Kritische Druchsicht
Die Landtagsfraktion Bündnis90/Grüne hat sich zum Nationalpark Sächsische Schweiz Gedanken gemacht und legt nun unter dem Titel „Natur schützen, Nationalpark entwickeln, Kommunen und lokale Wirtschaft stärken“ ein Positionspapier vor. (falls Deadlink, Kopie hier.)
Liest sich schnell und flüssig weg, und man ist geneigt, allem zuzustimmen. Doch vieles ist unausgegoren.
Hier meine kritische Durchsicht.
Im Kern vertritt das Positionspapier der Bündnisgrünen ein urbanes Denken. Dies wird verabsolutiert und unsensibel und oberlehrerhaft dem ländlichen Raum übergestülpt. Und das nun schon über 30 Jahre. Mensch und Natur werden als Gegenpole angesehen. Die Natur ist gut, der Mensch ist schlecht. Wanderer, Erholungssuchende und Touristen gelten als potentiell gefährlich. Ihnen kann nur überwacht und „besuchergelenkt“ Zutritt gewährt werden. Das Endstadium heißt das Wildnis und Totalreservat – eine weitgehend menschenleere Landschaft, auf denen nur noch auf wenigen Touristenautobahnen in Kolonne gewandert wird, weil die Wege in der Kenzone verboten und außerhalb der Kernzone verfallen sind. Dazu als Vorgeschmack einfach schon heute einmal Malerweg, Schrammsteingratweg, Häntzschelstiege angucken. Dazwischen Borkenkäfermikado, Brombeergestrüpp, Fichtendickicht (was ja nicht einmal schlecht aussieht). Aber da kommt eben keiner mehr rein, nicht einmal mehr die Feuerwehr.
Im Grunde verteidigen die Grünen die Naturschutzpolitik der letzten 30 Jahre als das Bestmöglichste was irgendwie machbar war. Es gilt alles so, wie bisher, unverändert fortzusetzen.
Doch manchmal sind nach ein paar Jahrzehnten auch wieder einmal ein paar neue Überlegungen nützlich. Davon ist in dem Positionspapier wenig zu spüren.
Zum Punkt Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen erwähne ich auf S. 4 die Bevölkerungsentwicklung der Nationalpark-Anliegerkommunen der letzten 30 Jahre. Die Quelle hierfür ist das Historische Ortsverzeichnis von Sachsen. Hier je die Summe der Einwohner der 8 Orte Lohmen, Königstein, Bad Schandau, Rathmannsdorf, Kurort Rathen, Stadt Wehlen, Hohnstein und Sebnitz (je mit vereinheitlichtem, die Eingemeindungen berücksichtigendem Gebietsstand):
• 2022: 24.153 Einwohner
• 1964: 47.279 Einwohner
• 1939: 44.217 Einwohner
• 1834: 20.692 Einwohner
Noch ein paar Jahre, und in der Sächsischen Schweiz wohnen wieder so viel Leute, wie 1830. Und da heißt es: „Kommunen und lokale Wirtschaft stärken“. Wenn man nachzulesen versucht, wie dies denn erfolgen soll, bleiben die Vorschläge recht vage: Potentialanalysen machen, Erlebnisorte weiterentwickeln, Innenstädte beleben. Also so vertröstende Allerwelts-Tipps.
14.09.2023 Initial