Reisen in der DDR

Am 31.03.2020 hat mit Helle Paul mitgeteilt, wie das in den 1950er und 69er Jahren eigentlich war

Bis 1957 war „touristisches Reisen“ von Bergsteigern mit Interzonenpass in die Alpen noch möglich. Wer damals in der Kletterszene genug Energie hatte (man brauchte Westgeld oder viel Ostgeld zum Schwarztauschen), fuhr in die Alpen.

Ab 1958 gab es keine Interzonenpässe für touristisches Reisen mehr. Damit war die Grenze (Ausnahme Berliner Zonengrenze) völlig zu. Man kam also auch vor dem 13.08.1961 schon kaum mehr raus.

Die ČSSR war zu der Zeit noch völlig zu. Reisen nach Polen waren bereits „sehr früh“ möglich, Polen galt jedoch nicht als so interessant. 1959/60 gab es dann erste organisierte Gruppenfahrten von DDR-Bergsteigern in CSSR, zunächst nach Hruba Skala und Adrspach, diese wurden im Rahmen „FDJ-Arbeit“ organisiert. Sonst kam man nicht raus.

Anmerkung: Vgl. hier die Mitteilung Karl Kießling (um 1992): Als 1961 dann die Mauer zu war, wurden, erfolgte eine „Emigration nach innen“: Karl Kießling hat dann die Oktoberboofe im Kleinen Zschand gebaut, Bernd Bahn die „Bernd-Bahn-Boofe“ im Nassen Grund.

Ab 1961 erfolgte eine gewisse Lockerung der Reisebestimmungen in Richtung Tschechoslowakei. Zunächst konnten Gruppenfahrten, dann bald auch Visa für Einzelreisen in die CSSR beantragt werden.

Ab etwa 1968 ... 1972 war ein „visafreier Reiseverkehr“ nach Polen, CSSR, Ungarn, Rumänien, Bulgarien möglich. Das sah man als großen Fortschritt an. In die CSSR reichte der Personalausweis, nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien brauchte man eine „Reiseanlage“, die bei der Polizei zu beantragen war. Dies war eine Zickzack-Fahne, die in den Personalausweise eingeklebt wurde und die fast jeder in seionem „Persi“ hatte.

Als etwa 1980 Polen im Kontext „Solidarsnosc“ wieder „zu war“ hat Siegfried Anders von der Bezirksfachkommission Bergsteigen über (mehr oder weniger fingierte) „Freundschaftsverträge“ mit polnischen Bergsteigern Einreisegenehmigungen nach Polen ermöglicht. Das war möglich.

Quelle: Tel. Helmut Paul (Jg. 1938), 31.03.2020.


Unerkannt durch Freundesland

Eigene Erfahrungen in den 1980er Jahren

In der DDR gab es diese Transitvisa, mit denen du in die Sowjetunion reingekommen bist und dann hattest du theoretisch drei Tage Zeit zur Durchreise nach Ungarn oder Rumänien. Wochen- und gar monatelang war aber auch nicht schlimm. Das war natürlich eine phantastische Möglichkeit, mal in den Kaukasus oder ins Tienshan zu kommen. Die Fahrkarten waren billig. Also machten wir uns in der Jugendclique jeder auf seine Meldestelle und beantragten Transitvisa. Mein Freund Uwe bekam das Visum in Sebnitz und auch in Leipzig und Lampertswalde (Großenhain) war das kein Problem. Dumm nur, dass ich damals in Dresden gewohnt hatte. Auf der Meldestelle auf der Elsa-Fenske-Straße (die war in der DDR bei der Polizei) wurde allerdings mein Visaantrag abgelehnt, auch wenn das offenbar „aus Berlin“ oder „Moskau“ gar nicht so befohlen war. Also mal wieder ein besonderes Maß an vorauseilendem Gehorsam in Dresden. Hab mir dann einen schönen Tramp- und Wanderurlaub mit Bergzelt in Thüringer Wald und Harz gemacht, aber ärgerlich war es dennoch. Benno Hratzky hat sich das nicht gefallen lassen und ist da gleich einmal von Dresden nach Magdeburg umgezogen – einschließlich Arbeitsstellenwechsel. Arbeit gabs ja überall. In Magdeburg hat er das Transitvisum dann problemlos erhalten.


31.03.2020

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