Hauptseite · Absteckungstabelle · Anhang
Hauptseite
Es gibt eine alte Sage von einer Zahnradbahn in der Sächsischen Schweiz, die man vor 100 Jahren auf den Großen Winterberg bauen wollte. Das könnte ungefähr um 1913 gewesen sein – in dem goldenen Bergbahn-Zeitalter, als in der Schweiz die Jungfraubahn errichtet worden ist.
Als ich 100 Jahre später ein Höhenmodell vom Großen Winterberg erhalten habe, hat es mir keine Ruhe gelassen. Ich musste einmal der Frage nachgehen, ob es überhaupt möglich gewesen wäre, eine Strecke zu finden, und wenn ja – wo entlang.
Das Ergebnis ist die Winterbergbahn 1913:
Um eine Bahnstrecke durch den engen Ort Schmilka hindurchzuführen, ist in dem Ort sicher zu wenig Platz. Eine mögliche Lösung ist die Anordnung der Talstation in dem alten Schmikaer Steinbruchgelände am Grenzübergang. Eine anspruchsvolle Aufgabe ist es, eine Linienführung zu finden, mit der man den Steilanstieg im Bereich der senkrechten Felswände des Kipphorns bewältigen kann. Dies wurde mit einem 50 Meter langen Tunnel am Bergsteig und einer Steigung von 27,5 % gelöst. (Zahnradbahnen bewältigen typisch Steigungen bis nur max. 25 %, Anstiege bis 30 % sind möglich, aber seltene Ausnahmen.) Insgesamt gibt es drei Tunnel, 70, 20 und 50 m lang. Die Gesamtstreckenlänge beträgt 2,58 km. Damit lassen sich Fahrzeiten von 8 bis 12 Minuten erzielen. Die kleinen roten Zahlen entlang der Strecke in der Karte geben die Relativhöhen über/unter Gelände an.
So also könnte die Strecke einer Bergbahn auf den Großen Winterberg ausgesehen haben, wie man sie vielfältig vor 100 Jahren entworfen hat.
Detailkarten
Schlüsselstelle Kipphorn, Variante Grün – Winterbergbahn 1913:
Schlüsselstelle Kipphorn, Varianten Orange/Purpurrot – spätere Verbesserung:
Es war dann eine ziemliche Überraschung, als Renè Misterek*) herausgefunden hat, dass das Projekt gar nicht so sagenumwoben war, sondern durchaus schon recht weit gediehen. Es war allerdings bereits 1873 (und nicht erst 1913), als die Rheinische Baugesellschaft beim Königlichen Innenministerium in Dresden vorstellig geworden ist, um eine Zahnradbahn auf den Großen Winterberg zu bauen. Die Behörden haben das Projekt zwar nicht ganz abgelehnt, waren aber recht zögerlich mit einer Bewilligung, u. a. wegen befürchteter forstwirtschaftlicher Einbußen und fehlender Angaben zum Flächenbedarf. Die Pläne wurden dann doch nicht verwirklicht und so hat das Siebengebirge das Rennen gemacht. Kurz danach hat die Gesellschaft nämlich die Drachenfelsbahn in Königswinter eröffnet, die bis zum heutigen Tag noch fährt.
Hätte man die Winterbergbahn damals errichtet – eines ist gewiss: Heute wäre dies eine touristische Attraktion allerersten Ranges.
Lassen wir den schönen Plan seinen Dornröschenschlaf also noch einmal 100 Jahre fortsetzen. Wer weiß? – vielleicht kommt irgendwann wieder einmal so ein schönes Bergbahnzeitalter. Und dann wird sie vielleicht gebaut werden – die Winterbergbahn. Und oben auf dem Winterberg wird dann das alte Berghotel wieder eröffnet, mit schönen Bleiglasfenstern wie die Burg Drachenfels am Rhein.
*) Misterek, René: Technischer Fortschritt oder Landschaftsschutz – Projekte zu einer Bastei-Drahtseilbahn. In: Die Eroberung der Sächsischen Schweiz, S. 87-96. Pirnaer Museumshefte, Band 14 (2015).
Hier eine Liste aller bekannten Bergbahnprojekte der Sächsischen Schweiz von 1873 bis 1930.
15.11.2011 Initial
11.07.2013 Winterbergbahn 1913
27.10.2015 Aufsatz R. Misterek eingearbeitet
23.05.2020 Durchsicht, Variante Orange
15.05.2026 Text kräftig gestrafft