auf dem Bahnhof Lohsdorf. Da ist vorgesehen, den neuen Gleisabschnitt einzuweihen. Ordentlich spenden, damit es vorwärtsgeht.

Und natürlich kommt die Gleisverlängerung auch gleich in die nächste Auflage meiner Wanderkarte der Sächsischen Schweiz mit hinein. Am 29./30.07.2017 ist Kirnitzschtalfest. Da gibt es einen Böhmwanderkartenstand im Depot der Kirnitzschtalbahn. Mal sehen, ob ich die Karte da schon dahaben werde ...


26.06.2017: Monat der ungefassten Quelle

Wenn man draußen ist, braucht man Wasser und das gibt es in Quellen. Die kennen wir als ein Rohr, das aus einem Mäuerchen kommt, was eine „gefasste Quelle“ ist. Die gibt es im Linkselbischen, wo der Trekkingpfad Elbsandsandstein entlangführt, allerdings kaum. Also erinnern wir uns wieder einmal an die Urform der Quelle, die ungefasste Quelle. Da kommt einfach Wasser aus der Erde.

Ja, geht denn das? Mit den Wildschweinen aus einem Loch trinken? Na klar doch, das haben wir Menschen einige Zehntausend Jahre so gemacht. Man braucht da auch keinen Filter, keine Wasser-Entkeimungstabletten und kein „Abkoch-Set“. Sinnvoll sind allerdings eine kleine Schaufel und ein Trinktopf. Begehen wir also mal den Monat der ungefassten Quelle. Quellwasser ist ideales Trinkwasser und – sehr gesund.

Wie man ungefasste Quellen findet? Sehr viele sind in meiner „Großen Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000“ in der linkselbischen Sächsischen Schweiz eingetragen. Ein bisschen suchen muss man allerdings schon. Die Quelle sollte einigermaßen sauber sein und gut schütten, >1 l/s, was meist der Fall ist. Übrigens: In Kürze erscheint eine Neuauflage des Titels, in dem der deutsche Teil des Trekkingpfades eingetragen sein wird. Ich bin da gerade drüber her.

Nachbemerkung: Ich komme gerade von einer „Testwanderung“ aus dem Nordschwarzwald (wollte mal nachgucken, wie die das mit Nationalparks anderswo machen), auch da gibt es massenhaft ungefasste Quellen.


01.06.2017: Deutsch-tschechische Zusammenarbeit beim Abstrafen von Wanderern

Himmelfahrt auf dem Grenzweg

Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, wurden Wanderer am Himmelfahrtstag beim Begehen des Grenzweges im Winterberggebiet von Nationalparkrangern kontrolliert und mit 50,00 € Bußgeld bestraft. Dies war dadurch verfolgbar, weil die deutschen und tschechischen Ranger gemeinsamen auf Kontrollgang gegangen sind.

1. hier dazu ganz klar meine Meinung: Wir sind nun mal ein Nationalpark, da gibt es Wegegebote und Wegverbote und wer gegen diese verstößt, wird nunmal bestraft.

2. Über die Begehungsrechte im Nationalpark entscheidet die Wegekommission.

3. Ist es aber eine Ordnungswidrigkeit, wenn man den Grenzweg entlanggeht? Als in der Wegekommission über den Grenzweg beraten wurde, konnte kein Einvernehmen hergestellt werden. Daher ist der Grenzweg zwar kein ausdrücklich erlaubter Weg, aber ein verbotener Weg ist es auch nicht. Der Grenzweg ist vielmehr ein Weg dessen Begehungsrecht offen ist.

4. Hierzu gab es sogar einmal einen Gerichtstermin. Ist schon eine Weile her. Der seinerzeitige Zweite Vorsitzende des Sächsischen Bergsteigerbundes Lothar Hempel hatte zu einer Wanderung auf dem Grenzweg, als einem von einer Sperrung bedrohtem Weg aufgerufen. Er wurde daraufhin von der Nationalparkverwaltung zur Rechenschaft gezogen. Es kam zu einem Gerichtstermin. Bei diesem wurde die Klage der Nationalparkverwaltung allerdings abgewiesen. Auch das spricht eher für ein offenes Begehungsrecht.

Darüber, ob das Begehen des Grenzweges eine Ordnungswidrigkeit ist, kann man also durchaus geteilter Meinung sein. Die Wanderer haben die 50,00 € bezahlt. Rechtsweg? Widerspruch, Gerichtstermin? Lieber nicht. Auch wenn ich da selber ein paar wasserdichte Argumentationslinien hätte. Vor Gericht und auf Hoher See, könnte sein, geht schief. Klar, am Ende erhält da vielleicht die Nationalparkverwaltung ein Urteil, dass sämtliche Wegsperrungen wegen irgendeiner Formsache nichtig sind. Es könnte aber auch sein, wir Wanderer kriegten es schwarz auf weiß, dass nur noch derjenige im Elbsandstein wandern darf, der vorher sämtliche Frösche und Eichhörnchen durchgezählt hat. Verschlechterungsverbot mit Beweislast beim Verursacher, Irgendsoetwas.

Also: Ball flach halten. Wer im Glashaus sitzt, werfe nicht mit Steinen. Es ist Natur und der Natur Himmelfahrt muss es nicht unbedingt der Grenzweg sein. Und mal ehrlich, was würde ich wohl selber machen, wenn ich in der Nationalparkverwaltung den Ranger-Dienstplan für Himmelfahrt machen müsste? Wo würde ich meine Leute wohl hinschicken? Doch nicht auf den Basteiparkplatz. Grenzweg, ideal. Und, klar, da auch mal bei der tschechischen Nationalparkverwaltung anrufen, ob die nicht mitkommen würden. Denn die tschechischen Kollegen haben natürlich auch keine Lust, sich von den Wanderern, die dann immer ganz schnell mal „in dem anderen Land“ sind, auf der Nase rumtanzen zu lassen.

Himmelfahrt muss man schon bissl Nägel mit Köpfen machen. Wegekommission – du meine Güte.


31.05.2017: Über das sächsische Waldgesetz, das Daodesching, die Riten und die Naturentfremdung

Waldbrand in den Schrammsteinen

Am Vorpfingstwochenende gab es den ersten (und hoffentlich einzigen) wanderverursachten Waldbrand 2017 in den Schrammsteinen. War in den Vorjahren auch schon ähnlich. Wir Wanderer sind immer einigermaßen bedeppert, wenn „unsere Kollegen“ Waldbrände verursachen. Die dann die Freiwillige Feuerwehr Bad Schandau mit Kollegen und Bunderwehr-Hubschraubern löscht. Es sind dann typisch 40 Mann zwei Tage draußen im Wald, nachdem an so einem Super-Wanderwochenende – eben „die Wanderer“ draußen waren. Und die Stadt Bad Schandau kostet das dann immer ungefähr 20.000,00 €. Wenn das so weitergeht, werden die noch auf die Idee kommen, Eintritt für den Wald zu verlangen.

Das ist alles ein riesengroßer Mist. Denn es ist ja gar nicht so, dass Feuer im Wald völlig verboten ist, Nationalparkverwaltung und Forst sind naturverbundene Behörden, die tun, was sie können, um uns Wanderern das älteste Kulturgut der Menschheit Feuer im Wald nach wie vor möglichst zu erlauben. Seit 2000 Jahrhunderten machen wir Menschen Feuer im Wald. 1900 Jahrhunderte Urzeit, 80 Jahrhunderte Kulturzeit vor Christi Geburt und seit dem sind nun auch schon wieder 20 Jahrhunderte vergangen. Seit 200.000 Jahren gehört Feuer zu unserem Leben, Feuer ist heiß und gefährlich man muss da aufpassen. Warum machen wir dann an so einem schönen trockenen Vorpfingstwochenende im Wald Feuer? Im 21. Jahrhundert haben wir es endlich zu einem Grad an Naturferne gebracht, dass wir es uns offenbar völlig verbieten müssen. Aber dann immer Naturentfremdung, Vollkasko-Mentalität und Künstlichkeit beklagen.

Ich sitze traurig in meinem Büro und rekapituliere § 15 (1) des Sächsischen Waldgesetzes, sowie das Daodesching. § 15 (1) des Sächsischen Waldgesetzes lautet:

       Im Wald oder in einem Abstand von weniger als 100 Meter
       vom Wald darf außerhalb einer von der Forstbehörde errichteten
       oder genehmigten Feuerstelle nur mit Genehmigung der Forstbehörde
       Feuer angezündet, unterhalten oder offenes Licht gebraucht werden.

Der Gesetzestext zeigt: Feuer im Wald ist nicht völlig verboten. Theoretisch. Praktisch sollten wir es doch lieber sein lassen.

Hier ein Bild von einem Feuer im Wald, mit dem wir die Tradition des Feuers im Wald an unsere Kinder (und damit in das 22. Jahrhundert hinein) weitergeben:

Von der Forstbehörde genehmigtes Feuer

Es handelt sich hier um ein von der Forstbehörde genehmigtes Feuer.

Kap 74. des Daodesching lautet:

       Töten soll nur, wer zu Töten befugt ist.
       Wer tötet statt seiner,
       ist wie der Lehrling,
       der das Beil schwingt an Stelle des Meisters.
       Wer statt seiner das Beil schwingt,
       zerhackt sich leicht die Hand.
       
(Übersetzung von Ernst Schwarz, Reclam 1978, in Duden-Orthographie)


19.05.2017: Dr. Böhms Kneipp-Kur-Tipp für Himmelfahrt

Am Bahnhof Jedlova hat Karl Stein seinen Freund Affi getroffen. Was beweist: Der Bahnhof Jedlova ist der schönste Bahnhof der Welt. Natürlich mit einer ordentlichen Bahnhofsgaststätte ...

Zwei Bahnsteige, vier Gleise, Lichtsignale, ein Fahrdienstleiter (der die Züge ordentlich mit Zp9 abfahren lässt) ...

Von wo aus es natürlich auf den Tannenberg geht. Wo oben natürlich auch ein Gasthaus steht ...

Der Clou am Bahnhof Jedlova ist übrigens, dass du dort nicht mit dem Auto hinkommst. Nur zu Fuß oder mit der Bahn ...


01.05.2017: Forststeig Elbsandstein

Wir sind wieder rein.

Weg im Elbsandstein

94,65 km Trekkingpfad liegen hinter Hartmut Landgraf, meiner Frau und mir. Leider haben wir es in den ursprünglich geplanten 4 Tagen nicht geschafft, wir haben 6 Tage benötigt. Meinen Testwanderbericht und viel mehr gibt es nun hier.

Und hier gibt es Hartmut Landgrafs Reportage von der Tour.


01.05.2017: Achtung, Inflation

Leider habe ich mal wieder im Kampf gegen die Inflation verloren. Nach vielen Jahren, die es mir gelungen ist, die Preise meiner Titel stabil zu halten, werden etliche meiner Karten ab Mai 2017 einen Euro teurer. Bei der „Großen Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000“ stammt die vorige Preiserhöhung noch aus dem Jahr 2003 – falls sich noch jemand erinnert: Das war die „Teuro-Welle“. Lange her, Ladenpreis ging damals von 9,50 DM auf 5,80 € hoch. Falls sich noch jemand erinnert, was einmal eine Deutsche Mark gewesen war.

Ich denke, 6,80 € ist kein zu hoher Preis, dafür gibt es von mir auch weiterhin ordentliche Karten, in denen ein ganzes Stück Arbeit steckt. Spartipp: Große Karte kaufen, da sind die Parkplätze in gebührenpflichtige und gebührenfreie Parkplätze unterschieden. Zweimal gebührenfrei geparkt (z. B. Ziegenrücken-Parkplatz oder Sturmbauers Eck oder „am Thorwald“) – und schon hat sich die Karte amortisiert.

Manche Parkplätze kosten mittlerweile auch schon 6,00 €, was 2003 noch 3,00 € kam. Da reicht dann auch schon – einmal parken.


10.04.2017: Forststeig Elbsandstein

Bevor das Testwandern beginnen kann: Ab 20. April bin ich paar Tage weg.

Weg im Elbsandstein

Gemeinsam mit meiner Frau Karla und Sandsteinblogger Hartmut Landgraf heißt es dann, die Seele des Trekkingpfades Forststeig Elbsandstein zu erkunden. Nein, das ist kein Wanderkartenprojekt, dafür ist der Trekkingpfad mit einer Lebendlänge von 96,5 km – Kartenlänge in 1:10000 9,65 m – schlicht viel zu lang. Was dann? Der Urgrund unter dem Wandern ist das Draußensein. Nicht nur so bissl rumtippeln, von vormittag um 10 bis nachmittags um 5, sondern tagelang im Wald sein und keinem Menschen begegnen. Sozusagen eine Proto-Testwanderung. Das heißt bei mir: Feldbücher mitnehmen. Der Trekkingpfad ist erst noch im Entstehen, der „Körper“ sozusagen, noch gar nicht ganz fertig entworfen. Manche Passagen gibt es noch gar nicht. So richtig soll es mit dem Trekkiingpfad erst 2018 losgehen. Doch die Trekkinghütten und -biwaks zum Übernachten stehen schon. Die werden bei der Gelegenheit örtlich aufgenommen und kommen in die nächste Auflage meiner Großen Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000 rein. Eine Signatur habe ich auch schon gemacht.

Ein herzliches Dankeschön geht an Anke Findeisen₃ und Uwe Borrmeister von Sachsenforst, sozusagen den „Eltern“ des Trekkingpfades.


29.03.2017: Neuauflage „Nikolsdorfer Wände“

Nikolsdorfer Wände

Die Karte „Nikolsdorfer Wände 1:10000“ war einige Zeit vergriffen und ist ab sofort wieder lieferbar – mit 416 Änderungen ist sie nun wieder auf den neuesten Stand gebracht. Was sich bei so einer Nachauflage alles ändert? Es gibt größere Änderungen, z. B. stillgelegte Schächte bei der Wismut – aber auch kleinere Änderungen, so z. B. die Klobude an der Naturbühne Nikolsdorf oder einen „neuen“ freilaufenden Bullen im Höllengrund. Leider haben wieder einmal zwei Gasthäuser zugemacht, Gasthaus Langenhennersdorf und Gasthof Hermsdorf. Dort steht zwar noch „Gasthof Hermsdorf“ in der Karte, der Bierkrug ist aber weg und das bedeutet: Gasthaus geschlossen, „Gasthof Hermsdorf“ ist nur noch ein Flurname. Dafür gibt es jetzt ein neues Café in der Landbäckerei Schmidt, das man als Wandergasthaus durchaus empfehlen kann. Eigentlich müsste da sogar ein Aussichtspunkt dran, denn von der Terrasse hat man eine sehr schöne Fernsicht bis zum Borsberg. Vorn ist ein Teich, aus dem der Graureiher die Goldfische rausfuttert und dahinter tuckern die Laster auf der B 172 gemütlich vor sich hin.

Ich bedanke mich herzlich bei Karsten Krasselt, der viele Kilometer Weg abgegangen ist und bei der Druckerei Thieme Meißen, wo die Karte in 1a-Qualität gedruckt worden ist.


15.03.2017: Der Steinerne Tisch hat wieder auf ...

Frühlingssonne auf dem Brand

Das ist aber eine schöne Überraschung. Der „Steinerne Tisch“, der jahrelang geschlossen hatte, macht wieder auf. Endlich gibt es ein paar neue Eigentümer, die das alte Waldgasthaus aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Wochenenden ist schon ein bisschen Gasthausbetrieb. Na dannn mal los, auf in den Basteiwald und im Steinernen Tisch einreiten.


07.03.2017: Ministerin verspricht freies Betretungsrecht in einem potentiellen deutschen Nationalpark

Tauwetter in der deutschen Nationalparkpolitik?

Die Bayerische Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz Ulrike Scharf (CSU) hat im Landratsamt Miltenberg umfassend mit Verbandsvertretern über einen möglichen Nationalpark Spessart gesprochen.

„Während [...] laut Scharf noch etliche Fragen offen sind, hatte die Ministerin am Ende doch eine konkrete Aussage parat: In einem Nationalpark im Spessart wäre aus naturschutzfachlicher Sicht ,nach aktuellem Kenntnisstand‘ kein Wegegebot nötig, erklärte Scharf gegenüber der Presse. Das von vielen Nationalparkgegnern in Gefahr gesehene freie Betretungsrecht für den Spessartwald bliebe demnach erhalten.“ (Mainpost, 08.03.2017, Hervorhebungen v. V.)

Würde das stimmen – und das Wort einer Ministerin wiegt ungleich schwerer, als irgendwelche unverbindlichen Texte auf Umweltseiten von Nationalpark-Befürwortern – wäre dies nicht weniger als eine mittlere Sensation. Ein a priori freies Betretungsrecht in einem Nationalpark wäre nicht weniger, als ein weitgehender Paradigmenwechsel in der deutschen Nationalparkpolitik der letzten 40 Jahre. Kein Wegegebot hieße, weder ein allgemeines, noch ein strenges Wegegebot. Der Wanderer dürfte dann sogar von Wegen abweichen, wobei sich Mittelgebirgswanderer freilich meist an Wege halten und nicht abseits der Wege zu laufen pflegen. Wir verstehen unter Wegen wohlgemerkt das vollständige Wegenetz, nicht nur etwa, dass nur die markierten Wanderwege als Wege gelten würden.

Tatsächlich ist irgendeine allgemeine naturschutzfachlich-positive Wirkung (mehr oder weniger strenger) Wegegebote noch nie nachgewiesen worden. Einzige Folge ist eine „großflächige Ruhigstellung“, das „Herausschützen des Menschen“. Ein solches kann man sogar als der IUCN-Definition Nationalpark (Kategorie II) zuwiderlaufend ansehen. Tatsächlich ist Wandern im Wald etwas für die Natur völlig harmloses. Insofern wäre es nicht ungewöhnlich, auch aus Naturschutzsicht ein freies Betretungsrecht zu vertreten. Insofern ist die Aussage der Ministerin durchaus nachvollziehbar. So könnte man endlich einmal einen von der Bevölkerung breit akzeptierten Nationalpark in einer Wanderlandschaft schaffen.

Noch ist ein wenig Skepsis geboten. Wir befinden uns mitten in einer Debatte. Wie Erfahrungen mit anderen Nationalparks zeigen, steckt der Teufel ganz oft im (von der Öffentlichkeit wenig beachteten) Detail.

Auf den Nationalpark Sächsiche Schweiz übertragen, könnte dies ein Lichtblick sein, das strenge Wegegebot in unserer Kernzone abzuschaffen und durch ein allgemeines Wegegebot zu ersetzen. Völlig ungewöhnlich wäre ein freies Betretungsrecht in Nationalparks übrigens nicht; es gibt sehr wohl Nationalparks in Deutschland (Berchtesgaden) und außerhalb (partiell Böhmische Schweiz) ohne ein Wegegebot. Aus dem Bayerischen Wald gibt hingegen unterschiedliche Nachrichten. In vielen Nationalparks (Jasmund, Darß, Eifel, Harz, Sächsische Schweiz, Schwarzwald) freilich wird das Wandern überaus massiv reguliert.

Abwarten. Wollen mal hoffen, das „freie Betretungsrecht“ ist nicht nur ein politischer Trick der Ministerin, um die zahlenmäßig große Klientel der Wanderer zu gewinnen. Und so eine Bresche in die Nationalparkgegner zu schlagen. Gerade mit Wegesperrungen wird in Nationalparks überaus viel getrickst, und schließlich hat sich Frau Scharf ja das Hintertürchen mit dem „Kenntnisstand“ offengehalten.

Auch: Frau Scharf mal nicht zu sehr festnageln. Es ist eine Aussage mitten in einer hochemotionalen Debatte. Fast erinnert mich Frau Scharf ein wenig an Gerhard Schabowski. Vielleicht ist ihr das vielleicht nur mal so rausgerutscht, vor der Presse. Man kann es ja kaum glauben. Erstmals benutzt eine Umweltministerin den Terminus „freies Betretungsrecht“ in positiver Assoziativität für die Wandernden bei einer Nationalparkgründung von vornherein. Damit kehrt sie die bisherigen Wanderer-Stör-, Kanalisierungs- und Herausschützaxiome des deutschen Naturschutzes völlig um.

09.03.2017. Wir finden die Aussage von Ministerin Scharf (Quelle ehemals "http://www.ulrike-scharf.de/index.php?ka=1&ska=-1") von ihr selbst bestätigt: „Der Spessart hat etwas Magisches. Der freie Zugang zum Wald ist den Menschen in der Region sehr wichtig. Ich habe deshalb eine erste überschlägige Prüfung veranlasst. Nach aktuellem Kenntnisstand liegen keine naturschutzfachlichen Gründe für ein Wegegebot vor.“ Da freuen wir uns auf den Frühling.

Gratulation, Frau Scharf. Ich bin überaus positiv angetan. Und nehme bezüglich des folgenden Abschnittes ,nach aktuellem Kenntnisstand‘ bis auf Weiteres „schonmal alles zurück und behaupte das Gegenteil.“

 

02.02.2021 (Linktest): Ulrike Scharf ist mittlerweile nicht mehr bayerische Umweltministerin. Aha, Politikerin „verdampft“, hinterlässt poliktypisch leere Versprechen? Nein, andersherum. Eben, weil Frau Scharf „nur Politikerin“ war und nicht der tradierten Naturschutz-Lehrmeinung frönte, konnte sie vorausdenken, wie man etwas auch besser machen kann. Ihre Worte haben als die einer ehemaligen Umweltministerin nach wie vor Gewicht. Dazu müssen wir uns nur ihrer erinnern und dürfen Frau Scharf nicht vergessen.


01.03.2017: Polizei bittet um friedlichen Ablauf

Einfach mal „Nationalpark Spessart“ googeln

Polizei und Stadt Aschaffenburg bereiten sich gemeinsam vor. Polizei bittet um friedlichen Ablauf. Da denkt man doch gleich an irgendwelche politischen Demos, aber nein, es geht um was anderes: Da soll ein Nationalpark gegründet werden: Der Nationalpark Spessart. Und die Leute demonstrieren was das Zeug hält und machen Mahnfeuer gegen einen Nationalpark.

Wenn man bei "http://www.umweltstiftung.com/projekte/naturschutzoffensive-fuer-deutschland/dritter-nationalpark-fuer-bayern/" reingeguckt hat, merkte man, was da abging. Der Landtagsabgeordnete Peter Winter (CSU) hat geschrieben: „Das Betreten, wie wir es derzeit gewohnt sind, wird es dann nicht mehr geben“ – wenn erst einmal ein Nationalpark gegründet ist. Und auch, dass „der unbegrenzte Zutritt in den Wald dann nicht mehr machbar sein wird.“ Na da hat er doch voll recht, oder etwa nicht?

Doch bei der Umweltstiftung sind dies „irreführende Behauptungen“, die dazu geeignet seien „die Bürger im Spessart gegen den Nationalpark aufzustacheln“. Peter Winter wird als Lügner bezeichnet und als Pinocchio karikiert. Die wissen wohl nicht, was ein Natioinalpark ist?

Im Prinzip könnte so ein Nationalpark eine brauchbare Sache sein, wenn es ehrlich mit den betroffenen Menschen gemeint würde. Warum geht das eigentlich nicht, ohne dass die Leute pausenlos von den Umweltstiftungen, Umweltministerien und Umweltverbänden systematisch für dumm verkauft und hinters Licht geführt werden, wie es die Webseite www.umweltstiftung.com macht? Wir in der Sächsische Schweiz wissen ja bissl, wie es in einem Nationalpark zugeht, haben uns damit so leidlich eingerichtet, versuchen die Vorteile zu nutzen und mit den Nachteilen halbwegs hinzukommen. Wäre ja nicht schlecht, mit allen Beteiligten einen Natonalpark Spessart ehrlich in Angriff zu nehmen. Bei so viel Verlogenheit und dummer Propaganda wie auf dieser Umweltstiftungs-Webseite kann man den Leuten im Spessart allerdings nur raten, da lieber die Finger von zu lassen. Wenn die schon ganz am Anfang so losmachen, woher denn dann die Hoffnung nehmen, dass es später besser werden könnte? Schlimmstenfalls ist so ein Nationalpark nichts Gutes. Bestenfalls (und dazu rechne ich den Nationalpark Sächsische Schweiz, hier hat der SBB das Wandern außerhalb der Kernzone einigermaßen erhalten können) ist es Stress – den man ohne Nationalpark nicht hätte. Das braucht ihr euch im Spessart nicht anzutun.

Auf der Webseite des Landtagsabgeordneten Günther Felbinger (Freie Wähler) kann man nachlesen, dass irgendwelche Leute schon damit anfangen, Wegdichten im Spessart in km/100 ha ausrechnen, 2,94 km/100 ha haben die rausgekriegt. Na so geht es doch los! Da weiß man doch schon, in welche Richtung die Post da abgehen wird. (Nebenbei, bei uns sind Werte wie 11,845 km/100 ha typisch – aber wer will sowas schon wissen? Sowas interessiert nämlich nur „Wanderbegängnis-Beunruhigungs-Nachweis-Analytiker“ in Nationalpark-Gründungsbehörden.)

Der BUND ist moderater im Ausdruck, inhaltlich aber kaum besser, als die Umweltstiftung. Auch hier ist zu lesen, dass „Peter Winter ohne genaue Faktenkenntnis die Menschen in unserer Heimat gegen die Idee eines Nationalparkes im Spessart einzunehmen“ versucht. Nee, nee, ich denke, Peter Winter hat, was die Wegesperrungen anbetrifft, eine ausgezeichnete Faktenkenntnis. Vor allem extrapoliert er ausgezeichnet aus anderen Nationalparks in den Spessart und sieht da genau das kommen, was in anderen Nationalparks gekommen ist.

Wir versuchen hier im Elbsandstein seit Jahr und Tag, das „strenge Wegegebot“ in der Kernzone, das den Wanderer auf 80 % aller Wege kriminalisiert (und da tuckern die zwischendurch mit schwerer Technik rum und machen Holz) abzuschaffen. Es wäre ja durchaus wünschenswert, sinnvoll und naturschutzfachlich nicht schädlich, dass man in einem angedachten Nationalpark Spessart zur Abwechslung mal wie bisher gewohnt, unbegrenzt betreten könnte (Zitat Peter Winter). Allein, hier auch mal jüngere Entwicklungen im Schwarzwald auswerten, woher soll da Hoffnung kommen?

07.03.2017 (Dementi): Hoffnung kam von der Bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf am 07.03.2017 in Miltenberg. Ich nehme bis auf Weiteres alles zurück und behaupte das Gegenteil.

Weitere Beiträge zu Nationalpark, Naturschutz usw. gibt es auf meinen Draußensein-Seiten.

 

02.02.2021 (Linktest): Wie verlautet, ist aus dem Nationalpark Spessart nichts geworden. Laut Wikipedia, waren da die „Holzabbau-Unternehmer“ schuld. Könnte es aber auch sein, die Leute, die da wohnen wollten einfach weiterhin ohne Kampf und schlechtes Gewissen in ihren Wald raus dürfen.


27.02.2017: Der Frühling hat begonnen

Frühlingssonne auf dem Brand

Wer es noch nicht gemerkt hat: (Vorvor)letztes Wochenende, am 25./26. Februar, ist der Frühling losgegangen. Also gleich mal auf den Brand gewandert. Ist das nicht schon eine wunderbare Frühlingssonne? Vorn im Bild liegt der letzte Schnee. Nicht mehr viel ...


10.02.2017: Februar im Elbsandstein

Foto: Karla Gottschalk-Böhm Foto: Karla Gottschalk-Böhm Februar im Elbsandstein

Und nach wie vor ein wunderbarer Winter in den Bergen der Sächsischen Schweiz. Mein Wandertipp: Großer Zschirnsteinwald zwischen Kleingießhübel und Rosenthal.

  • Wunderbare Waldeinsamkeit, man trifft den ganzen Tag nicht einen Menschen.
  • Endlich mal die Hauptwege lang, die im Sommer als zu langweilig gelten. Hauptwege sind alle geschoben, nicht nur die großen Täler, sondern auch Hühnerbergweg, Gliedenbachweg, Schifferweg etc. Die Nebenwege sind hingegen wegen Harsch eher nur „durchkämpfbar“.
  • Rasttipp: Taubenteich (da darf man sogar Feuer machen) oder Rosis Hütte (Waldrand Rosenthal Winterleitenstraße).
  • Kneipentipp: Katzsteinbaude „die Kneipe für den Wanderer“. Sonnabend und Sonntag geöffnet, einwandfrei.
  • Zusatztipp: Dabei gleichmal nachgucken, wo die Trekkinghütten sind, in denen man im Sommer mal „boofen“ kann.
  • Parkplatztipp: Parkplätze Kleingießhübel, oberhalb Forstmühle, Bad Cunnersdorf (genaue Lage: 30000er Karte) sind geschoben und, wie in der Gegend dort immer, kostenlos.
  • Dank an Rosi für das Schmücken von Rosis Hütte (samt Weihnachtsbaum) und an den Forst fürs Schieben der vielen Wege.

Einen Winderwandertipp gibt auch Karsten Krasselt: hier.


02.02.2017: Nationalpark Schwarzwald

Es gibt ein Wegekonzept für den Nationalpark Schwarzwald. Auf einer langen einsamen Wanderung mit Bernd Arnold hat mich der Winter ein wenig melancholisch gemacht und ich musste lange darüber nachdenken. Der alte große Wald vom Holländermichel hat mir keine Ruhe gelassen ...


31.01.2017: Januar im Elbsandstein

Winterbild von Bernd Arnold Winterbild von Bernd Arnold

Sächsische Schweiz: Wandern im Winter geht nicht, Nebensaison, kein Schnee? Das stimmt so nicht ganz. Die „Wintereigenart“ des Elbsandstein lautet, „man muss die Feste feiern, wie sie fallen“. Abwarten, bis Schnee kommt, wenn, dann raus zum Wandern. Genau das ist jetzt der Fall. Es liegt ordentlich Schnee, also schnell entschlossen los.

Hier Rolf Böhms Wintertipps zum Wandern in der Sächsischen Schweiz:

  • Bei Windstille ist es bis -5 Grad gerade noch nicht kalt.
  • Im Schnee lassen sich super Spuren lesen und verfolgen. So kann man prima Wege finden.
  • Man kann durch den Laubwald weit hindurchsehen und sieht viel weiter, als im Sommer.
  • Im Winter lassen sich auch mal gut die Hauptwege bewandern, die einem im Sommer vielleicht nicht so viel geben: Brandstraße, Zeughausstraße, Untere Affensteinpromenade. Selbst auf sonst stark begangenen Hauptwegen bist du im Winter ganz einsam.
  • Aber auch viele Nebenwege sind zur Zeit sehr gut fußläufig gespurt. Man kommt überall sehr gut durch.
  • Mein Hobby: Selber durch Neuschnee gehen und dabei Spuren neu anlegen. Es dauert, Richtwert 1 km/h. Und man soll keine Angst vor nassen Füßen haben, irgendwann sind die besten Schuhe nass. Macht aber nichts. Es ist wunderschön einen unbelaufenen Weg für Nachfolgende neu gespurt zu haben. Und eine Woche später gehen dort vielleicht schon mehrere Spuren entlang.
  • Derzeit Vorsicht vor so Zeugs wie Hirschgrund oder Rahmhanke. Könnte glatt sein.
  • Meine eigenen Gasthaus-Ermittlungen Januar 2017: Auch in der Woche geöffnet haben Brandbaude, Schrammsteinbaude (nee doch zu, Inhaberwechsel), Basteirestaurant, Forsthaus im Kirnitzschtal, am Wochenende Waldidylle, Wachbergbaude, Pfaffenstein. Gibt aber gewiss noch viele andere geöffnete Häuser.
  • „Geheimtipp“: Winterdorf Schmilka, gilt nicht als ganz billig, aber egal, jeden Tag was los. Die tun was, um im Winter durchzukommen.
  • An der Buschmühle soll ein Iglu stehen.


01.01.2017: Ein fröhliches und gesundes 2017

mit vielen Entdeckugen, vielen Wanderungen auf allen großen und kleinen Wegen — und niemals verlaufen, mit oder ohne Böhmwanderkarten. Das wünsche ich dem gesamten Wandervolk. Das passende Bild dafür erhielt ich soeben von Rainer Rönsch aus Dresden aus Rückenhain (Ortsteil von Glashütte):

Actionitis: Bildautor Rainer Rönsch, Ringenhain


 

2016

06.12.2016: Ende meiner Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Wegekonzeption bei der Nationalparkverwaltung

Bernauer Wochenblatt, 5. 7.1864, gefunden von B. Eckelt, Ahrensfelde Bernauer Wochenblatt, 05.07.1864

Von 2006 bis 2016 war ich als Bad Schandauer Stadtrat Vertreter der Kommunen in der Arbeitsgruppe Wegekonzeption bei der Nationalparkverwaltung. Nun wurde ich auf Betreiben des sächsischen Landes-Naturschutzes aus dieser Arbeitsgruppe entfernt. Mehr dazu ...


28.11.2016: Altendorfer Dorfbachklamm in Gefahr?

Seit meiner letzten Wegekommission kocht die Gerüchteküche, dass die Altendorfer Dorfbachklamm dichtgemacht werden soll, vgl. u. a. auch hier. In der Arbeitsgruppenversammlung hat die Nationalparkverwaltung allerdings nur vorgetragen, dass die danebenliegende Steinbrecherstiege reaktiviert werden soll. Freilich sei der Erhaltungszustand der der Steiganlage der Dorfbachklamm langfristig bedenklich ...

Dorfbachklamm Altendorf, Bild: Axel Mothes  Alte Dorfbachklamm-Stufen aus Hermann Lemmes Zeiten (Bild: Axel Mothes)

Wer nun allerdings der Nationalparkverwaltung Wegerückbauabsichten unterstellt, liegt falsch, denn das Grundstück gehört neuerdings zum Stadtwald Bad Schandau, der dort freilich Nationalpark ist. Die „Pflicht zur regelmäßigen Überwachung und Prüfung von Ingenieurbauwerken nach DIN 1076“ hat aber „allein der Eigentümer,“ so die Nationalparkverwaltung. Na, mal sehen, wie sich das entwickelt. Mal überlegen, was es für Szenarien geben könnte:

  1. Bestehende Steiganlage abreißen, Neuerrichtung einer Steiganlage durch die Nationalparkverwaltung
    • Argumente dafür: Es wäre ureigenste Aufgabe der Nationalparkverwaltung, so, wie vom Gesetzgeber vorgesehen. Der Nationalparkverwaltung obliegt die Wegeunterhaltung im Nationalpark.
    • Argumente dagegen: Möglicherweise ist dies der Nationalparkverwaltung zu aufwändig. Der Vortrag in der Wegekommission lässt erkennen, dass man es vielleicht ganz gern in Verantwortung der Kommunen sähe. Zugegebenermaßen birgt ein „Bauen auf fremdem Grund“ vielfältige verwaltungstechnische Fangeisen.
    • Finanzierung: Die Nationalparkverwaltung erhält Steuermittel aus dem Landeshaushalt, die grundsätzlich schon auch für die Unterhaltung der touristischen Infrastruktur vorgesehen sind.

  2. Bestehende Steiganlage abreißen, Neuerrichtung einer Steiganlage durch die Stadt Bad Schandau (im oberen Teil durch die Große Kreisstadt Sebnitz)
    • Argumente dafür: Wanderwegeunterhaltung ist grundsätzlich Gemeindesache und die Kommunen sind auch die Eigentümer. Insofern ist dies schon naheliegend.
    • Argumente dagegen: Es wären vielfältige naturschutzfachliche Abstimmungen mit der Nationalparkverwaltung erforderlich. Im Nationalpark darf ja niemand mit seinem Eigentum machen, was er will, was ja auch richtig und einzusehen ist. Deswegen aber bitte auch nicht verwundern, dass sich da Bad Schandau noch nicht so viel Gedanken gemacht hat. Außerdem ist der Wald erst seit etwa 5 Jahren Stadtwald, davor gehörte er der BVVG (Also Bundeseigentum, die haben da natürlich auch jahrelang „ihre Ingenieurbauwerke nicht geprüft“.)
    • Finanzierung: Kommunen obliegt die Betreuung von Tiefbauwerken in ihrer Straßenbaulastträgerschaft, was grundsätzlich steuerfinanziert erfolgt. Haushaltsmittel oblägen den Bad Schandauer Haushaltsverantwortlichen (Verwaltung/Stadtrat), diese sind freilich bis etwa 2019/2020 lückenlos vorverplant. Allerdings ist Wanderwegebau keine kommunale Pflichtaufgabe. Der Gesetzgeber hat für derartige Sachen Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe vorgesehen, was allerdings in Bad Schandau etwas realitätsfremd ist. (Nicht umsonst kämpft der Tourismusverband dafür, Wanderwegebau als kommunale Pflichtaufgabe zu etablieren, für den dann Steuermittel verfügbar würden.) Fördermittel sind grundsätzlich denkbar. Ansonsten aber Vorsicht, wenn Wegeunterhaltungskosten im Nationalpark zunehmend Kommunen reingedrückt werden sollten. Woher soll das Geld denn kommen? Die Kurtaxe wurde erst unlängst auf 2,00 Euro erhöht – da fällt im Stadtrat auch schon einmal das Wort „Tageskurtaxe“ (also so eine Art Nationalpark-Eintritt à la Strandgebühr Binz). War aber wohl nicht so richtig ernst gemeint.

  3. Bestehende Steiganlage abreißen, kein Neubau, Ausweichen auf Steinbrecherstiege
    • Argumente dafür: Das Problem wäre gelöst.
    • Argumente dagegen: Verlust einer Traditions-Steiganlage mit hohem Landschafts-Erlebenswert. Hermann Lemme würde sich im Grab umdrehen.
    • Finanzierung: Möglicherweise ergeben Abrisskosten und Schrotterlöse eine „buchhalterische schwarze Null“.

  4. Alles so lassen, wie es ist
    • Argumente dafür: Oft ist es sowieso das beste, keinen übermäßigen Aktionismus an den Tag zu legen. Das hat sich schon in der DDR bewährt. Vielleicht kann einmal im Rahmen eines Frühjahrs- oder Herbstputzes ein Arbeitseinsatz erfolgen. Sowas hilft manchmal auch viel und außerdem ist das kostengünstig.
    • Argumente dagegen: Die DIN-Norm wird nicht eingehalten. Das ist aber bei anderen Wegen auch nicht so toll mit DIN-Norm und so. Zitat des alten Nationalparkleiters Dr. Stein nach Sanierung Basteiaufstieg nach DIN-Norm: „Wir sanieren nie wieder einen Wanderweg nach DIN-Norm.“ Wie sowas letztendlich enden kann, kann man sich ja in Dresden an der Albertbrücke angucken.
    • Finanzierung: Überschaubar.

Fazit: Kurzfristig ist die Altendorfer Dorfbachklamm nicht in Gefahr. Langfristig müssen sich aber alle Beteiligten Gedanken machen. Dass die Nationalparkverwaltung auf ausstehende Unterhaltungsarbeiten hinweist, sollte man ihr nicht zum Vorwurf machen.


15.11.2016: Was ich sonst noch so mache ...

In letzter Zeit ist es etwas ruhig um mich geworden, das lag daran, dass mein Onlineshop-Betreiber seine Software umgestellt hat. Ich krieg von dem immer eine Datei und muss zusehen, wie ich damit klarkomme. Plötzlich werden Bestellungen von „Nikolsdorfer Wänden“ und „Festung Königstein“ nicht mehr erkannt. „Bastei“ und „Brand-Hohnstein“ funktionieren aber nach wie vor prima. Ich bin fast wahnsinnig geworden. Tja, in „Wände“ und „Königstein“ sind Umlaute drin. Und die kommen neuerdings in UTF-8 reingeschneit. Die verschiedenen ä-ö-ü-ß-Codes, mit denen wir uns die letzten Jahrzehnte rumgeärgert haben, hatten wenigstens noch den Vorteil, dass ein Zeichen immer noch ein Zeichen war. Nun wird aber ein Umlaut in 2 Bytes abgelegt, wodurch die Zeichenketten auch noch ihre Länge verändern. Hab aber alles rausgekriegt. Im Prinzip ist es ganz einfach. Man nehme den Unicode von dem „ä“, teile ihn durch 64, runde ab und erhält den höherwertigen Teil, der mal 64 vom Zeichencode abgezogen, gibt den niederwertigen Teil. Höherwertiger Teil + 192 gibt Byte 1, niederwertiger Teil + 128 gibt Byte 2. Das „ä“ steht auf Codeplatz 228, wer 195 und 164 rausgekriegt hat, hat richtig gerechnet.

Klar sagen die Softwarefritzen dann, Unicode, kein Problem, den gibts schon paar Jahre und dafür gibts „Bibliotheken“. Einwandfrei, danke für den Tipp, das hat mir aber jetzt geholfen bei meinem Onlineshop.

So, jetzt muss ich aber wieder bissl Karten zeichnen. Die „Nikolsdorfer Wände“ müssen schnellstens aktualisiert werden, die sind nämlich ausverkauft. Ein schöner Kaufmann bin ich, der vor lauter Softwarewartung keine Zeit mehr für den Wareneinkauf hat.


01.11.2016: Endlich ist wieder November ...

November, kein Wandermonat? Der November ist mein Lieblingsmonat zum Draußensein. Und das aus drei Gründen. A) denken alle, nee, Wandern im November, besser nicht, also ist man da schön alleine in der Natur. B) ist der November entgegen seinem Ruf (das derzeitige Wetter bestätigt die Ausnahme von der Regel) oft doch noch ganz schön. C), schließlich, alter Topographentrick von Ruske und Prendel, es ist kein Laub mehr auf den Bäumen und da kann man ausgezeichnet kartieren.

Also raus, heute ist die Gegend um den Ameisenweg in den Schrammsteinen dran, wo es diese sagenumwobene Postelwitz-Exklave gibt ...


26.07.2016: The Peoples Republic of K. V. Fernblick 1977

Hinterhermsdorf und die Weltgeschichte II

Hoppla, Deutschland doch nicht größer geworden? Na einwandfrei, dann endlich ...

... ein eigenes Land gründen ...


11.07.2016: Hinterhermsdorf und die Weltgeschichte

Deutschland erstmals seit 1871 größer geworden

Seit Jans Zeiten sind die Hinterhermsdorfer schon immer ein Völkchen für sich. In Hinterhermsdorf schafft man es immer wieder, die Weltgeschichte durch Trotz zu ignorieren und somit allen Unbilden zu widerstehen. Jetzt haben sie es sogar geschafft, stärker, als zwei Weltkriege zu sein. Wie sowas geht?

Die Kirnitzsch an Grenzstein 28/8

Mehr hier.


07.07.2016: Mailantwort

Von Zeit zu Zeit erhalte ich Anfragen, wie das wäre mit dem Wandern auf dem Grenzweg, dem Begangsteig, Ochelweg, dem Thorwaldwand-Gratweg, dem Wilden Steig oder in den Lorenzlöchern. So schöne Wege, wohl gesperrt, und Herr Böhm, können Sie uns das nicht mal erlauben? Schwierig da eine passende Antwort zu finden. Manchmal sind da griechische Götter und Heldengestalten hilfreich, insbesondere die tragischen Helden: Der Wanderer, das Orakel von Delphi, Gäa und der olle Ödipus.


12.04.2016: Arbeitsgruppe Wegekonzeption bei der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Am 12. April fand sich die AG Wegekonzeption zu ihrer turnusmäßigen Frühjahrsversammlung 2016 zusammen, mehr hier.


08.04.2016: Entdeckung einer alten Wegemarke

Unterhalb der Latzhütte

Jeden Tag gehen ganz viele Menschen achtlos daran vorbei. An der alten Wegmarke des „Saarschlesischen“ in Königstein. Ich bedanke mich herzlich bei Isaak Gregor Scherz, Königstein für die (Wieder-)Entdeckung eines kleinen Andreaskreuzes in Königstein gleich am Bahnhof, an der Tourist-Info des Tourismusverbandes Elbsandsteingebirge am Reißiger Platz.

Mehr: Die Geschichte des Weges hinter der alten Wegemarke.


01.02.2016: Surftipp

Wass wir schon immer wissen wollten, uns aber nie zu fragen getraut haben – wo wir sind, im Wald: www.sightsmap.com zeigt uns – wir sind fast überall.

www.sightsmap.com

Wo laufen wir eigentlich rum, wenn wir draußen sind? Draußen in der Natur, fernab von Menschheit und Zivilisation? Ob das überhaupt jemand weiß? Klar. Denn wir haben da ja unsere elektronischen Piepsmühlen da immer dabei. Deshalb sind wir dort gar nicht so unbeobachtet, wie wir immer denken. Und so gibt es diese schöne Karte, die uns zeigt, dass es die Häntzschelstiege in ein paar Jahren schon zu einem Bekanntheitsgrad geschafft hat, für den Lichtenhainer Wasserfall und Kuhstall 250 Jahre gebraucht haben.

sightsmap funktioniert aber auch außerhalb der Sächsischen Schweiz, überall in der Welt. Überall, wo wir denken, das wären ganz die letzten unberührten Refugien der Natur: Patagonien, Anchorage, Mt. McKinley, Neuseeland, nichts wie hin, ehe das dort auch noch überlaufen wird – Pustekuchen: Überall dort haben wir vielen Touris es in sightsmap bereits schon schön gelb gemacht. Wer wirklich mal ganz alleine im Wald sein will, für den gibt es natürlich auch noch genug Platz: Dahlener Heide; Nochtener Sümpfe; Hohenleuben, Langenwetzendorf, Zeulenroda-Triebes, einfach hinter der Göltzschtalbrücke links rein; Naturpark Dübener Heide; Wulfener Bruch und Teichgebiet Osternienburg; Kyllburg, liegt hinter Bitburg, was wir nur vom Bier her kennen.

Oder Knüllgebirge. Dort gibt es einen uralten Höhenweg. Der heißt Alte Straße, geht da 30 Kilometer immer auf dem Kamm lang. Wie der Rennsteig. Blos viel weniger überlaufen. Da kannst du tagelang mit deinem Bergzelt langmachen, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Abends brätst du dir ein paar Pilze. Und Ranger gibt es dort auch nicht. Verrückt. Gleich hinter Bad Hersfeld, mitten in Deutschland. Wehneberg hoch, dann links rein.

Blos ... wer kennt das schon? Knüllgebirge. Die Leute müssen da ja immer blos andauernd die Annapurna-Runde langmachen ...

www.sightsmap.com


 

2015

08.10.2015: Spuren lesen, Pfade finden

Aktualisierung Schrammsteinkarte

Unsere Wege ändern sich, fortlaufend, langsam, aber beständig. „Da wächst alles zu, wegen dem Nationalpark“, ist die eine Meinung. „Es laufen da immer mehr Wanderer durch den Wald und es wird immer schlimmer mit der Beunruhigung der Landschaft“ die andere. So richtig stimmt aber beides nicht, denn in Wirklichkeit gibt es viel mehr Faktoren, die unsere Wege verändern. Wie man das herausbekommt? Einfach die Wege genau anschauen.

Im Frühjahr 2015 habe ich das Schrammsteingebiet ausgiebig kartiert, denn nach 2006 (zur 6. Auflage) war nun (für die 8. Auflage; bei der 7. Auflage gab es „nur“ einzelne Nachträge) mal wieder eine flächendeckende Überarbeitung dran. Dies nehme ich zum Anlass, einmal ganz ausführlich von meinen Geländearbeiten zu berichten.

Was ich im Gelände mache und was mich bei unseren Wegen umtreibt.


01.10.2015: Eisenbahnsignale

Wanderkarte jetzt auch streckendiensttauglich

Auf meinen Detailkarten habe ich auch bisher schon ausgewählte Eisenbahnsignale eingetragen. Erfahrenen Betriebseisenbahnern war freilich aufgefallen, dass es hier Lücken gibt. Insbesondere fehlende Hauptsignale gehen natürlich keinesfalls in Ordnung. Bei der 7. Auflage meines Titels „Die Bastei 1:10000“ habe ich das nun abgestellt und ganz genau recherchiert. In der Karte sehen Eisenbahnsignale nun folgendermaßen aus:

Neue Signatur Überleitstelle Rathen

Wie man sowas rauskriegt? Strecke ablaufen ist schwierig, ebenso Mitfahren auf einer Lok. Ideal zum Recherchieren haben sich aber die Führerstandsmitfahrten erwiesen, die es jetzt auf Youtube gibt. Die roten und gelben Signaturenzusätze sind stilisierte Mastschilder, an denen man den Signalcharakter detailliert ablesen kann. In der Natur sehen die wie folgt aus:

Neue Signatur Danke ThomasGLS.

Triebfahrzeugführter aber bitte beachten: Haupt- und Vorsignale, Blöcke, Gleisanlagen, Überleitstellen und Schutzweichen wurden vollständig nach besten Quellen recherchiert. Dennoch sind geringfügige Unkorrektheiten nicht völlig auszuschließen. So haben sich z. B. Vorsignal-Wiederholer als nicht maßstabsfähig erwiesen und erscheinen nach wie vor nur in Auswahl. Auch weiterhin gilt der Grundsatz: Die Wanderkarte kann die Streckenkenntnis nicht vollständig ersetzen. Verlassen Sie sich beim Führen eines Triebfahrzeuges nicht ausschließlich auf ihre Wanderkarte. Erwerben Sie bitte rechtzeitig Streckenkenntnis, bevor Sie mit Ihrem Zug das Gebiet einer Böhm-Wanderkarte befahren.


01.08.2015: Vertrauensbildene Maßnahmen bei Wespen beim Wandern

Mit den Wespen leben

Zur Zeit gibt es massenhaft Wespen. Überall. Schlimme Plage? Alle wegjagen? Tot machen? Das wirst du nicht schaffen. Was kann man also tun? Versuchen, mit den Wespen auszukommen. Wespen sind klug, friedlich, allerdings auch wehrhaft. Sie stechen niemals aus Bosheit, zum Ärgern oder Blutsaugen. Eine Wespe sticht nur, wenn sie Angst hat. Dann aber entschlossen und schnell. Outdoor gibt es hier vier Szenarien:

1. Nicht nervös Rumfuchteln. Du sollst nicht denken, die Wespe wäre eine Fliege, und sie versuchen, mit Rumfuchteln zu verjagen. Die Wespe kriegt da ganz schnell die Panik: Bevor sie versucht, zu türmen, sticht sie zu. Da warst du dann aber selber schuld an dem Stich. — Besser, okay, ich sehe ein, das bedarf bissl Überwindung, – wenn du so ein Tier bei dir im Gesicht bemerkst, wie es langsam von der Nase unter dem Auge Richtung Ohr krabbelt: Still halten, krabbeln lassen. Was sagt der Hundehalter wenn er mit großen, unangeleinten Hunden kommt? „Die tun nichts.“ — Das stimmt. Du wirst dir da zwar zunächst ein bissl wie ein Schlangenbeschwörer beim ersten Mal vorkommen. Es ist eine vertrauensbildende Maßnahme. Denn du wirst merken: Die sticht wirklich nicht und ist bald wieder weggeflogen. — Wenn du sie wegjagen willst: Langsam, ganz langsam mit großer Handfläche nahe an die Wespe dran, vorsichtig. Das täuscht der Wespe ein großes Luftschiff vor, was sich da langsam nähert. Berechenbar. Daher ungefährlich. Und sie wird wegfliegen. — Tipp für Anfänger: Das erstmal mit einer Wespe auf dem Arm üben.

2. Wespe im Mund. Hier klare Ansage: Essen und trinken ist, wenn Wespen da sind, sowas, wie im Straßenverkehr über die Straße gehen. Da passt du doch auch auf. Also: Immer gucken, ob da nicht eine Wespe auf deinem Brot oder deiner Tomate drauf ist. Beobachten. Bierdeckel auf Limo oder Bier. Aber dann trotzdem immer nochmal nachgucken, ob da nicht eine reingekrochen ist.

3. Wespe im Hosenbein. Schließlich verfangen sich die Viecher leicht in unseren schlabberigen Sommerkleidern, Hosenbeinen, T-Shirt-Ärmeln. Dort können sie sehr schnell Platzangst kriegen und stechen. Das passiert, und dagegen ist man am Machtlosesten. Bedenke aber: Das ist für die Wespe viel schlimmer, als für dich. Denn nur in den wenigsten Fällen kommt sie da wieder lebendig raus.

4. Wespennest in der Nähe. Schließlich: Es sind plötzlich sehr viel Wespen da. Sagen wir, mehr als 20. Dann bist du in der Nähe von einem Wespennest. Da hilft nur eins: Selber abhauen. Ein paar Meter weg und du hast meistens Ruhe.

Schlimm ist der erste Wespenstich für kleine Kinder. Man merkt das an diesen markerschütternden Schreien im Gasthaus am Nebentisch. Dann sofort Notarzt, Rettungshubschrauber, Anti-Allergietest? Quatsch. Das geht schon deshalb nicht, weil es viel mehr Wespen gibt, als Notärzte und Hubschrauber. Jeder von uns hat irgendeinmal zwischen seinem zweiten und sechten Lebensjahr seinen ersten Wespenstich abgekriegt. Das ist immer wieder ganz ganz schlimm. Schön, wenn Mutti oder Vati dann ganz ganz – toll trösten.


12.08.2015: Die Bastei 1:10000

Soeben ist eine neue Auflage meines Titels „Die Bastei 1:10000“ erschienen.

Friedrich, C. D.: Böhmische Landschaft mit dem Milleschauer

Wieder hat sich da eine Menge geändert, vom neuen angelegten Radweg neben der Basteistraße über das SteinReich bis zur Kunstmeile in Wehlen. Wege wurden asphaltiert, andere Wege sind verfallen und zugewachsen. Es gibt neuerdings einen Rapunzelturm, einen weitgehend unbekannten Liliensteinblick hinter Grögers Gut, einen Sarg des Eremiten im Uttewaldergrund, den mir Helmut Venus, der Lohmener Kreiswegemeister mitgeteilt hat. Und viele andere kleine Dinge am Wegesrand, die oft auch für mich neu waren.


11.08.2015: Elbe-Niedrigwasser: Pegel Schöna 64 cm.

Es muss nicht immer Hochwasser sein. Zur Zeit haben wir ein extremes Niedrigwasser in der Elbe:


11.08.2015, Pegel Schöna 64 cm, 69,9 Kubikmeter/Sekunde

(Am 16.07.2015 8:15 waren es 75 cm).

Zum Vergleich: Das war die Kirnitzsch am 07.08.2010. 80 Kubikmeter/Sekunde.

Ist das nicht schon ein bisschen verrückt, weniger Wasser in der Elbe, als in der Kirnitzsch? Dazu gleich mal ein Wandertipp (oder Badetipp): Die Elbe mal wieder als Furt benutzen und einfach durchlaufen. Das ist zwar etwas übertrieben, man muss in der Flussmitte schon noch ein paar Meter ordentlich schwimmen um an das andere Ufer zu kommen, wobei man auch ganz schön stromab abtreibt. Aber: Das Flussbett ist über weite Strecken trocken, im Prinzip ist es nur noch die Fahrrinne, in der ordentlich Strömung ist. Es ist erstaunlich, wie schmal unsere Elbe sein kann.

Siehe hierzu auch: Meine Hochwasser-Themenseiten


02.07.2015: Caspar David Friedrich und der Erzgebirgsbasistunnel

Berge sind nicht nur Berge sondern auch Symbole. Warum sonst würden wir sie besteigen? — Wie vielleicht bekannt ist, habe ich es auch ein wenig mit Friedrichscher Symbolik. Altes Zeug? Was für den Kunsthistoriker? Nahezu baff war ich, als mir soeben (Kontext Bahnlärm im Elbtal) das SMWA-Video „Neubaustrecke Dresden-Prag“ über den Weg lief und ich dort ab Minute 3:40 Caspar David Friedrichs Böhmische Berge reingeschnitten vorfand:

Friedrich, C. D.: Böhmische Landschaft mit dem Milleschauer

SMWA, Vectorvision Leipzig: http://www.nbs-dresden-prag.eu

Wow. Musste ich gleich in meiner Friedrich-Seite von 2011 einlinken. Ganz nach ganz unten scrollen. Das ist eindeutig der Friedrich aus dem Albertinum. Kaum zu glauben.


01.05.2015: Die kleine Fichte hat wieder Maiwuchs angesetzt

Foto: Christine-Müller_Kopprasch

Jedes Frühjahr gehe ich einmal in den Uttewalder Grund, um mir „meine Fichte“ anzusehen. Die Fichte hat sich vor ein paar Jahren auf einem riesigen alten abgestorbenen Baumstumpf in ein paar Metern Höhe ausgesät und ist dort angewachsen. Irgendwann wird der Baumstamm auf dem sie hochwächst, verfault sein. Das Ganze wird runterbrechen und die kleine Fichte sicherlich mit in den Tod reißen. Doch jetzt hat die kleine Fichte erst wieder einmal kräftig Maiwuchs angesetzt. Eine winzige Chance hat sie: Wenn ihre Wurzeln noch ein paar Jahre kräftig wachsen und der Stumpf noch ein paar Jahre hält. In so altem Holz sind ja viel Nährstoffe drin ...

Mal hinwandern. Der Baum ist leicht zu finden. Vielleicht 20 Meter vor dem Freundschaftsstein, wenn man von Wehlen kommt, links am Weg. Eine Viertelstunde weiter gibt es Schwarzen Steiger in der Waldidylle. Ich bedanke mich herzlich bei Christina Müller-Kopprasch für das Bild.

Man kann in dem Gebiet überhaupt wunderbar wandern. Meine Geheimtipps sind das Kehlloch und der Wolfsberg-Weg. Einsam. Kennt keiner. Weil alle immer nur auf die Bastei rammeln müssen. Wer achtet da schon auf so einen kleinen Baum ...


29.04.2015: Ilse-Ohnesorge-Weg eröffnet

Sebnitz ist die heimliche Wanderhauptstadt der Sächsischen Schweiz. Am 29. April wurde in Sebnitz wurde ein neuer Wanderweg ausgewiesen, der Ilse-Ohnesorge-Weg. Hier das Eröffnungsfoto mit OB Mike Ruckh und Gunter Seifert, dem „Vater des Weges“:

Bild: Peter Rölke

Ich bedanke mich herzlich für die Einladung zur Wegeröffnung (und beim Bergverlag Rölke für das Bild).

Bleibt nur noch eins – Den Weg in die Karte einzutragen:

Schon passiert.


01.03.2015: Neuerscheinung: Damit unsere Wanderwege immer gesund bleiben.

Es ist keinesfalls selbstverständlich, das Wanderwege immer gesund sind. Darum gibt es Dr. Böhms Praxis für Wanderweg-Heilkunde. Und dies nicht nur online, sondern dank des Hallenser Stiegenbuchverlages jetzt auch als gedruckte Ausgabe. In dem fundierten Praxis-Ratgeber werden 13 Wegekrankheiten erstmalig beschrieben und in ihrer Pathologie, Symptomatik, Diagnostik und Therapie wissenschaftlich abgehandelt. Auf Grund der Themenspezifik ist es zunächst aber nur eine ganz kleine Auflage. Es lohnt es nicht, den Titel in den Shop aufzunehmen. Das Heft ist aber zu Fuß bestellbar, Preis 5,80 €, zzgl. 4,00 € Versand.

Dr. Böhms Praxis für Wanderwege-Heilkunde. Damit unsere Wanderwege immer gesund bleiben. 24 Seiten, DIN A4. Halle (Saale): Stiegenbuchverlag. 5,80 €

 

Anmerkung: Am 03.02.2021 auf den 01.03.2015 datiert, das ist aber nicht sicher.


 

2014

18.11.2014: Flex, Hilti, und raus ist das olle Zeugs

Adlerlochstiege Foto: Privat

Soeben erhalte ich von [censored] die Nachricht, dass die Adlerlochstiege abgebrochen worden ist. Und schon kursieren wieder Vermutungen, dass das die Nationalparkverwaltung gewesen sei. Einspruch Euer Ehren, das kann eigentlich *) gar nicht die Nationalparkverwaltung gewesen sein. Denn dann hätte ich von diesen Plänen doch in der Wegekommission erfahren. Nee, in der Wegekommission haben wir uns letztens nur so um Formalia gekümmert. Die Adlerlochstiege war da kein Tagesordnungspunkt. — Hm. Was machen wir nun? Protestieren? Mail an die Nationalparkverwaltung? Oder gar an den Umweltminister? Nachhaken, wieso das nicht in der Wegekommission behandelt wurde? Rummeckern, uns aufregen? — Ach Quatsch. Das machen wir Wanderer am Allerbesten unter uns aus (Achtung, viel Text).

*) Es sei denn, es wäre jemand von dieser „Macherfraktion“ der Nationalparkverwaltung gewesen, die es da angeblich geben soll. Die da nicht groß fackeln und einfach kurzen Prozess machen. Nicht groß fragen. Flex, Hilti, und raus ist das olle Zeugs. Und das wars dann gewesen. — Was sagt man zu sowas? So ein Naturschutz: Nein, danke.


15.11.2014: Pilgern. Mal was anderes

Es muss nicht immer Wandern sein

Was waren dass noch für Zeiten, als Theodor von Heuglin – angeregt durch August Petermann – 1861 auf Entdeckungsreise nach Innerafrika gegangen ist. Petermann hat da dann Stielers Handatlas drausgemacht, für uns ist das heute die Entdeckung Afrikas. Wie haben sich die Zeiten geändert, Afrika, du meine Güte, das buchst du heute im Reisebüro bei TUI. — Allerdings denken wir heute auch, dass es vor lauter Auto Fahren inzwischen völlig unmöglich geworden ist, zu Fuß auch nur bis in den Nachbarort zu kommen. Das stimmt nicht ganz. Man kann nach wie vor quer durch Deutschland laufen. Beispielsweise auf dem Ökumenischen Pilgerweg.

Auf dem Ökumenischen Pilgerweg kommt man ganz gut von Görlitz bis Vacha, kurz hinter Eisenach. Dann hat man aber ein Problem. Man kommt da, in Vacha angekommen, nicht so einfach weiter zum Elisabethpfad, auf dem es weiter nach Marburg und Köln geht. Zwei Autobahnen sind da zu überqueren. Die sind auch nicht weniger lebensgefährlich, als der afrikanische Urwald. Dreißig Kilometer am Stück. Ausschließlich Wald. Kein Ort, kein Mensch, kein Gasthaus, kein Quartier. Nur Wald und Natur. — Kann nicht sein? Gibts nicht in Deutschland? Gibts doch. Im Knüllgebirge. — Knüllgebirge? Noch nie gehört? Macht nichts. Liegt mitten in Hessen, gleich hinter Bad Hersfeld. Eigentlich wollten wir da nur so langpilgern. Im Pilgerquartier in Vacha hat uns der Vachaer Pfarrer aber aufgetragen, wenn wir da eine Route gefunden hätten, das doch einmal aufzuschreiben. Wie eben vor 150 Jahren August Petermann Theodor von Heuglin. Daraus ist dann – zwar keine neue Auflage von Stielers Handatlas – aber eine Pilgerwegbeschreibung geworden ...

Vacha — Allmuthshausen Eine Pilgerwegbeschreibung von Vacha nach Allmuthshausen ...

In Bad Hersfeld machen übrigens die ganzen bei Amazon bestellten Böhmwanderkarten Zwischenstation. Deshalb ja dort auch die vielen Autobahnen. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Und in Marburg hatten wir die große Freude Rainer Brämer zu treffen. Aber das ist auch eine andere Geschichte.


03.11.2014: Irrlichter

Es gibt ein neues Video von der Stativkarawane: (ex Link "http://stativkarawane.de/irrlichter.html") Irrlichter. Auf sowas musst du erst einmal kommen. Mitten in der Nacht auf die Tante zu klettern.


03.09.2014: Felssturz im Kirnitzschtal

Am 2. September 2014 um 5:45 Uhr gab es plötzlich ein großes Gerumpel und dann einen neuem Klettergipfel im Kirnitzschtal.

Die „Eintagsfliege“. Haargenau mittig auf der Kirnitzschtalstraße. Linke Flucht exakt Außenkante Straßenbahnschiene. Wenn die Kulissenbauer von J. R. R. Tolkien da einen Bauschaum-Felsen so auf die Straße gesetzt hätten, hätte der Regisseur gesagt: Nee, Jungs, nochmal. Das sieht zu unnatürlich aus.

Drei Viertel ihres Daseins blieb die „Eintagsfliege“ unbezwungen. Erst gegen 22:30 Uhr ist sie erstbestiegen worden:

Erstbegeher Stefan Gernert vom K. V. B. Buschmühle 1997. Der Alte Weg ist die Südkante. VIIa, seilfrei, Rotpunkt.

Um am 3. September 7:15 Uhr dann ...

Na, Eintagsfliege eben.

So etwas passiert nicht alle Tage. — Aber was heißt hier „nicht alle Tage?“ Mittig auf die Kirnitzschtalstraße. Mit 1,50 m Rand rechts und 1,60 Rand links von der Fahrbahnkante. So einen Batzen. Aus 150 Meter Entfernung auf 5 Zentimeter genau hinzuschmeißen. Das muss man sich mal vorstellen. Das musst du erst einmal draufhaben. Volltreffer.

Das ist eine Schussgenauigkeit von 1:3000. Das ist so, als ob die dem Paris-Geschütz von 1916 auf 40 Meter genau geschossen hätten. Oder mit so einer Kanone von der Festung Königstein runter durch einen Hula-Hopp-Reifen. Und das mit 70 Tonnen. In dem ganzen Dreißigjährigen Krieg, Erstem und Zweiten Weltkrieg zusammengenommen, hat es keine einzige Granate gegeben, die mit so einer Präzision eingeschlagen ist.

Ja und dazu noch ist hier alles total friedlich abgelaufen.

In zehntausend Jahren passiert so etwas nur ein einziges Mal. So etwas schaffen wir Menschen mit unserer Technik – niemals.

Die Sächsischen Bergsteiger werden den Namen der Eintagsfliege noch in Generationen in die Welt hinaustragen.

Bis 23.Oktober war die Kirnitzschtalstraße dann noch voll gesperrt.


09.05.2014: Naturbewusstsein 2013 – Studie des Bundesamtes für Naturschutz

Es gibt eine neue Studie des Bundesamtes für Naturschutz: (ex Link "http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/gesellschaft/Naturbewusstsein/Naturbewusstsein_2013.pdf") Naturbewusstsein 2013.

Im Rahmen eines Interviews mit Bundesumweltministerium Barbara Hendricks werden Ergebnisse der Studie wie folgt zusammengefasst: „Naturschutz wird in der Öffentlichkeit auch mit Einschränkungen und Verboten in Verbindung gebracht und zu Überraschung aller sagen die meisten Deutschen: Ja, da stimmt aber da ist gar nicht schlimm, vielleicht sogar notwendig.“ (Detlef Reepen im Bayerischen Rundfunk, (ex Link "http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/aus-landwirtschaft-und-umwelt/naturbewusstsein-deutschland-studie-100.html")

Mal wieder Verbote? Und – gar nicht schlimm? Könnte es vielleicht nicht auch sein, dass da die Autoren der Studie ein klein wenig nachgeholfen haben? — Wie so etwas gehen soll? Indem man Fragen stellt und den Befragten Antworten in den Mund legt, die diese so gar nicht gegeben haben. Hier eine kritische Durchsicht und Entgegnung:

Naturbewusstsein 2013. Wie uns Wegverbote untergeschoben werden.


06.03.2014: 150 Jahre Felsklettern in Bad Schandau,

na — und in der Welt. Überhaupt! — Die Wiege stand hier in Schandau. Der größte Zahn, der jemals im Elbsandstein gezogen worden ist, war der Falkenstein, am 6. März 1864. Damals ging es los und heute steht es in der Wikipedia. In der deutschen, aber auch die englische, spanische, russische, tschechische und italienische Wikipedia kennen keine früheren Nachweise sportlichen Felskletterns. In der chinesischen Wikipedia steht irgendwas mit 1924. In der französischen Wikipedia taucht ein „Walter Parry Haskett Smith“ auf. Also Perry Smith. Der saß wegen Randalierens schon im Bad Schandauer Gefängnis. Das dann nach dem 2002er Hochwasser abgerissen worden ist. Ja, und Fritz Wiessner war dann 1937 der Erstbegeher des Devils Tower, Wyoming.

150 Jahre. 1864. Das war 18 Jahre vor der Geburt meines Großvaters. Am 6. März 2014, 9:30 Uhr lädt die Stadt Bad Schandau und die Bad Schandauer Kur- und Tourismus GmbH zu einer Festveranstaltung auf den Bad Schandauer Nationalparkbahnhof ein.

Die Ausstellungstafeln sind auch schon fertig und ich durfte schon einmal einen kleinen Blick draufwerfen:

Klasse gemacht. Frank und Martin Richter haben da auch wieder viel geliefert. Und viele andere. Die Ausstellung kommt dann in das Bad Schandauer Heimatmuseum. Also, mal wieder ins Museum gehen. Zu Frau Bigge, die die schöne Ausstellung kuratiert hat.


27.01.2014: Frühling im Elbsandstein

Kein Mist, am 8. Januar habe bei uns die Vögel angefangen, Frühlingslieder zu singen. Am 25./26. Jaunar hatten wir mal drei Tage -10 Grad, dann wurde es schnell wieder wärmer. Das war der Winter gewesen.

Es ist November 

Zur Erinnerung: Letztes Jahr kam am 28. Novemer der schlimme Schneebruch und am 15. April lag immer noch Schnee. Also keine Angst, da darf auch einmal ein Winter ganz ausfallen.


 

2013

10.12.2013: Deutschlandradio Kultur

Der Rundfunk war bei mir und Deutschlandradio-Autorin Leonore Lötzsch hat mich ein wenig an die Hand genommen.

(ex Link "http://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=2&audioID=3")

Textmanuskript

Ich bedanke mich bei der Autorin Leonore Lötzsch für das schöne Kompliment.


23.07.2013: Die Khaatalkarte

Khaatal, ja, das ist doch da ganz hinten im Kirnitzschtal. Der Oberlauf der Kirnitzsch im Böhmischen, oberhalb der Oberen Schleuse. Meist fährt man da ziemlich schnell mit dem Rad durch. Die Nebentäler Zeidlerbachtal und Wolfsbachtal sind dem Insider auch noch flüchtig bekannt. Aber Käs und Brot? Das kleine Preußenlager? Die Wolfsburg? Die adoptierte Buche am Wolfsberg? Das Kleine Wolfsbachtal? Das Langehorn. Und die vielen kleinen Nebengründe? Nie gehört?

Dies ist eine wunderbare Landschaft, die es zu entdecken gilt

Khaatal 1:10000 Das Khaatal

Und dafür gibt es nun die passende Karte: Das Khaatal in einer Detailkarte im Maßstab 1:10000. Sieben Wochen hat die Geländearbeit gedauert. Über ein Jahr habe ich an der Karte gezeichnet. In der Titelkartusche hat der Sebnitzer Künstler Hansjörg Hübler das Schwarze Tor eingefangen. Das Khaatal ist ein weitgehend unbekanntes Stück Elbsandstein, dass wir eigentlich schon immer in unseren Herzen tragen.

Khaatal 1:10000 

Der Ladenpreis der Karte beträgt 5,80 € (145 Kč). Der Titel ist ab sofort im Buchhandel erhältlich und besonders freue ich mich, dass ich viele Händler in Hinterhermsdorf gewonnen habe.

Hintergrundinformationen zu dem neuen Titel

• Die Packungsbeilage: Was sonst noch auf der Karte drauf ist. Als PDF (1 Seite) oder als Textdatei

• Weitere Informationen: Häufig gestellte Fragen. Als PDF (3 Seiten) oder als Textdatei

• Und wer wissen will, wie die Karte entstanden ist, für den gibt es hier die neuen Themenseiten: Ja, wie macht man eigentlich eine Karte ...


15.07.2013: Nationalparkakzeptanzstudie kritisch gelesen

Auf den Punkt gebracht.

Die Nationalparkverwaltung hat eine (ex Link "http://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/scripts/docF7ivWPKCh9E52/499/Summary%20Endbericht%20A&T%20S%C3%A4chsische%20Schweiz%202012.pdf") Studie, die die Akzeptanz des Nationalparks bei der Bevölkerung zum Gegenstand hat, erstellen lassen. Natürlich werden solche Studien oft in einem Stil verfasst, dass der flüchtige Leser denkt, alles weitgehend okay – no problem, wobei gleichzeitig Kantiges durchaus, leicht schaumgebremst, genannt wird. Grund also, sich für eine tiefgründige Lektüre etwas Zeit zu nehmen.

Andreas P. hat das im www.sandsteinwandern-Webblog für uns getan. Der Beitrag bringt es haargenau auf den Punkt. Was stimmig ist. Wo nachzuhaken ist. Was man zwischen den Zeilen findet. Und in welche Richtung es geht. Dazu übrigens sein Klasse Stil. Zitat

„Die Öknoranten werden wohl im Moment noch einen Nationalpark ohne Menschen für erstrebenswert halten. Ob sich die Menschen erzwungener Maßen, aus Einsicht oder aus Desinteresse aus der Natur zurückziehen – das ist ihnen dabei egal. Hauptsache weg.“

So etwas muss man wirklich dreimal auf der Zunge zergehen lassen. Erstens, sich erzwungener Maßen aus dem Nationalpark zurückziehen, na hallo?! Zweitens, was, Kinder, für eine putzige Einsicht soll das denn sein, dank derer wir es vorziehen sollten, lieber zu Hause zu bleiben, als in die Natur zu gehen?!? Ja und schließlich das Desinteresse. Sollte das nicht viel eher ein Grund sein, sich auf dem höchsten Gipfel der Thorwalder Wände in den Wald zurückzuziehen und bitterlich zu weinen – anstatt sich darüber zu freuen, dass sich nun endlich „diese ganzen Horden“ aus dem Nationalpark verfatzt hätten!???

Link auf den Blogbeitrag von Andreas P.

 

Linktest 03.02.2021: Studie längst entschwunden. Natürlich kann nicht alles ewig im Netz stehen. Bei so Studien wäre es aber schon interessant, langfristig nachzuschlagen. Was was damals stimmig? Wo war damals nachzuhaken? In welche Richtung geht es? Diese Fragen bleiben nun offen. Wissenschaftlich forschen heißt auch Wissen bewahren. Wenn man eine Studie nur zur Garnierung von ein paar schnellen Presseinfos macht und nach 3 Jahren löscht – dann kann man sich das Geld auch sparen. Geschichtsvergessenheit ist nicht immer gut.


03.06.2013: Ach, das Hochwasser ...

... am 4. Juni war dann bei uns in Bad Schandau das Internet weg ...

Aktuelle Hochwasserlinks:

Tschechische Pegel: http://www.pla.cz/portal/sap/PC/ (Sehr gut erreichbar)
Pegel Schöna (Pegelonline): http://www.pegelonline.wsv.de/gast/stammdaten?pegelnr=501010 (Sehr gut erreichbar)
Hochwasserzentrum Sachsen: http://www.hochwasserzentrum.sachsen.de/%E2%80%8E (Weil hier alle nachgucken, klappt es nur selten)
Webcam Königstein: http://www.koenigstein-sachsen.de/de/Koenigstein/Webcam

Achtung, ich glaube, das Hochwasserzentrum prognostiziert etwas zu hoch. So ist z. B. das Mittel der Vorhersage (von Mo mittag) für Dienstag 01:00 Uhr Schöna 9,15 m. Pegelonline meldet aber um 00:00 Uhr Schöna 7,86 m. Das ist immerhin eine um 1,30 Meter zu hohe Vorhersage.

Pegelstände Schöna:

02.06.2013 20:00 6,18 m
03.06.2013 02:00 6,38 m (+3,3 cm/h)
03.06.2013 06:00 6,65 m (+4,5 cm/h)
03.06.2013 12:00 7,03 m (+6,3 cm/h)
03.06.2013 18:00 7,44 m (+6,8 cm/h)
04.06.2013 00:00 7,86 m (+6,8 cm/h)
04.06.2013 06:00 8,41 m (+9,2 cm/h)
04.06.2013 12:00 8,83 m (+7,0 cm/h)
04.06.2013 18:00 9,56 m (+12,2 cm/h)
Das war meine letzte Onlinestellung. Am 4. Juni verschwand Bad Schandau für einige Wochen in einem unheimlichen Internet- und Telefon-Blackout.

Damit ist der Schandauer Marktplatz, und die B 172 ist unbefahrbar und die Schandauer Elbbrücke gesperrt. Postelwitz, Ostrau und Schmilka sind somit nur noch über das Kirnitzschtal an die Außenwelt angeschlossen. Man kommt durch die Baustelle Neumannmühle durch. Habe ich am Montag selbst nachgeprüft.

Zur Erinnerung:

Elbehochwasser 2002 war: Pegel Schöna 11,88 m – Wasserstand 4,28 m auf Schandauer Marktplatz
Elbehochwasser 2006 war: Pegel Schöna 8,88 m – Wasserstand 1,28 m auf Schandauer Marktplatz
Elbehochwasser Januar 2011 war: Pegel Schöna 7,46 m – Wasserstand 0,14 m unter Marktplatzniveau.
Hochwasser-Höchststand war dann am 06.06.: Pegel Schöna 10,65 – Wasserstand 3,05 m auf dem Bad Schandauer Marktplatz.

Wandertipp fürs Wochenende, 08.09.06.2013:

Zur Anreise hier die passende Hochwasserinfo als PDF und hier eine Karte (1,6 MByte) bzw etwas kleiner (400 KByte) Die Karte stimmt, man kam wirklich überall hin, nur eben mit völligem Umdenken. Der S-Bahn-Verkehr wurde allerdings doch recht schnell eingestellt.


Straßenbahnen im Kirnitzschtal abgestellt, damit sie nicht im Depot überfluter werden.

Das Wetter soll schön werden, also mal wieder wandern. Hochwasser kriegt man nicht jeden Tag geboten. 99,9 % der Sächsischen Schweiz liegen höher als 10 Meter über dem Elbspiegel. Die sind überhaupt nicht vom Hochwasser betroffen. Dort geht das Leben ganz normal weiter.

Bitte bloß nicht denken, man würde da beim Wandern den „Rettungskräften“ im Weg rumstehen. Der Tourismus ist hier der wichtigste Wirtschaftszweig. Und der ausbleibende Tourismus ist – der allergrößte Hochwasserschaden! Anschließend ordentlich in ein Gasthaus einreiten.

Außer im Elbtal sind praktisch alle Gasthäuser geöffnet, und die freuen sich über Gäste. Die Ostrauer Scheibe, die Schrammsteinbaude, das Forsthaus, die Porschdorfer Einkehr, das Erbgericht in Porschdorf, das Panoramahotel Lilienstein, der Heitere Blick in Altendorf, der Berghof Lichtenhain, Wachbergbaude, Erbgericht Cunnersdorf, Pension Polenztal, Rußigmühle. In Hinterhermsdorf, Hohnstein, Kurort Gohrisch usw. usf.

Außer ins Elbtal, kommt man überall hin, Man sollte aber bitte nicht versuchen, mit Auto über Pirna – Königstein – Bad Schandau anzureisen. Und auch nicht versuchen, sich mit dem Auto „ins Kirnitzschtal durchzukämpfen“. Detailinfos, wie Sie hier trotz des Hochwassers herkommen, habe ich wie gesagt, hier in dem Info-PDF incl. Karte für Sie zusammengestellt.

 

Anmerkung nach dem Hochwasser: War tatsächlich so. Mir werden die wenigen Wanderer, die bewusst in dem fast leeren Elbsandsteingebirge geblieben sind, noch lange in Erinnerung bleiben. Und eine 2013er Hochwasserseite gibt es inzwischen hier.


08.05.2013: Neue Panoramatafel auf dem Großen Zschirnstein

Die neue Tafel auf dem Großen Zschirnstein  Foto: Werner Kulik

Der entfernteste Berg, den man bei Super Sicht vom Großen Zschirnstein aus sehen kann, ist die Tafelfichte im Isergebirge, 1124 m hoch, in 77 km Entfernung. Es folgt der 58 km entfernte Jeschken (1011,6 m). Milleschauer, Kletschen und Zinkenstein sind auch bei mittelguter Sicht erkennbar.

Aber wer weiß das schon? Damit man die Berge findet, gibt es jetzt eine Panoramatafel auf dem Großen Zschirnstein.

Die Tafel ist 227,51×183,76 cm groß, 6 mm stark, einige Zentner schwer und stellt damit alle anderen Aussichtspunkttafeln ordentlich in den Schatten. Sie entstand in Trägerschaft durch Heimatverein und Gemeinde Reinhardtsdorf-Schöna. Die Herstellung erfolgte mit freundlicher Unterstützung durch die Betriebe Metallbau Löser Schöna, ThyssenKrupp Schulte Radebeul, PRETEC GmbH Dresden und DH-Oberflächentechnik Pirna. Mal durchkalkuliert, wäre ungefähr ein Kleinwagen dabei herausgekommen. Wenn das mal reicht. Dafür allen Beteiligten, allen voran Herrn Löser – herzlichen Dank.

Die Zeichnung stammt aus meiner Feder. Für den Kartographen war es eine reizvolle Aufgabe, eine Zeichnung einmal für einen Wasserstrahl-Abrasivschnitt in Edelstahl auszuführen. Mal etwas anderes als Papier. Eine solche Tafel müsste man glatt einmal auf das Matterhorn stellen. Vielleicht mein nächstes Projekt.

Besonders gefreut habe ich mich auch über die unkomplizierte Zustimmung durch die Nationalparkverwaltung (als Naturschutzbehörde im LSG) und den Forstbezirk Neustadt als Grundeigentümer.

Bei der Bearbeitung war mir das Panorama von Thomas Quaiser eine wertvolle Hilfe, und nun ist sogar schon wieder ein neues Panorama veröffentlicht worden: Arne Rönsch, 14.05.2013. An diesen beiden wunderbaren Panoramen bestätigt sich übrigens die Erfahrung, dass eine klare Sicht und eine schöne Sicht nicht dasselbe sind. Das Quaiser-Panorama kann (entgegen der Einschätzung des Autors) sehr wohl mit heutigen Aufnahmen mithalten, man vergleichen nur einmal den Lippenberg (zwischen Milleschauer und Kletschen).

21.05.2013: Von Heinz Höra erfahre ich, dass statt der Tafelfichte das 98 km entfernte Hohe Rad der entfernteste Gipfel sein müsste, den man von Großen Zschirnstein aus sieht.

Also: Mal wieder auf den Großen Zschirnstein gehen. 561,74 m ist er hoch. Der höchste Berg der Sächsischen Schweiz. Vielleicht sieht man sogar das Hohe Rad, das auf der Tafel nicht drauf ist.


01.05.2013: Neue Auflage Hinterhermsdorf

Endlich ist der Frühling da und passend dazu ist meine Hinterhermsdorfkarte (die einige Zeit vergriffen war), ab sofort wieder lieferbar.

Pik Leipzig 

Was sind neue Trends und Änderungen?

  • Bearbeitung Staatsgrenze: Wandergrenzübergänge (nach Schengen) getilgt, viele neue Grenzsteine erkundet. Major-Dieskau-Inschrift endlich entdeckt (Herzliche Grüße an Axel Mothes) und eingetragen.
  • Wanderwege, u. a. Gelb-Punkt am Weifberg verlegt, Grün-Punkt Passgrund neu markiert, Rot-Dreieck, Blau-Dreieck „Am Wald“.
  • Touristische Infrastruktur: Gasthäuser, Infostellen etc., z. B. Nationalpark-Infostelle Beize neu, Café Bäckerei Niedermühle neu, Campingplatz Thorwaldblick, Whs. Bauernstübel neu beschriftet.
  • Furten sind ein schöner neuer Trend mit dem Wege im Wald naturnah und kostensparend über Bäche geführt werden. Das ist auch für den Wanderer so richtig schön romantisch. Für Furten wurde extra eine neue Kartensignatur entworfen. Furten gibt es z. B. am Schwarzen Kreuz, im Bendlesgrund und am Duellweg.
  • Viele kleine Änderungen in der Landschaft und am Wegenetz, Paul-Richter-Bank, Kreuz-Eiche Taubenstein, die Dynamitkammern aus dem Jahr 1945 wurden eingetragen, die Andachtsbuche an der Obermühle, Weifberghütte beschritet. Neu ist auch eine Beaujolaishütte (O57), ein Märchenwald (V53) und ein rostiger Sessel (M54). Diesen bitte nicht wegräumen, denn sonst stimmt die Karte nicht mehr.

Kaum zu glauben, was sich in so einer Karte ändern kann. Insgesamt gibt es übrigens 411 Änderungen. Wer ganz genau wissen will, was sich alles geändert hat, für den gibt es hier eine Differenzkarte ...

Differenzkarte Hinterhermsdorf und die Schleusen 4.-3. Auflage

... und hier ein Laufendhaltungsprotokoll.

Vieles sind natürlich nur ganz kleine Änderungen. Das gehört aber dazu. Denn wenn man schon einmal mit hohem Aufwand in der Örtlichkeit kartiert, sollte man es auch gründlich machen. Ein paar Jahre kann man eine Karte schon einmal unaktualisiert lassen. Wenn man aber sehr lange gar nichts macht, dann ist die Karte irgendwann völlig veraltet.

Nun freue ich mich, dass meine Hinterhermsdorfkarte wieder auf dem neuesten Stand ist, so, als wäre sie gerade erst ganz neu gezeichnet worden.


15.04.2013: Neuerscheinung Pamir 1:100000

Pik Leipzig 

Leipzig ist nicht nur der Name der Stadt, sondern auch der Name eines Berges im Pamir. Bereits zu Ost-Zeiten sind immer wieder Expeditionen in den Pamir unternommen worden, oft ohne richtige Karten. 1989 sind vier Leipziger Bergsteiger zur Erstbesteigung eines Gipfels aufgebrochen, dem sie zu Ehren ihrer Stadt den Namen „Pik Leipzig“ gegeben haben. Letztes Jahr waren sie wieder dort. Daraus ist nun eine Karte entstanden, die ich soeben aus der Druckerei erhalten habe.

Pamir 1:100000 · Pik Lenin · Pik Leipzig · Westlicher Trans-Alai-Kamm
SRTM Georelief Map 1:100000 · Detailkarte des Georeliefs nach Daten der Shuttle Radar Topography Mission
Rolf Böhm Bad Schandau. ISBN 978-3-910181-93-9. Ladenpreis € 9,80
Ab sofort im Buchhandel.

Presseinfo hier als PDF, als .doc, sowie als Textdatei.


14.04.2013: Auch lange nicht dagewesen: Der lange Winter 2013, der bis zum 10.04.2013 dauerte

So etwas war schon lange nicht mehr dagewesen. Am 14. März früh –10 °C, 19. und 21. März 15 cm Neuschnee und der bleibt liegen! Palmsonntag, 24. März, früh –11 ºC. Tiefster Winter mit geschlossener Schneedecke auf dem Lilienstein.

Was für ein März! So einen späten Winter hatten wir noch nie. Das ist doch mal was ganz anderes, als eine Polenztal-Märzenbecherwanderung. Bedeckt, trüb, es ist sehr kalt. Ostern mitten im Winter. Bis Sonnabend nach Ostern (6. April) immer bedeckter Himmel, die Wiesen unten in Waltersdorf schon langsam schneefrei geworden. Aber, ich traue meinen Augen kaum, oberhalb des Ziegenrückens, auf den oberen Ebenheiten um Rathewalde, Hohburkersdorf, Ehrenberg, Lohsdorf, Goßdorf: Tiefster Winter, die Felder nach wie vor voll schneebedeckt, Riesenschneehaufen, Nebel, Kälte, 2 Grad plus.

Sonntag, Montag, 7., 8. April kommt dann die Sonne. Es ist fast ein Wunder, wie hoch sie jetzt schon steht! schlagartiger Riesenfrühlingseinbruch. Endlich!

Siehe auch die Bilder hier, vom 14. April 2013

 

Durchsicht 02.02.2021: So einen Winter hatten wir schon lange nicht mehr. Wie ich mich erinnere, begann der Winter mit sehr viel Schnee ab dem 27. November 2012, der auch sehr viel Schneebruch im Tharandter Wald verursachte. Und der Schnee blieb fast durchgängig bis zum 10. April liegen. Nur Mitte Januar war für ein paar Tage alles weggetaut, doch kurz darauf kam schon wieder viel Schnee. Die kurze Tauwetterphase im Januar sorgte übrigens dafür, das alles mit einem kleinen Hochwasser abfloss, was letztendlich ein möglicherweise schlimmes Frühjahrshochweasser verhinderte.

Ja stimmt das aber auch? Auf irgendeine Wetterseite gucken oder googeln ist sinnlos, viel zu viele Informationen. Doch auf den Webseiten von Karl-Heinz Jetter aus Balingen ist alles schnell, perfekt und übersichtlich dargestellt:
November 2012
Dezember 2012
Januar 2013
Februar 2013
März 2013
April 2013


01.03.2013: Surftipp - soeben entdeckt:

outdoor + survival + wandern + trekking = trotten: Trotten mit Hut. Leider mittlerwiele Deadlink. Schon die Hütte, die die da vorn draufhaben:

Quelle: Trotten mit Hut 

Herrlich. Die musste ich mir gleich mal auf meinen eigenen Webspace raubkopieren. Für meine Hüttensammlung.


10.02.2013: Wolf I

Zum Thema „Wolf im Elbsandstein“ (ex Link "http://www.trockenmaurer.de/wolfzone.html") gab es eine Petitionsinitiative.

8986 Menschen haben sich mit ihrer Unterschrift gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes in Sachsen ausgesprochen. Am 31.01.2013 wurden diese im Rahmen einer Sammelpetition an den Petitionsausschuss des Sächsischen Landtages übergeben. Nachtrag 10.02.2013: Es sind noch einmal 300 Unterschriften zusammengekommen.

Wolf II

Der Wolf einmal anders: Bevölkerungspyramiden zeigen auf instruktive Art die Auswirkungen von Naturkatastrophen, Pillenknicken, Kriegen und ähnlichen Ereignissen auf die menschliche Gesellschaft: Während Dresden langsam aus der demographischen Delle rauskommt, nimmt die Einwohnerzahl der Sächsischen Schweiz weiter rapide ab. Man kann die Sorge des Elbsandsteingebirglers in punkto Wolf auch ein wenig tiefenspychologisch deuten. Die Königsteiner Grundschule, so heißt es, sei, bei den aktuellen Anmeldezahlen in ihrem Bestand noch nicht gefährdet. Der ev.-luth. Kindergarten Bad Schandau wird allerdings gerade geschlossen. Die Prossener Mittelschule haben wir vor ein paar Jahren dichtgemacht. Kein Nachwuchs mehr.

Wie werden unsere Bevölkerungspyramiden im Jahr 2026 aussehen? Hier eine Vorausschau. Was den Menschen anbetrifft, habe ich auf das Landesamt für Statistik (ex Link "http://www.statistik.sachsen.de/bevprog/Pyramide/kslksa.html") zurückgegriffen:

Quelle: Landesamt für Statistik  Quelle: Landesamt für Statistik  Quelle: Landesamt für Statistik  

Das werden die Exemplare der Art Homo sapiens doch schon ein bisschen neidisch in Bezug auf das Reproduktionsverhalten ihrer Kollegen der Species Canis lupus.


 

2012

01.11.2012: Anderswo aufgelesen

       Ach herrje, herrjemine,
       wenn ich auf den Brocken seh!
       Die Pauschaltouristen wuseln,
       und den Wandrer muss es gruseln.
       Und vom Nationalparkspuk,
       bleibt am Ende Lug und Trug.

(Arndt Noacks Brockenbesuch im Herbst 2012)


15.10.2012: Der Nationalpark Harz holt uns ein

Nanu, schon wieder dicke Technik in den hintersten Ecken des Nationalparks?

Dr. Butter, der Chef der Nationalparkverwaltung, hat es schwer. So alt, wie der Bau ist der Pfusch am Bau. Aber normalerweise schert sich kein Passant groß, wenn eine Baumaschine mal einen Pflasterstein kaputt macht oder eine Lampe an einer Baustellensicherung nicht brennt. Da meckert höchstens der Polier.

Im Nationalpark ist das anders. Wenn ein Rücketraktor ein kleines Stück Sandstein kaputt macht oder ein DIN-unkonformer Dieselkanister im Wald rumliegt, hat Dr. Butter sofort eine gigantische Masse Aufpasser auf dem Hals. Das geht rum wie ein Lauffeuer:

Mitteldeutscher Rundfunk, Sachsenspiegel, 01.10.2012 Am 01.10.2012 im MDR (Mittlerweile Deadlink: "http://www.mdr.de/mediathek/themen/sachsen/video81112_zc-3595804e_zs-5cf04862.html"

Sächsische Zeitung Pirna (02.10.2012, S. 16.)
Nicht zuletzt das Internet: www.sandsteinwandern.de.
Ich nehme mich da nicht aus: Rücketraktor in der Kernzone.

Vielleicht ist gar der gesamte Nationalparkgedanke überholt? So eine brisante These von Christian Helfricht.

Natürlich ist das widersprüchlich. Auf der einen Seite wird mit Großtechnik versucht – Stichwort „Entwicklungs-Nationalpark“ – künstlich aus Natur Natur zu machen. Gleichzeitig projiziert man die vermeintliche Apokalypse der gesamten Menschheit auf den kleinen Wanderer. Was dann aber auch für ein Zufall: Nachdem die Holzvollernter abgezogen sind – ist auch der kleine Pfad gleich mitverschwunden. Ich zeichne gerade an einer Wanderkarte des Khaatals 1:10000 und bemerke in der Böhmischen Schweiz sehr ähnliche Symptomatiken. Und übrigens auch im Nationalpark Harz.

Es scheint tatsächlich etwas nicht zu stimmen mit unseren Nationalparks.

Rainer Brämer nennt das das „Bambi-Syndrom“: Der Mensch kommt im Natur-Bild des Menschen nicht mehr vor, so Brämer bereits vor 10 Jahren: Widersprüche. Die Jugend referiert Brämer mittlerweile im Antiveganforum. Antiveganforum. Bambi-Syndrom. Weißwedel-Hirschkalb. Junge, Junge, was es so alles gibt.

Wenn ich wieder einmal ein bißchen Zeit habe, mach ich mit ein paar weitere Gedanken dazu und schreibe eine eine neue Draußensein-Seite. Jetzt muss ich aber erst wieder einmal Karte zeichnen.


01.09.2012: Schwarzabriss im Nationalpark

Wenn man vom Winterberg in Richtung Zeughaus den Roßsteig entlangwandert, kommt man am Katzenstein vorbei. Dort stand linkerhand immer ein kleines romantisches Blockhaus ein kleines Stück mitten im Wald: Die Katzsteinhütte.

Die Hütte wird erstmalig im Meßtischblatt von 1932 verzeichnet. Vorher soll es in der Nähe eine andere Hütte gegeben haben, in welcher ein Leierkastenmann gewohnt haben soll, dem der Krinitzgrab-Mord zugeschrieben wird. Spätere Geschichten um diese Hütte ranken sich um Förster, Bergsteiger und Grenzer, die hier bis 1961 einen einsamen Posten unterhielten. Das war auch die Zeit, als das Stasi-Ferienheim Zeughaus gebaut wurde. Übrigens von Knackis, die 1953 bei denen in den Kahn gegangen sind.

Die Katzsteinhütte wurde, wie soeben gemeldet wurde, von der Nationalparkverwaltung abgerissen.

So eine olle Bruchbude weg - so mag man meinen, das ist nicht weiter schlimm. Nur: Es ist nicht die erste weggerissene Waldhütte. Die Thorwaldhütte - weg. Die Knorrehütte - weg. Die Dietrichsgrundhütte - übrigens erst vor ein paar Jahren mit einer wunderschönen Holzschindeldeckung restauriert - auch abgerissen. Kinder, offenbar steckt hier System dahinter. Übrigens nicht nur im Elbsandstein, sondern auch anderswo, z. B. im Nationalpark Harz. Aber das ist ein anderes Thema.

Foto: Privat. Datum nicht ganz sicher, Bilddatei letztmalig geändert 05.12.2012.


 

02.02.2021: Die Seiten datiert. Insbesondere Seiten, älter, als 2018 trugen oft kein Datum. Fast immer lies sich ein Datum nach den Bilddaten ermitteln, das muss aber nicht immer ganz „gerichtsfest“ sein. Datierungen auf den je 01. oder 15. eines Monates sind oft Schätzungen.

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