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• Wegekonzept Nationalpark Schwarzwald
•• Probe aufs Exempel
•• Das Auerhuhn
•• Bestehende und ausgeschriebene Wege
•• Ein Blick auf die Landkarte
•• Wege, Wanderwege, markierte Wanderwege
•• Juristischer Exkurs
•• Zügig Umsetzen
•• Spannungsfeld oder Harmonie
•• Zum Schluss ...

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Wegekonzept Nationalpark Schwarzwald

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7. Zügig umsetzen

Wegekonzept fertig und nun heißt es: „Wegekonzept möglichst zügig umsetzen.“ Weiter: „Irgendwann müssen wir das Thema abschließen.“ „Als erste Maßnahme werden wir die Beschilderung anpassen, damit sich die Besucher an die neue Wegeführung gewöhnen können. Dann werden nach und nach die gesperrten Strecken entweder sich selbst überlassen, sodass sich die Natur zurückholt, was wir ihr überlassen können. Oder wir bauen Teilstücke aktiv zurück, um Besuchern möglichst schnell eindeutig die Wegegrenzen aufzuzeigen.“ Quelle Nationalpark Schwarzwald, Hervorhebungen stammen vom Verfasser.

Jetzt das mal gar nicht groß weiter erörtern,

sondern mal eine Etage „weiter runter“ auf der „philosophischen Treppe“. Unten kommt das Fundament, darunter der Baugrund. Ich spüre da ein Unbehagen aus einer anderen Seelenecke. Ziele. Grundsätze. Maßnahmen. Wegegebot. Ausweisung. Parallelwegvermeidung. Mehrfachnutzung. Saisonale Freigabe. Schwerpunktbereiche. Aus diesem Stabilbaukasten „schrauben“ wir uns nun einen Nationalpark zusammen. Das mag so gehen, riecht mir aber doch ein wenig zu sehr nach ingenieursmäßiger Konstruktion und stabsmäßiger Planung.

Wege sind aber doch etwas Gewachsenes. Unsere eigenen Spuren. Über Generationen entstanden. So ein Wegenetz ist ein Geflecht, wie das Wurzelgeflecht eines Baumes, etwas Organisches. Rin damit ins GIS, dann lfd. m/qkm ausrechnen und dann zurechtamputieren, bis Mittelwert und Streuung stimmen, Dichte- und Verteilungsfunktion. Du meine Güte, so ein Wegenetz ist doch kein Bonsaibaum, an dem man rumschnippelt, bis er aufs Fensterbrett passt. Was ist das eigentlich für eine putzige Auffassung von der Natur, frage ich mich einigermaßen verwundert? Der Natur mit „Naturschutz-Beplanung“ zeigen, was „natürlich“ ist? Ich glaube nicht, dass man der Natur mit solcherart naturentfremdeten Denken was beibringen kann. Was ist das für ein Menschenbild, dass die „Besucher sich daran gewöhnen müssen“?

„Es soll ein Wegenetz geschaffen werden“ steht da. Kann man ein „Wegenetz schaffen“? Gewiss ist das möglich, in einer gärtnerisch angelegten Parklandschaft oder einer Bergbaufolgelandschaft. So ein Nationalpark tritt doch aber an, zumindest partiell eine Naturlandschaft sein zu wollen. Kann man einen Buchenwald „schaffen“?

Buchenkindergarten
1000jähriger Buchenwald 1000 Jahre vorher.

Zumindest, wenn man da keine Buchecker hat, kriegt man das – nicht hin. Ebensowenig kann man sich ein Wegenetz in einer „natürlichen Landschaft“ „ausdenken“, „konzipieren“, „entwerfen“ und dann „umsetzen“. Unsere Wege sind ein Jahrhunderte altes, gar nach Jahrtausenden zu messendes Kulturgut. Wir Menschen laufen mindestens seit dem Neolithikum auf Pfadspuren durch den Wald, die die jeweils vorher Gegangenen den Nachfolgenden hinterlassen haben. Wir Menschen laufen schon immer durch die Natur, weil wir Teil der Natur sind. Um ein Wegenetz anzulegen, braucht man viele Menschen, die diese Wege gehen. Genau diese vielen Menschen gehen seit Generationen im Nordschwarzwald wandern und haben mit ihren eigenen Füßen das dortige Wegenetz über Generationen wachsen lassen. Und nun sollen da die Wege „aktiv“ zurückgebaut werden, um anschließend ein Wegenetz „zu schaffen“?

Ich habe Probleme mit einer solchen Vorstellung.

Kein Wunder übrigens, dass die Menschen an Ihren Wegen hängen und in ganz vielen Einwendungen den Erhalt der bestehenden Wege erwarten.

Unsere Wege haben es heutzutage generell schwerer als früher, überall, nicht nur in Nationalparks. Wir sollten unsere Wege bewahren und keinesfalls „aktiv beseitigen“. Eine Landschaft ohne Wege ist übrigens eine recht bange Vision für den außerstädtischen Raum in einer globalen urbanen Welt. In der wir nur noch pausenlos mit Autos auf Autobahnen und mit dem Hochgeschwindigkeitszug auf TGV-Strecken langflitzen. Die Landflächen „beackert“ der Mähdrescher und die Forstflächen der Harvester, Maschinen, die wir so konstruiert haben, dass sie keine Wege mehr brauchen. Aber wir Menschen werden die Wege vermissen. Wir vermissen schon heute manchen Weg in mancher Wegekonzeption eines Nationalparks.

Vorletzer Abschnitt: Spannungsfeld oder Harmonie ...

 


27.01.2017 Initial
31.01.2017 Durchsicht

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