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• Hochwasser
•• Die große Flut 16./17.08.2002
•• Die Vermessung des Hochwassers 2002
•• Elb-Niedrigwasser 16.08.2003
•• Kirnitzsch 01.04.2006
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•• Kirnitzsch 07./08.08.2010 (1)
•• Kirnitzsch 07./08.08.2010 (2)
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•• Kirnitzsch 16.08.2010
•• Kirnitzsch 29.10.2010
•• Kirnitzsch 14.01.2011
•• Elbe 17.01.2011
•• Kirnitzsch 03.06.2013
•• Elbe 04.06.2013
•• Elb-Niedrigwasser 25.07.2015
•• Kirnitzsch 24./30.05.2016
•• Mobilfunk im Kir­nitzsch­tal 2010
•• Elbstau­stufen 2011

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Das Erste Kirnitzschhochwasser 2010 (Seite 3)

Was war das für ein Hochwasser?

Fazit

Die Kirnitzsch stand bei uns am 07.08.2010 20:30 Uhr 3,60 über Mittelwasser oder Pegelstand 4,10 m. Sie war etwa 45 m breit, 4 m tief und floss mit etwa 3 m/s ab. Daraus lässt sich ganz vorsichtig ein Wasserabfluss von etwa 80 m³ pro Sekunde schätzen. (Das Landeshochwasserzentrum meldete 50 m³/s - als der Pegel bei 2,50 über Mittelwasser ausstieg, s. u., dann ist es aber noch etwa einen Meter weitergestiegen.)

Die Elbe führt etwa 300 m³/s normalen Wasserabfluss, die Kirnitzsch etwa 1,5 m³/s. Bei dem schlimmen Elbehochwasser am 16./17.08.2002 hatten wir (Quelle: http://undine.bafg.de/servlet/is/12106/) 4500 m³ pro Sekunde in der Elbe. Das ist etwa der 15fache Normalabfluss.

Damit führte die Kirnitzsch etwa ein Viertel soviel Wasser wie die Elbe bei Mittelwasser. Tatsächlich war das Wasser bei uns auf der Kirnitzschwiese 2,60 m tief, da hätte locker ein Elbdampfer fahren können. Die Wassermenge war aber zugleich etwa das Fünfzigfache des Normalabflusses. Das Kirnitzschtal ist also viel hochwasserhärter, als das Elbtal.

Schlimme Naturkatastrophe?

Man vergibt heutzutage derartige Superlative recht leichtfertig und denkt, dass es so schlimme Hochwasser in der Vergangenheit weniger gab. Ein wenig Recherche fördert allerdings zu Tage, dass Hochwässer in der Sächsischen Schweiz doch zumindest regelmäßig wiederkehrende Ereignisse sind:

  • 26.06.1586: „Ein groß Ungewitter“ richtete an der Plappermühle im Tal der Potetzschke vermutlich großen Schaden an. (MBII, S. 130). „Die sogenannte Wasserflut vom Pfaffenberg (Pfaffenstein) zerstörte in Königstein zehn Häuser.“ (Wikipedia).
  • 06.08.1629: Die Kirnitzsch riss alle Mahlmühlen und Sägewerke mit Ausnahme der Mittelndorfer Mühle weg. Die drei Hauptschützen wurden zertrümmert.
  • 1675: „Die Brausensteiner Mühle soll im Jahre 1675 durch eine Wasserflut ,mit Grund und Boden‘ weggeführt worden sein.“ (MBII, S. 103)
  • 23.06.1715: Bei einem schweren Unwetter sind die Wiesen der Niedermühle Struppen „gantz ersäufet und mit Steinen überschüttet ... auch die Rad Stube von Grund aus weg gerissen, und die ao. 1711 und 1712 gantz neu erbaute Mühle totaliter ruiniret.“ (MBII, S. 141)
  • 22.06.1740: Durch die Kirnitzsch erlitt Bad Schandau schwere Schäden.
  • 01.09.1822: Großer Schaden durch die Wassermassen eines Wolkenbruches, der in den Vormittagsstunden niederging. Rölligmühle Kleingießhübel: [Die Schadensbeseitigung] „kostete den Müller mehrere hundert Taler.“ Liethenmühle: „Die sich durch das Tal wälzenden Wassermassen sprengten den Damm des Mühlteiches und das Wehr und zerstörten Scheunen und Schuppen.“ (MBII, S. 54, 60)
  • 29./30.07.1897: Zwanzig Tage andauernder Regen. Kirnitzschtalstraße überflutet. Rölligmühle Kleingießhübel (MBII, S. 56): Großer Schaden. „Das Wasser stand damals bis an die Fenster des unteren Stockwerkes ... ein Mann ertrank in den Fluten und wurde fortgeschwemmt. Seine Leiche fand man später bei Söbrigen in der Elbe.“ Zeibigmühle Hütten (S. 118): Großer Schaden. Auch hier forderte die Flut ein Menschenleben. Mühle Niedervogelgesang (S. 145): Größere Verwüstungen.
  • 06./07.07.1899: Ein Wolkenbruch richtete an den Mühlen im Schönaer Hirschgrund größeren Schden an. (MBII, S. 44)
  • 1904: Schlimmes Hochwasser das den Lichtenhainer Wasserfall herunterflutete. Kein Kirnitzschhochwasser. Quelle: Rainer König, Inhaber des Gasthofes Lichtenhainer Wasserfall.
  • 07.07.1906: „der ... über die Gegend um Königstein niedergegangene Wolkenbruch mit ... großen an der [Rahm-]Mühle angerichteten Schäden“, „größere Verwüstungen, so dass die Mühle in Niedervogelgesang spätestens danach nicht mehr in Betrieb war und verfiel.“ (MBII, S. 139, 145)
  • 25.07.1912: „Zweites“ schlimmes Hochwasser das den Lichtenhainer Wasserfall herunterflutete. Nach Gewitterguss. Kein Kirnitzschhochwasser. Quelle: Bilder im Besitz von Rainer König, Inhaber des Gasthofes Lichtenhainer Wasserfall (Hängen im Büro).
  • 08./09.07.1927: Das schlimme Hochwasser im Erzgebirge. Kirnitzschtalstraße überflutet.
  • 23.07.1957: Das schlimme Müglitzhochwasser. Teilweise Zerstörung des Wehres der Obermühle Cunnersdorf (MBII, S. 74). Auswirkungen im Kirnitzschtal wahrscheinlich.
  • 05./06.07.1958: Wasserspiegel erreicht fast das Wetterschutzdach an der Bootsstation Obere Schleuse.
  • 1974: Kirnitzschtalstraße in Höhe Kirnitzschtalstr. 69, Bad Schandau etwa 0,5 m überflutet. Quelle: Mit dem Jahr datierte Fotografie im Besitz des Hausbesitzers.
  • 20.07.1981: Kähne der Oberen Schleuse über das Geländer gedrückt. „Vb-Wetterlage“, „Naturkatastrophe im Bielatal“ (CE, S.397). Wasser stand 20 cm über den Fensterbänken der Rindenhütte Obere Schleuse.

Quellen:
Cedra, Helmut: Aus Tradition geschöpft. 450 Jahre Papierherstellung in Königstein/Sachsen. Gohrisch 2010. (=CE)
Schober, Manfred: Die Mühlen in der Sächsischen Schweiz. Rechtselbisches Gebiet. Dresden: Rölke 2009. (=MBI)
Schober, Manfred: Die Mühlen in der Sächsischen Schweiz. Linkselbisches Gebiet. Dresden: Rölke 2011. (=MBII)
http://www.ssi-heft.de/22/31.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser_und_Naturkatastrophen_in_Sachsen,

Insgesamt war das Hochwasser vielleicht ein HQ50, also ein Hochwasser, mit dem ungefähr alle 50 Jahre zu rechnen ist.

Das schlimme Elbehochwasser vom 16./17.08.2002 wird von den Hydrologen als HQ200 gewertet. Damals sind über dem Erzgebirge 400 mm Niederschlag gefallen. Hier waren es nur etwa 150 mm. Wir sollten daran denken, dass auch im Einzugsgebiet der Kirnitzsch einmal 400 mm Regen niedergehen können. Dann würde das Wasser vielleicht noch ein oder zwei Meter höher stehen. Das wäre dann eine Naturkatastrophe. Statistisch gesehen sind solche Ereignisse aber sehr sehr selten.

Kann man warnen oder vorbeugen?

Sehr zu bedenken gibt dieser Aufsatz von Jan Hänel aus dem Jahr 2005: Urwald contra Hochwasserschutz Bedenken um Gewässerverwilderung im oberen Kirnitzschtal

Diese Aufsatz sagt die Ereignisse 2010 mit einer bemerkenswerten Klarheit voraus, sogar die auf Bruchgefahr des Holzrechens Aspenblos wird eingegangen. Dieser Aufsatz wurde sicherlich auch von der Nationalparkverwaltung gelesen. Hier bleiben Fragen offen.

Beobachtete Wasserstände 2010

Etwa 400 m oberhalb der Ostrauer Brücke beobachtet (eigene Messung):

  • Sa 07.08.2010 20.10 Uhr: 2,60 m über Kirnitzschwiese = 3,60 über Normal
  • So 08.08.2010 05:00 Uhr: 2,10 m über Kirnitzschwiese = 3,10 über Normal
  • So 08.08.2010 12:00 Uhr: 1,70 m über Kirnitzschwiese = 2,70 über Normal
  • So 08.08.2010 19:00 Uhr: 0,65 m über Kirnitzschwiese = 1,65 über Normal
  • Mo 09.08.2010 07:00 Uhr: 0,15 m über Kirnitzschwiese = 1,15 über Normal
  • Mo 09.08.2010 19:00 Uhr: 0,05 m über Kirnitzschwiese = 1,05 über Normal
  • Di 10.08.2010 07:00 Uhr: 0,10 m unter Kirnitzschwiese = 0,90 über Normal
  • Mi 11.08.2010 07:00 Uhr: 0,40 m unter Kirnitzschwiese = 0,60 über Normal
  • Mo 16.08.2010 07:00 Uhr: 0,50 m über Kirnitzschwiese = 1,50 über Normal
  • Mo 16.08.2010 11:00 Uhr: 0,80 m über Kirnitzschwiese = 1,80 über Normal
  • Mi 29.09.2010 11:00 Uhr: 0,40 m über Kirnitzschwiese = 1,40 über Normal

Pegel Kirnitzsch (am Mittelhauptschutz) des Landesamtes für Umwelt und Geologie:

Quelle: http://www.umwelt.sachsen.de/de/wu/umwelt/lfug/lfug-internet/857.asp?url=/de/wu/umwelt/lfug/lfug-internet/hwz/inhalt_re_frame.html

Schandensbilanz

Begehung am 08.08.2010 von Bad Schandau bis zum Abzweig „Zum Thorwald“:

Bad Schandau: Königsteiner Straße zerstört. Fußweg Bad Schandau am Jugendclub: mehrere Hundert Meter zerstört
Niederweg: auf ca. 100 Meter metertief ausgespült
Luisenbrücke: Nordauffahrt weggespült.
Steg Niederweg 23: zerstört
Steg Pegel Dorfbachklamm: Zerstört
Ostrauer Mühle: Viel Schlamm und Zerstörungen
Mittelndorfer Mühle: Allgemeine Verwüstung der wunderschön gepflegten Außenanlagen
Steg bei Mittelndorfer Mühle: komplett weg
Steinbruchwegbrücke oberhalb Forsthaus: komplett weg
Brücke Nasser Grund: sieht ganz gut aus, Ausspülungen auf Parkplatz
Schwemmkegel Kroatenschlucht auf Straße: ca. 20 m, überfahrbar, rasch weggebaggert
Nähe Beuthenfall: Bahnstrommasten etwa 64-69, 48-53, 31-36 beschädigt/Fundamente unterspült
Schwemmkegel Beuthelfall: ca. 50 m, überfahrbar, rasch weggebaggert
Haidemühle: Gebäude eingestürzt
An Lichtenhainer Wasserfall: Bahnstrommast 17 stark beschädigt
Lichtenhainer Wasserfall: Wasser stand in Gasthaus. Etwa 20 cm hoch?
Untere Brücke Kuhstallauffahrt: Auffahrten weggespült
Lichtenhainer Mühle: nicht betroffen, steht auf Anhöhe
Schleiferei/Zufahrt Kuhstall: Weg beschädigt
Unterhalb Felsenmühle: zwei große Löcher in Straße, umfahrbar
Gegenüber Felsenmühle: Stützmauer unter Flößersteig zerstört
An Felsenmühle: Riesenloch über die ganze Straße, mit Pkw auf Randstreifen möglicherweise umfahrbar - aber gefährlich
In der Felsenmühle selbst hat das Wasser wohl nicht gestanden
Buschmühle: Brücke komplett weggerissen, Untere Nebengebäude stark beschädigt, das Gasthausgebäude selbst sieht ganz gut aus
Holzrechen am Abzweig „Am Thorwald“ komplett zerborsten

Man soll aber auch einmal daran denken, was alles gehalten hat. Die beschädigten Brücken und Stege sind zwar schlimm, - hier aber einmal die Liste der Brücken, die kaum oder nicht beschädigt wurden:

Brücke Bad Schandau Bergmannstraße, Brücke Basteiplatz, Forellenbrücke, Ostrauer Brücke, Brücke unterhalb Campingplatz Ostrauer Mühle, Campingplatzüberfahrt, Brücke Nasser Grund, Brücke Beuthenfall, Kuhstallbrücke Wanderweg Lichtenhainer Wasserfall, Brücke an der Schleiferei (Kuhstallauffahrt), Brücke Felsenmühle, Brücke Neumannmühle.


Bilder vom Hochwasser ...

Sonnabend, 07.08.2010
Sonntag, 08.08.2010
Mobilfunknetzverfügbarkeit im Kirnitzschtal


Von wegen Fazit ...

... denn mit den Kirnitzschhochwässern ging es 2010/2011 noch weiter ...

... eine Woche später ... Montag, 16.08.2010
... 8 Wochen später ... Mittwoch, 29.09.2010
... und das Januarhochwasser 2011 gehört eigentlich auch noch in diese Sammlung ... Freitag, 14.01.2011

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