Reisen in der DDR

Erinnerungen von Helmut Paul

Wie das mit dem touristischen Reisen in der DDR in den 1950er und 60er Jahren war

Zusammenfassung:

    1946-1953 Interzonenpass, nur mit Aufenthaltsgenehmigung für den Zielort und nur 30 Tage gültig. Freies Reisen unmöglich
    1953-1957 Personalbescheinigung. Gerade einmal 4 Jahre war touristisches Reisen in den Westen zwar erschwert, jedoch zumindest möglich
    1957-1961 Personalbescheinigung, Westgrenze praktisch weitgehend geschlossen
    1961-1990 Mit der Berliner Mauer war dann auch das letzte Schlupfloch zu

Im Einzelnen:

Quelle: Tel. Helmut Paul (Jg. 1938), 31.03.2020.


Exkurs Unerkannt durch Freundesland

Wie es mir in den 1980er Jahren gegangen ist – Dresden schon immer besonders blöd

In der DDR gab es diese Transitvisa, mit denen du in die Sowjetunion reingekommen bist und dann hattest du theoretisch drei Tage Zeit zur Durchreise nach Ungarn oder Rumänien. Wochen- und gar monatelang war aber auch nicht schlimm. Das war natürlich eine phantastische Möglichkeit, mal in den Pamir oder ins Tienshan zu kommen. Die Fahrkarten waren billig, russisch hat man gekonnt (das hatten wir ja ab der 5. Klasse in der Schule). Also machten wir uns in der Jugendclique jeder auf seine Meldestelle und beantragten Transitvisa. Mein Freund Uwe Preißler bekam das Visum in Sebnitz anstandslos und auch in Leipzig und Lampertswalde (Meldestelle Großenhain) war das kein Problem. Mein Pech war nur, dass ich damals in Dresden gewohnt hatte. Also auf die Meldestelle (Polizeiwache Elsa-Fenske-Straße hinter dem Postplatz) und Visum beantragt. Doch als ich nach ein paar Wochen nachgefragt habe: Abgelehnt. Begründung gab es natürlich keine, außer vielleicht einem lapidarem „gibts nicht“. Dabei hatten die auf der Polizei offensichtlich gar keine entsprechende Anweisung „aus Berlin“ oder „aus Moskau“. In den anderen Meldestellen ging es doch auch. Doch lieber bissl mehr verbieten, als man eigentlich müsste.

Also, ganz typisch, in Dresden wie immer ein besonderes Maß an Untertänigkeit und vorauseilendem Gehorsam über das gewöhnlich befohlene Maß der DDR-Kleinkariertheit hinaus.

Ich habe mir dann einen schönen Tramp- und Wanderurlaub mit Bergzelt in Thüringer Wald und Harz gemacht. Geärgert habe ich mich trotzdem fürchterlich. Denn die Freunde haben es derweil bis in den Kaukasus geschafft. Schöner Mist.

Benno Hratzky ist es in Dresden genauso gegangen. Er hat sich das aber nicht gefallen lassen und ist gleich einmal von Dresden nach Magdeburg umgezogen – einschließlich Arbeitsstellenwechsel. Arbeit gabs in der DDR ja überall. In Magdeburg hat er das Transitvisum dann problemlos erhalten. Und ab gings – „unerkannt durchs Freundesland“

Quelle: Mitt. Benno Hratsky, 2018.


31.03.2020
25.03.2024

Zum Seitenanfang