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Berg-Fahrt ins Riesengebirge

Mit der Bahn ins Kursbuch-Märchenland

Nur wenige Menschen fahren noch mit der Bahn. Schon die Fahrkartenautomaten schrecken ab. Und dann - der Tarif-Dschungel.

Das schlimmste ist aber: Es ist so umständlich, sich durch den Internet-Fahrplan zu klicken. Da willst du blos einmal sehen, ob da auf irgendeiner Strecke überhaupt noch ein Zug fährt, haust in die vielen überflüssigen Eingabefelder irgendwelche Dummy-Daten rein und schon spuckt er eine Meldung aus, wie „Der Rückfahrtszeitpunkt muss nach dem Hinfahrtszeitpunkt liegen.“

Mit einem Kursbuch würde so etwas nicht passieren. Ein Kursbuch gibt niemals eine Meldung aus, wie „Der Rückfahrtszeitpunkt muss nach dem Hinfahrtszeitpunkt liegen“ oder „Zu Ihrer Eingabe wurden mehrere mögliche Haltestellen gefunden. Bitte wählen Sie die gewünschte Haltestelle aus.“ Mit dem Bahnfahren ist mittlerweile aber auch das Kursbuch ausgestorben. Circular Redirect Error.

Dennoch habe ich mir auch 2011 wieder ein Kursbuch gekauft:

Am Fahrkartenschalter auf dem Bahnhof von Děčín.

Was? Bahnfahren? In der Tschechei? Mit einem tschechischen Fahrplan? In Tschechisch?

Alles halb so wild. Da ist gleich vorn eine Karte drin, auf der die Fahrplannummern stehen. Und die Fahrpläne sehen ungefähr so aus:

  815 Ab Bad Schandau  6.50
  815 An Děčín         7.15
  081 Ab Děčín         7.45
  087 An Česká Lipá    8.22 (da fährt er durch)
  087 Ab Česká Lipá    8.28
  087 An Liberec       9.43
  
Liberec? Wo liegt das eigentlich?

Nun, es ist dies das alte Reichenberg, wo Wolfgang Heye aus dem Film „Vom Glück nur ein Schatten“ vor dem Krieg Opernsänger war. Wenzel Kozlecki wohnte damals auch dort, bevor er Trotzkis Sekretär wurde. Gleich daneben ist der Jeschken.

An Liberec 9.43 ...

Es gibt zwar auch einen Zug, der von Tetschen-Bodenbach aus um 11.12 in Reichenberg ankommt, aber - wir sind es als deutsche Bahnkunden gewöhnt, 6 Minuten Übergangszeit niemals zu riskieren. 11.18 geht es ab Liberec weiter.

Wir lassen den Jeschken hinter uns ... und schon geht es hoch ins Riesengebirge.

Jetzt geht es langsam in den Schnee hinein

Tanvald mit ein paar hübschen tschechischen Triebwagen und Dieselloks. Wo steht in Deutschland so etwas noch rum?

Hinter Tanvald kommt übrigens eine dritte Schiene in der Gleismitte. Eine Zahnstange ...

Unmassen Tunnel ...

An Harrachov 12.50 Uhr.

Harrachov ist bei den meisten Zügen Endstation. Mindestens ein Meter Schnee. Gleich am Bahnhof beginnen viele Wanderwege und Skiloipen.


Weil aber heute Bahnwandern angesagt ist, wird nicht gewandert, sondern es geht mit der Bahn gleich wieder zurück.

Hinter Liberec kommt der Neuländer Viadukt.

Und es sitzen auch noch richtig Leute drin in den Zügen. Mit Kinderwagen und Kindern. Oder Aktentaschen, mit denen sie von Arbeit kommen. Und der Zugbegleiter hat eine Dienstmütze. Und wenn da ein Zug durch einen Bahnhof durchfährt, steht da auch noch die Aufsicht draußen vor der Dienstraumtür, herausgetreten, und grüßt und beobachtet den Zug.

Und die Tschechen fahren da auch noch einfach so Zug. Also, um nach Hause oder auf Arbeit oder in die Schule oder in den nächsten Ort zu kommen. Die haben auch nicht soviel Fahrräder, Hunde, MP3-Player, Bierflaschen, Laptops, eben so deutsche Zugfahr-Insignien dabei, was man so zur Bespaßung mit sich rumschleppt. Weil man eben nicht einfach nur so Zug fährt.

Und die telefonieren auch nicht auf jedem Bahnhof imaginäre Empfänger an. Diesen den Bahnhofsnamen durchgebend. So dass den alle anderen Mitreisenden mithören, als ob sie nicht selber den Bahnhofsnamen draußen auf dem Schild lesen könnten. Damit diese, die Imaginären, erfahren, dass sie nun mit dem Auto losfahren müssten. Um jene (die Telefonierer), vielleicht auf dem übernächsten Bahnhof, mit dem Auto, abzuholen. Nicht ohne dass auf dem nächsten Bahnhof das Handy nochmal klingelt. Wobei der Imaginäre dann durchgibt, dass er jetzt mit dem Auto losgefahren ist.

Und wenn ... dann auf tschechisch.


Es wird abend...

Der Zug fährt an vielen kleinen Bahnhöfen vorbei. Mit kleinen Bahnhofskneipen, in denen zum Abend gerade das Licht angeht. Mimoñ (deutsch Niemes) habe ich mir da im Vorbeifahren mal als heißen Tipp für die nächste Tour vorgemerkt.

Ein paar wildromantische Güterwagen werden von der Abendsonne beschienen ...

Eine Bergfahrt geht zu Ende. Eine Berg-Fahrt im wahrsten Sinne des Wortes.

Etwa um 19.00 Uhr sind wir mit dem Elbe-Labe-Sprinter wieder in Bad Schandau. Frank, Simon und Marko fahren mit der Semmeringbahn (die Anschluss hat) noch nach Sebnitz weiter.

Für die Fahrt haben wir das Sachsen-Böhmen-Ticket für 33 Euro benutzt. Damit kann man auf allen grenznahmen Strecken Sachsen und Böhmens herumfahren. Mit bis zu 5 Personen.


Bergfahrt am 22.02.2011 mit dem Schwarzbachbahn e. V.

Hier etwas vereinfacht dargestellt. Die richtige Tour war etwas anders. Weil wir den Tschechen mit ihrer putzigen Eisenbahn nicht so ganz vertrauten, sind wir über Dresden und Zittau nach Liberec. Das war aber viel viel abenteuerlicher. Denn der 22.02.2011 war genau der Tag des großen Lokführerstreiks der GDL. Da ist dann auch der Zug Dresden - Liberec, den uns das Internet ausgespuckt hatte - dummerweise ausgefallen. Da standste dann dumm rum, bei minus 10 Grad. Na, wir sind dann mit einem anderen Zug ein bißchen „hinterhergetrampt“ und waren ja auch zufrieden, dass die Bahn da - trotz Streik - da überhaupt noch einen Zug nach Zittau hat fahren lassen.

Um so erholsamer war dann aber auch alles in der Tschechei. Alle Züge fuhren haargenau so, wie es in dem Kursbuch stand.


Literatur hierzu: Reinhold Lettau. Der Irrgarten. Geschichten, Reclam 1980.

22.02.2011 (Initial)
03.06.2015 (Auch dieses Jahr wieder ein schönes tschechisches Kursbuch gekauft.)
27.09.2015 (Gerade aus Frankreich zurück. Dort gibt es nicht nur keine Kursbücher – auch die Abfahrts- und Ankunftstafeln sind in Paris mittlerweile ausgestorben)

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