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Richard Wagner, der Liebethaler Grund und die neue Zeit

Teil 2

(Link zu Teil 1)

Wir wandern im Liebethaler Grund weiter. Etwas oberhalb von Wagners Subsubkontrabasstuba ragen alte vernietete Stahlteile aus dem bergseitigen Talhang. Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese als Reste eines gewaltigen unterirdischen Rohrsystems. Durchmesser etwa ein Meter, Länge mehrere hundert Meter. Was mag das einmal gewesen sein?

Richard Wagners pneumatische Rohr-Eisenbahn

Es darf vermutet werden, das Wagner häufig den Weg zwischen Graupa und der Lochmühle zurücklegen musste. Wir gehen möglicherweise fehl, wenn wir unser heutiges romantisierendes Denken um 160 Jahre zurück extrapolieren - und zu der Vorstellung gelangen, Wagner wäre gleich einem Friedrichschen Wanderer über dem Nebelmeer die 4 1/2 Kilometer zu Fuß gegangen. Man bedenke - erst seit wenigen Jahren fuhren die ersten Elbdampfschiffe und im Elbtal war der Eisenbahnbau in vollem Gange.

Was mag der Sinn so einer tonnenschweren Rohrkonstruktion in so einer abgelegenen Tallage gewesen sein?

Wir rekapitulieren: Als Entstehungsorte des Lohengrin sind sowohl das Schäfersche Gut in Graupa (das heutige Richard-Wagner-Museum) und die etwa 4,5 km entfernte Lochmühle im Liebethaler Grund überliefert. Nun lässt sich vermuten, dass Richard Wagner einem Verkehrsmittel zur Bewältigung der Strecke sehr aufgeschlossen gegenüber stand.

Auch wenn die folgende Erklärung zunächst verwegen erscheint, eine kurze Wikipedia-Recherche offenbart schnell: Das muss einmal eine Rohrpost gewesen sein. Die Details sind stimmig: Versuche zur Rohrpost wurden 1847 durch Josef Ressel „zur Reife gebracht“. „Pneumatische Rohr-Eisenbahnen“ wie die Crystal Palace Pneumatic Railway Th. W. Rammells in London oder der Beach Pneumatic Transit in New York sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchaus erfolgreich ausgeführt und zur Personenbeförderung eingesetzt worden.

Auch zeitlich ist es schlüssig: 1844 gab es in Wien erste Pläne zur Realisierung einer U-Bahn. 1846 hat Wagner den Lohengrin verfasst. Und für 1848 ist eine Reise Wagners nach Wien überliefert. Das kann kein Zufall gewesen sein.

Als älteste ausgeführte Untergrundbahn gilt allgemein die London Underground, die 1863 in Betrieb ging. Offensichtlich liegt hier ein neuer Kenntnisstand vor: Die unteririrdische pneumatische Rohr-Eisenbahn im Liebethaler Grund, die hier von Richard Wagner errichtet und betrieben wurde, ist fast zwei Jahrzehnte früher zu datieren. Wir stehen hier vor nichts Geringerem, als der ältesten U-Bahn der Welt. Wow! Die Trasse ist über eine Länge von mehreren hundert Metern nach wie vor sehr gut erhalten.

Sicherlich ist der Bau einer solchen Strecke mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen. Hier kann aber angemerkt werden, dass Wagner als sächsischer Hofkapellmeister gewiss über einige eigene Mittel verfügte. Möglicherweise wurden auch Mitglieder der Hofkapelle zu Tiefbauarbeiten herangezogen. Dies mag insbesondere in ungewissen und aufführungsschwachen Zeiten wie den Revolutionsjahren 1848/49 naheliegend gewesen sein. Denn natürlich müssen klamme Haushaltslagen und innovative Großprojekte keinesfalls einen Widerspruch darstellen. Das war damals sicher auch nicht anders, als es in unserer Zeits beim Bau des Leipziger City-Tunnels oder bei Stuttgart 21 der Fall ist.

Wir wandern weiter ...

... und erreichen bald darauf die Lochmühle mit dem 1933 errichteten Wagner-Denkmal

Dem Meister:

Vor dem Wagner-Denkmal soll übrigens zu DDR-Zeiten einmal eine in einen roten Teppich gewickelte Leiche gelegen haben. Aber das ist eine andere Geschichte.


Die Lochmühle ...

Ach, die Lochmühle ...

Das Harfenmädchen

Die Wanderung führt weiter den Malerweg entlang am Mühlsdorfer Koordinatenstein vorbei (das ist ein anderes Thema), durch Lohmen in den Uttewalder Grund.

Das Uttewalder Felsentor ist eine natürliche Felsbildung und nach gegenwärtigem Kenntnisstand doch wohl eher nicht auf einen Auftrag Richard Wagners zurückzuführen.

Hingegen darf vermutet werden, dass er sich von dem Harfenmädchen in der seit etwa 1790 bestehenden Waldidylle manch ein Bier hat kredenzen lassen.

Vielleicht waren es auch die lieblichen Blicke des Harfenmädchens, die Wagner zur Komposition des Brautchores Treulich geführt ziehet dahin angeregt haben?

Auch hier gibt es offenbar noch viel zu erforschen ...

22.03.2009
08.04.2013 – Mit großer Freude vernehme ich die Nachricht, dass die Gemeinde Lohmen nach langem Kämpfen und Bangen in die Lage versetzt worden ist, endlich die Zuwegung zur Lochmühle zu sanieren. Wer die Örtlichkeit kennt, weiß, wie dringend erforderlich dies ist. Herzlichen Dank an die Gemeinde.
30.09.2015 (Durchsicht)

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