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Richard Wagner, der Liebethaler Grund und die neue Zeit

Teil 1

(Link zu Teil 2)

Der Liebethaler Grund ist der Erste Grund des Elbsandsteingebirges. Und das aus zwei - Gründen. Es ist dies der erste Weg, den die Romantiker des 18./19. Jahrhunderts nahmen. Und es ist dies die erste Etappe des Malerweges.

Zu Unrecht schläft die Klamm heute ein wenig einen Dornröschenschlaf. Wir wandeln dort, wo einst Richard Wagner wirkte: Zwischen dem Graupaer Schäferschen Gut und der Lochmühle. Hier entstand 1846 der Lohengrin.

Es war aber nicht nur das Zeitalter der Romantik. Die ersten Elbdampfer fuhren und 1851 wurde die Eisenbahnstrecke von Dresden nach Bodenbach eröffnet. Es war die Zeit der industriellen Revolution.


Die Subsubkontrabasstuba

In diesem Zusammenhang wird Richard Wagner heute kaum wahrgenommen. Zu Unrecht. Wagner war keinesfalls ein deutschtümelnder, rückwärts gewandter Romantiker, sondern vielmehr dem Neuen und dem Fortschritt durchaus aufgeschlossen. Er stand im Mai 1849 mit Gottfried Semper auf den Dresdner Barrikaden und war auch mit dem russischen Anarchisten Michail A. Bakunin bekannt. Weitgehend unbekannt ist aber Richard Wagners Wirken als Erfinder und Pionier des technischen Fortschrittes. Hiervon sind heute noch Spuren vorhanden - und zwar im Liebethaler Grund.

In seinen Opernpartituren schreibt Wagner - anders, als andere Komponisten - die Bauformen großer Blechblasinstrumente detailliert vor. Das ist kein Zufall. Er baute offenbar nicht nur auf seine Intuition als Komponist und Künstler, sondern betätigte sich ähnlich Carl Friedrich Gauß, Hermann von Helmholtz oder Michael Faraday als physikalischer Experimentator.

Als Beweis hierfür können Reste der gewaltigen Subsubkontrabasstuba dienen, die heute noch an der Lochmühle zu sehen sind.

Die Akustik lässt sich anhand der Abmessungen des riesigen Instrumentes nicht mehr ganz vollständig rekonstruieren. Einer Rohrlänge von 21,60 m ohne Berücksichtigung der Ventilwege und 37,20 m mit Ventilwegen lässt auf eine Grundtonfrequenz von 7,3 Hertz schließen. Dies ist das Subsubsubkontra-B (,,,,B) – einer der tiefsten Töne die ein von Menschenhand erschaffenes Instrument jemals hervorgebracht hat.

Nun sind deratig tiefe Töne vom menschlichen Ohr nicht mehr wahrnehmbar. Es handelt sich um Infraschall. Gerade Blechblasinstumente intonieren aber vorwiegend im Obertonspektrum. Durch mehrfaches Überblasen werden hörbare Töne erreicht. Die Naturtonreihe des Instrumentes dürfte etwa mit ,,,,B  - ,,,B  - ,,F  - ,,B  - ,D - ,F - ,As - ,B - C - D - E - F usw. anzusetzen gewesen sein. Bereits der zweite Oberton - das Subkontra-F - befindet sich im Hörbereich.

Leider sind keine Kompositionen für dieses Instrument bekannt. Indirekte Hinweise findet sich allerdings in der Partitur des in den 1870er Jahren komponierten Ringes des Nibelungen. Hier wurden von Wagner erstmalig Kontrabassposaunen im mehrstimmigen Satz in einem Opernorchester eingesetzt. Wahrscheinlich hat er hierbei auch auf seinen im Liebethaler Grund gesammelten Erfahrungsschatz zurückgegriffen.

Mensuransatz und Ventilbogen: Was für ein gewaltiges Instrument ...

Natürlich waren zum Betreiben des Instrumentes große Luftmengen erforderlich, für die Wagner vermutlich maschinenkraftbetriebene Gebläse einsetzte. Derartige Anlagen waren aber auch andersweitig nutzbar. Wir wandern weiter und werden eine andere, nicht minder spannende Entdeckung machen.


22.03.2008 (Wanderung)
22.03.2009 (Initial)
20.10.2010 – Nachtrag: Es ist eine schöne Bestätigung und Anerkennung, dass die gewonnenen Erkenntnisse nun sogar in der Wikipedia (->„Kurioses“->„Subsubkontrabasstuba“) Eingang fanden. Herzlichen Dank! So etwas gibt dem Forschungsdrang natürlich weiteren Antrieb.
26.10.2010 – Nachtrag: Leider wurde der Eintrag wieder entfernt. Aber zum Glück vergisst die Wikipedia nichts: Wikipedia-Eintrag Tuba vom 18.10.2010
08.02.2013 (Durchsicht)
30.09.2015 (Durchsicht)

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